90 Jahre Pentax – 9 Jahrzehnte Innovationen

Jubiläum bei Pentax
13.10.2009

Im November wird Pentax 90 Jahre alt. Das Imaging-Unternehmen hat mit seinen Innovationen über Jahrzehnte hinweg Fotogeschichte geschrieben

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Anfangspunkt und aktueller Höhepunkt der Asahi Pentax-Geschichte: die Asahiflex von 1952 (vorne) und der semiprofessionelle Digitalbolide K-7 von 2009

Als Kumao Kajiwara im November 1919 in Toshima, einem Vorort von Tokio, die Asahi Kogaku Goshi Kausha zur Herstellung von Brillengläsern gründete, ahnte niemand, dass dieses Unternehmen einmal Fotogeschichte schreiben würde. Doch bereits 1938 firmierte die Firma in die Asahi Optical Co., Ltd. um und begann mit der Fertigung von Fotoobjektiven. In dieser Zeit entwickelte und produzierte Asahi außerdem optische Geräte für militärische Zwecke. Ende des Krieges wurde Asahi von der Besatzungsmacht aufgelöst und durfte erst 1948 wieder produzieren. Man begann zunächst mit der Herstellung von Ferngläsern und Fotoobjektiven für andere Firmen wie Konishiroku und Chiyoda Kogaku Seiko, aus denen später Konica und Minolta hervorgingen.
Erst 1952 brachte Pentax sein erstes Kameramodell auf den Markt und startete gleich mit einer Sensation: Die Asahiflex I war die erste japanische Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Sie besaß einen fest eingebauten Lichtschachtsucher mit feststehendem Spiegel. Bereits 1954 gelang den Japanern ein weiterer Durchbruch: Mit der Asahiflex IIB präsentierte Asahi die erste SLR mit schnellem Rückschwingspiegel. Bis dahin galt die Sucherverdunkelung nach dem Auslösen als das Haupthindernis der einäugigen Spiegelreflexfotografie. Die Asahiflex IIB war die erste erfolgversprechende SLR-Lösung aus Japan. Neben dem Lichtschachtsucher für die Motivbetrachtung auf der Mattscheibe besaß sie einen kleinen Durchsichtssucher, der für das Fotografieren aus Augenhöhe verwendet werden konnte. Da fehlte aber die Scharfstellhilfe, wie sie die Mattscheibe praktischerweise bot. Die Asahiflex-Kameras wurden bis 1957 gebaut und schließlich von den ersten Pentax-Kameras abgelöst, die fortan die Geschichte der SLR-Fotografie entscheidend prägten. Die 1957 vorgestellte Asahi Pentax besaß ein Pentaprisma, Rückschwingspiegel, Schnelltransporthebel und Rückspulkurbel. Die Scharfstellung wurde durch die Mikroprismen-Sucherscheibe unterstützt. Auch das bis 1975 verwendete M42-Objektivgewinde wurde damals gewählt.
Der Markenname Pentax, eine Mischung aus Penta­prisma und Contax, gehörte dem VEB Zeiss Ikon, der ihn 1957 an Asahi Optical verkaufte.

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die ein 35-70-mm-Zoom besaß

Seitdem wurde das Unternehmen vor allem durch Fotoprodukte weltberühmt. Auf der photokina 1958 überraschte Pentax mit dem Prototypen der K mit halbautomatischer Springblendenübertragung. Dies geschah noch mechanisch durch jeweils einen Hebel in der Kamera und am Objektiv. Zwei Jahre später sorgten die Japaner mit einem Prototypen mit integrierter CdS-Zelle für die Belichtungsmessung durch das Objektiv für Aufsehen. Es war der Vorläufer der legendären Spotmatic, die schließlich 1964 mit mittenbetonter Integralmessung durch das Objektiv auf den Markt kommt. Obwohl damals bereits andere Firmen mit der Belichtungsmessung durch das Objektiv experimentierten und sehr viel früher Patente dazu angemeldet hatten, gilt Pentax als der Erfinder der TTL-Messung. Bis 1969 wurden bereits zwei Millionen Pentax-Kameras verkauft. Den Einstieg in die Mittelformatfotografie wagte Pentax 1969 mit der SLR-Kamera 67 für 6x7 cm, die sich abgesehen von ihrer Größe so einfach wie eine KB-SLR bedienen ließ.
Der Druck auf Pentax wurde größer. Marktanteile gingen an Nikon und Canon verloren, die viel früher professionelle Kameras mit Wechselbajonett brachten. 1975 führte Pentax schließlich das bis heute mit kontinuierlichen Verbesserungen existierende K-Bajonett ein. Damals startete der Kamerahersteller gleich mit drei Spiegelreflexen, der K2, KX und der KM. Das Flaggschiff K2 besaß eine verbesserte TTL-Messung und Zeitautomatik sowie Verschlusszeiten zwischen 1/1000 und 1 Sekunde. Gleichzeitig mit der K1000 startete die Asahi Optical die M-Serie mit den Varianten ME und MX. 1979 stellte Pentax die erste Spiegelreflex für das Pocket-Format vor, die Auto 110 super. Sie ist die kleinste SLR der Welt mit Wechselobjektiven. Zu Beginn der 80er-Jahre versuchte die Company, den Konkurrenten Canon und Nikon eine professionelle Kamera entgegenzustellen. Mit der LX unterstrich Asahi sein Engagement im Profisegment, sie wurde das bestausgestattete Kameramodell im Pentax-Angebot und erst nach über 20 Jahren 2001 eingestellt.
Einen Meilenstein in der Fotogeschichte markierte 1981 die Pentax ME-F, die ausgerüstet mit einem AF-Zoom mit Motor den Beginn der Autofokusfotografie einläutete. Damals hatte Pentax bereits über zehn Millionen SLR-Kameras gebaut. Im Jahr 1982 beginnt ein neues Kapitel in der Firmengeschichte: Es kommt seine erste Kompaktsucherkamera, die PC 35AF, heraus, die in Deutschland als die lachende Kamera beworben wird. Mit der Einführung der Super A Programm wird eine Veränderung des K-Bajonetts erforderlich, um Blenden- und Programmautomatik zu ermöglichen. Trotz der wesentlichen Ver­änderungen hat es Pentax auch später immer wieder geschafft, die Kompatibilität zu älteren Objektiven auf­recht zu er­halten. Dabei be­stand die Schwierigkeit hauptsächlich darin, neben den neuen elektronischen Steuerungen auch die mechanischen Elemente beizubehalten.
Einen weiteren Höhepunkt bringt 1984, in dem Pentax mit der 645 erstmals eine Systemkamera für das 6x4,5-cm-Format vorstellte. Sie wird 1997 als 645N zur weltersten Autofokus-Kamera im Mittelformat. Ab 1987 hielt durch die neue Pentax SF-Linie endgültig die automatische Scharfstellung in den SLRs Einzug. Erneut musste das K-Bajonett modifiziert werden, um das Objektiv über den nun kamerainternen AF-Motor verstellen zu können. Das KAF-Bajonett war geboren.  1992 wird eine weitere Marke für Kompaktkameras kreiert: Die Espio präsentiert sich als kleinste 35-70-mm-Zoomkamera der Welt.
Die Mitte der 90er-Jahre ist geprägt von der einsetzenden Digitalfotografie. Pentax stellt mit der EI-C90 seine erste Digitalkamera vor. Sie verfügt über eine Auflösung von 768x560 Pixel und kann Bilder im TIFF- oder JPEG-Format aufzeichnen. Ihre Besonderheit ist der abnehmbare Farbmonitor zum Betrachten der Fotos. Als letztes analoges Topmodell wird 2001 die MZ-S vorgestellt.

Umstellung auf das Digitalzeitalter

Erst 2002 firmierte die Asahi Optical Co. in die Pentax Corporation um. Im Laufe seiner Geschichte wurde Pentax zu einem der größten optischen Konzerne der Welt mit über 6000 Mitarbeitern. Auf der photokina 2004 wird die *istD vorgestellt, Pentax erste D-SLR mit 6 Megapixel. Die K10D und K100D sind 2006 die ersten wasserfesten und stoßabsorbierenden digitalen Spiegelreflexen. Im gleichen Jahr begannen die Verhandlungen mit dem Glashersteller Hoya, der vor allem an der Medizinsparte interessiert war. Erst nach einem längeren Hickhack mit den Anteilseignern von Pentax und dem Rücktritt des Präsidenten Fumio Urano konnte Hoya 2008 die Firma übernehmen. Pentax existierte nicht mehr als eigenständiges Unternehmen. Die Produktion bei Tokio wurde eingestellt und die Fertigung nach Südostasien verlegt. Heiner Henninges

1919
Im November wird von Kumao Kajiwara die Asahi Optical Joint Stock Co. gegründet.

1938
Umfirmierung in Asahi Optical Co., Ltd.

1952
Vorstellung der Asahiflex II.

1955
Gründung der Asahi Optical Corporation.

1956
Erste Teilnahme an der photokina.

1957
Einführung der Asahi Pentax-SLR mit Pentaprisma.

1958
Einführung der Asahi Pentax K.

1962
Gründung der Europa-Niederlassung in Belgien.

1966
werden erstmals über eine Million SLR-Kameras produziert, die Niederlassung in Hamburg wird gegründet.

1972
Gründung der Pentax Carl Zeiss in Tokyo und Einführung der Pentax SMC-Brillengläser.

1977
Gründung der Pentax Handelsgesellschaft in Hamburg und Einführung eines CAD-Drucksystems.

1979
Pentax feiert den 60. Geburtstag; Produktion von über 8 Millionen SLR-Kameras.

1981
Die SLR-Produktion überschreitet die 10-Millionen-Grenze; Pentax steigt in die Produktion von Videosystemen ein; die erste Asahi Pentax mit Autofokusobjektiv wird vorgestellt: ME-F.

1982
Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Tokio wird eröffnet.

1983
Pentax Super A und Super Program wird EISA Kamera des Jahres 1983.

1984
Pentax 645 und PC35AF gewinnen Design-Auszeichnungen.

1987
Einführung der Pentax SFX/SF1, der ersten AF-SLR-Kameras mit TTL-Blitzautomatik.

1988
Über eine Million verkaufte Zoom 70; Einführung der SF7/SF10 und SFXN und SF1N; die Zoom 60 wird vorgestellt; Pentax baut die Medizinsparte mit der Herstellung synthetischen Knochenmaterials weiter aus; Vorstellung des Prototypen einer Still-Video-Kamera mit Audioaufzeichnung.

1989
Zoom 90 wird vorgestellt.

1990
Zoom 105 Super; Gründung der Asahi Optical Phillipines

1991
Start der Pentax Z-Serie; die Produktion von Kompaktkameras übersteigt 10 Millionen Stück.

1993
Pentax Espio 115

1994
Mit der Pentax LX Titan und der Espio mini feiert das Unternehmen seinen 75. Geburtstag.

1995
Pentax bringt mit dem SMC Pentax 17-28 mm das erste Fisheye-Zoom der Welt.

2001
Start der kompakten Digitalkameraserie Optio mit der Optio 430, der damals kleinsten 3 Megapixelkamera; MZ-S ist neues SLR-Flaggschiff.

2002
Umfirmierung der Asahi Optical Co. in Pentax Corporation. Digibino, Fernglas mit Digitalkamera, wird vorgestellt.

2006
Start der digitalen K-Serie mit der K100D und K10D.

2008
Hoya übernimmt Pentax zum 31.3.2008; Vorstellung der K20D und K200D sowie des Sondermodells der K-m in Weiß.

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Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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