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Frau mit einzelnen Dias
Eine Dia-Show gehört heute der Vergangenheit an. Die Produktion des Kodachrome-Films wurde 2009 eingestellt.
Foto: © Getty Images/Popartic

Der Dia-Abend – Geschichte der Dia-Projektion

Fotohistorie
31.05.2021

Wie die Foto-Projektion zum Freizeitvergnügen wurde.

Alles ist bereits erfunden, man muss Dinge nur neu interpretieren. So war noch gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Diashow ein Anlass, Freunde und Familienmitglieder einzuladen, um vom vergangenen Urlaub zu berichten. Was heute Instagram und Co. beiläufig in Echtzeit schaffen, bedurfte damals einer fast generalstabsmäßigen Planung. Ein Diaprojektor, eine Leinwand und falls man wirklich willkommen war, dann gab es auch noch etwas zu knabbern und zu trinken. Doch nach dem zehnten Sonnenuntergang am Strand und den Live-Erklärungen des Fotografen fielen den Betrachtern oft die Augen zu. Der Dia-Abend bot viel Stoff für Psychodynamik in der Familie und Inhalt für Comedy. Viele fotografierende Abenteurer finanzierten ihre Reisen durch Multivisionsschauen, zum Beispiel Howard Carter, der Entdecker von Tutanchamuns Grablege. Kern dieser Präsentation war eine interessante Geschichte, Kurzweil und die persönliche Identifikation. Diese drei Säulen eines guten Storytellings haben bis heute Gültigkeit. Die gute Geschichte ist dabei viel wichtiger als fototechnische Kompetenz.

Von bemalten Glasdias bis zur audiovisuellen Präsentation

Das Erzählen von visuellen Geschichten mit Hilfe von Projektionsapparaten beginnt Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Laterna Magica und bemalten Glasdias. Mit der Erfindung der Fotografie werden die Projektionsbilder nicht mehr auf Glas gemalt, sondern im Positivverfahren fotografiert. Das bevorzugte Format war die Viertelplatte (ca. 85 x 100 mm), das bis in die 1920er-Jahre in Gebrauch blieb. So finden sich in vielen botanischen Instituten die Glasdias von Josef Hanel, die dieser von Hand kolorierte. 1925, mit der Erfindung der Leica und dem Kleinbild, gewinnt die Fotografie erneut an Dynamik. Die handliche Kamera lässt einen mobileren Einsatz zu. Folglich sind die Bildmacher näher am Geschehen. Da die Kameras nun mit 35mm-Film geladen werden, ist das nötige Material für Positivbilder bereits vorhanden.

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Leitz Dia-Projektor Uleja

1926 brachte Leitz den Dia-Projektor Uleja heraus,

© Leitz

Die Firma Leitz bringt 1926 den Projektionsapparat Uleja heraus, der Bilder als Filmstreifen ohne Rahmen projizieren kann. Später werden die Filmstreifen zwischen zwei Glasscheiben positioniert und mit einem Baumwollklebeband verschlossen. Für die Größe der Rahmen übernimmt man das Maß der Laterna-Magica-Bildstreifen von 50 mm Höhe. Die Dias müssen noch von Hand eingelegt und in den Apparat geschoben werden. Das bleibt bis Mitte der 1950er-Jahre so.

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Broschüre Klein-Projektionsapparate

Nach dem Dia-Projektor Uleja folgte 1928 der "Ulios" mit Einschubfach für einzelne Glasdias.

© Leitz

Mit der Erfindung des Farbfilms hält auch das Farbdia Einzug, doch das Material ist teuer und der Zweite Weltkrieg wird die Weiterentwicklung stark bremsen, wenn nicht sogar vernichten. Als Kodak 1935 den Kodachrome-Umkehrfilm herausbringt, entwickelt 1938 Henry C. Staehle die praktischen Papierrahmen dazu. Die Dias werden leichter und es entfallen die temperaturbedingten Newton-Ringe, die bei den Glas-Film-Glas-Sandwiches entstanden waren. Durch die Hitze der Projektorlampen verzog sich allerdings der Diafilm bei einem zu langen Betrachten eines Dias.
Mitte der 1950er wird das Universalmagazin erfunden, fortan muss man nicht mehr jedes Dia einzeln in den Projektor legen, die Dias werden automatisch ausgetauscht und projiziert. Es dauerte noch bis in die 70er-Jahre, bis der Überblendmechanismus mit zwei Projektoren möglich wurde. Die audiovisuellen Präsentationen wurden immer raffinierter. Ton, Endlosschleife, ja sogar visuelle Zusatzeffekte waren nun möglich. Das Dia war eine fotografische Erfolgsgeschichte! Sein rasantes Ende begann zur Jahrtausendwende. Der Beamer löste die Diaprojektion ab. Ab 2005 wurde die Projektor-Produktion in vielen Fabriken eingestellt. Der Markt ließ sich noch vorübergehend mit Lagerbeständen versorgen, doch das Dia war binnen weniger Jahre aus der Mode gekommen. Faktisch alle Lieferanten stoppten um 2008 die Produktion, der Kodachrome-Film wurde 2009 zu Grabe getragen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
peter.michels

Bei Peter Michels liegt das Schreiben und Unterrichten rund um die Fotografie in der DNA. Er unterrichtet Kamerabau, historische Fotoprozesse und Analogfotografie. Ihm ist es zu verdanken, dass in der Schweiz Analogfotografie als schützenswertes Handwerk definiert wurde. Als Kurator konzipierte er die Werkschau PHOTO an den Standorten Zürich und München.