Daguereotypist bei der Arbeit (1843)

Geschichte der Fotografie: Daguereotypist bei der Arbeit (1843)
Foto: Photoindustrie-Verband

Geschichte der Fotografie: Von der Daguerreotypie bis zu modernen Sensoren

Eine rasante und erstaunliche Entwicklung
11.06.2015

Die Fotografie ist im Vergleich zu ihren Anfangsjahren kaum wiederzuerkennen. Wir zeichnen die Geschichte der Fotografie samt ihrer technischen Entwicklungen nach und zeigen, wohin die Reise in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gehen könnte.

​Anfang Januar 1839 präsentierte der durch seine Bühnenbilder und Dioramen bekannt gewordene Maler Louis Daguerre an der Pariser Akademie für Wissenschaften sein Verfahren zur Erzeugung eines dauerhaften fotografischen Abbildes. Gegen eine Leibrente kaufte die französische Regierung Daguerre diese Erfindung ab und machte sie am 19. August 1839 als „Daguerreotypie“ ohne Lizenzgebühren der Öffentlichkeit zugänglich.

Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der Fotografie, obwohl Daguerres Partner Joseph Nicéphore Niépce schon 1826 einen Blick aus seinem Arbeitszimmer fotografisch auf einer asphaltbeschichteten Zinnplatte festgehalten hatte – die Belichtungszeit dieser „Heliotypie“ betrug über acht Stunden. Daguerreotypien mussten in den Anfangsjahren nur noch mehrere Minuten statt mehrere Stunden belichtet werden. Sie waren allerdings nach wie vor Unikate – eine Vervielfältigung war zunächst nicht möglich. Fotografische Abzüge ermöglichte erstmals die von dem Engländer William Henry Fox Talbot 1840 vorgestellte Kalotypie (auch als Talbotypie bezeichnet), das erste Negativ-Verfahren. Bald waren auch die ersten kommerziellen Fotoapparate verfügbar.

Die Geschichte der Fotografie: Was folgte nach den ersten Schritten?

Daguerres Schwager Alphonse Giroux baute Daguerreotypie-Kameras, welche aus zwei Teilen bestanden, die gegeneinander verschoben werden konnten, um eine Entfernungseinstellung vorzunehmen. In den Folgejahren beschleunigte sich die Entwicklung der Fototechnik immer mehr. So konstruierte der in Österreich lebende Mathematiker Joseph Maximilian Petzval 1840 ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich lichtstarkes 100-mm-Portraitobjektiv mit der vergleichsweise großen Blendenöffnung 1:3,6. Das Petzval-Objektiv wurde von Voigtländer gebaut – bis 1862 sollen weltweit 60.000 Stück verkauft worden sein. Erst kürzlich wurde es im Rahmen eines Kickstarter-Projekts als „Lomography x Zenit Petzval“ neu aufgelegt.

Auch das fotografische Material wurde immer lichtempfindlicher und schon Anfang der 40er-Jahre waren Belichtungszeiten von wenigen Sekunden möglich. 1871 erfand Richard Leach Maddox die Gelatine-Trockenplatte, die um den Faktor 100 empfindlicher war als die bis dahin üblichen Kollodium-Nassplatten. In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts gelangen Eadweard Muybridge mit Hilfe mehrerer Kameras und mechanischer Verschlüsse erstmals Bewegungsstudien von Pferden – der Beginn der Serienbildfotografie.

Ur-Leica

Ur-Leica

1914 erschien der 35-mm-Film der Ur-Leica als klein

Foto: Leica

Aufnahmeformate werden immer kleiner

In der Anfangszeit der Fotografie war das Aufnahmemedium genau so groß wie das fertige Bild. Entsprechend sperrig waren auch die verwendeten Plattenkameras.
Kodaks Boxkameras, welche die Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts popularisierten, verwendeten zwar bereits Rollfilm, allerdings waren die Negative noch 60x90 mm groß und wurden nicht vergrößert. Erst mit der Erfindung des Kleinbildes in der Leitz Camera (Leica) durch Oskar Barnack 1914 hielt die Vergrößerung auf breiter Basis Einzug in die Fotografie.

Die Skepsis gegenüber dem für die damaligen Verhältnisse mit 36x24 mm sehr kleinen Negativ war anfangs groß, die überraschend guten Vergrößerungen überzeugten in der Praxis allerdings die meisten Skeptiker. Vor allem aber überwogen die praktischen Vorteile: Die vergleichsweise kleinen Kameras und Objektive ermöglichten eine völlig neue Art der Fotografie – mobil, komfortabel und unauffällig. Nachdem Leitz die Leica 1924 auf der Leipziger Frühjahrsmesse der Öffentlichkeit präsentiert hatte, begann der Siegeszug des Kleinbilds und das „Leica-Format“ entwickelte sich für die meisten Amateure und Profis – vor allem in der Reportage-Fotografie – zum fotografischen Standard; bis heute werden die von Objektiven an Digitalkameras mit kleineren Sensoren erfassten Bildwinkel gerne als „kleinbildäquivalente Brennweite“ angegeben.

Steve Sasson

Steve Sasson

Steve Sasson arbeitet seit 1973 bei Kodak in Rochester und gilt als Vater der Digitalfotografie

Foto: Kodak

Digitalfotografie ändert alles

​Heute erscheint uns das Kleinbild groß. Mit der Digitalisierung hielten noch einmal deutlich kleinere Aufnahmeformate Einzug in die Fotografie. Die meisten Kompaktkameras nutzen Bildsensoren mit dem Formfaktor 1/2,3 Zoll (ca. 6,2x4,7 mm) und bei den höherwertigen Modellen 1/1,7 Zoll (ca. 7,5x5,7 mm); in Fotohandys befinden sich sogar häufig noch kleinere Sensoren.

Gute Kameras mit 1/2,3-Zoll-Sensoren, wie die Pentax Q10, machen in den niedrigen ISO-Stufen Bilder, die auch im A4-Format oder auf großen Monitoren vorzeigbar sind. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Ausgangsbild auf dem Bildsensor für einen A4- Print um den Faktor 200 vergrößert wird.

Pentax Q10

Pentax Q10

Pentax Q10

Foto: Pentax

Die Vorteile deutlich größerer Sensoren erschließen sich meist erst in den höheren ISO-Stufen oder wenn für Highend-Ansprüche sehr hohe Auflösungen benötigt werden. Für die meisten Amateur- und viele Profifotografen liefern Micro-Four-Thirds- (17,3x13 mm) und APS-C-Sensoren (ca. 24x16 mm) heute hervorragende Bildergebnisse, die weit besser sind als das analoge Kleinbild. Das digitale Vollformat mit Kleinbildabmessungen bietet für höchste Profi-Ansprüche noch etwas mehr Spielräume (Auflösungen bis 36 Megapixel, rauscharme Aufnahmen auch noch bei ISO 6400), das Mittelformat mit Sensorgrößen bis 53,7x40,4 mm und Auflösungen bis 80 Megapixeln bleibt primär Studioanwendungen in der Werbe- oder Modefotografie vorbehalten. Möglich wird die hohe Qualität auch bei kleinen Sensoren durch permanente Fortschritte bei CMOS- oder CCD-Sensoren, der Auslese-Elektronik und der digitalen Bildaufbereitung.

Heutige APS-C-Kameras mit 16 bis 24 Megapixeln liefern nicht nur höher aufgelöste Bilder als die ersten 6-Megapixel-SLRs für den Massenmarkt vor zehn Jahren, sondern rauschen auch deutlich weniger. Und selbst die sehr kleinen Bildsensoren in Smartphones machen immer bessere Aufnahmen, die in manchen Situationen sogar von Profis genutzt werden.

Werden große Bildsensoren durch technische Verbesserungen also zunehmend überflüssig? Nicht unbedingt. Im Massenmarkt dürften in den nächsten Jahren weiter Smartphones Kompaktkameras und vielleicht sogar Einsteiger-Systemkameras ersetzen. Anspruchsvolle Fotografen werden aber wohl weiterhin für die beste Bildqualität auch bei schlechten Lichtverhältnissen und den kreativen Spielraum beim Spiel mit der Schärfentiefe auf größere Sensoren setzen. Entscheidende Innovationen könnten sich aber in Zukunft in anderen Bereichen abspielen.

Dieser Artikel ist anlässlich unseres 65jährigen Bestehens in unserer Jubiläumsausgabe fotoMAGAZIN 06/2014 erschienen.

Zu diesem Report gehören die Artikel

Und wie ist Ihre Fotogeschichte?

Mit welcher Kamera haben Sie zum ersten Mal fotografiert? Welche war Ihre erste Digitalkamera? Und womit möchten Sie in Zukunft fotografieren?

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.