Ellie Goulding by Matthias Clamer

Ellie Goulding by Matthias Clamer
Popsängerin Ellie Goulding in einem Taxi in New York
© Matthias Clamer

Serie: Sauwetter 2.0 - Lichtspiel im Regen

Fotografieren, wenn es stürmt und schneit - Szenario I
26.02.2015

Portrait eines Pop-Stars war der Job. Matthias Clamer hatte neonbunte Locations für die Nachtaufnahmen vorbereitet. Als der Star eintraf, fing es an zu regnen

Der Supergau passierte in einer warmen Sommernacht. Für das britische Q-Magazine sollte Matthias Clamer in New York Portraits von Ellie Goulding schießen. Die platinblonde Popsängerin mit der glockenhellen Stimme hatte gerade ihr Album „Bright Lights“ veröffentlicht, das in den Charts durch die Decke ging.

„Unser Team war mit Ellie im Szeneviertel East Village unterwegs. Als Hintergrund hatten wir einige Standorte mit Leuchtreklame vorgesehen“, erzählt der New Yorker Fotograf. Die farbigen Lichter sollten per offener Blende zu unscharfen Lichtflächen verlaufen.
„Kurz nach den ersten Shots prasselte ein Regenschauer vom Himmel. Das Fototeam störte das weniger, aber unser Model durfte nicht nass werden, sonst wäre das Shooting in punkto Make-up & Haare im Eimer gewesen. Ein Plan B musste her“, erzählt Clamer.

Lichtset Lichtspiel im Regen

Lichtset Lichtspiel im Regen

Lichtset: Lichtspiel im Regen

© Illuteam43

Er winkte ein Taxi heran und mietete es für eine halbe Stunde als Location, für moderate 40 Dollar. Leicht verdientes Geld für den Fahrer, allerdings musste der Wagen am Straßenrand an einer Stelle mit hellen Lichtern im Hintergrund geparkt werden. Clamers Assistenten hatten die Profoto 7B-Akkus und Blitzköpfe mittlerweile in farblos transparente Mülltüten wasserdicht verpackt. Die Tüten verändern das Licht der Reflektoren kaum, verhindern aber einen Kurzschluss, der nicht nur die Blitzanlage, sondern das gesamte Shooting gesprengt hätte.

In Windeseile entwickelte der Portraitfotograf den Lichtaufbau für die neue Situation. Die stimmungsvolle Portrait-Ausleuchtung im Wageninneren unter Berücksichtigung des rückwärtigen Umgebungslichts ist nicht trivial. Das Taxi wurde von hinten mit Grün- und Blaufilter angeblitzt, was farbstarke Akzente in den Vordergrund bringt.
Das blaue Licht sollte durch die Rückscheibe auch einen blauen Schimmer auf Ellies Haare setzen.

Das weiße Hauptlicht für Ellies Gesicht blitzte von der linken Autoseite durch die Scheibe. Die dem Licht abgewandte Gesichtseite geriet allerdings zu dunkel, soff förmlich ab. So kam ein viertes Blitzlicht ins Spiel, das ein Assistent ins Wageninnere, mit dem Reflektor gegen den Wagenhimmel gerichtet hielt. Perfekte Aufhellung für Ellies dunkle Seite. Das Licht passte jetzt.

Und damit zum Wichtigsten: seinen lyrischen Zauber gewinnt das Portrait erst durch die Regentropfen. Im Vordergrund verwandeln sie sich durch Unschärfe in transparente Lichtscheibchen mit unterschiedlichen Farben, je nach Lichteinfall. Ein zarter Schleier aus Licht, der eine geheimnisvoll elegische Stimmung zaubert.

Der Effekt gelingt, wenn man nah an die Scheibe rückt. Clamer fotografierte mit einem 35-mm-Weitwinkel an der Canon EOS 1 Ds Mark III bei Blende 2 und 1/50 s mit ISO 400.

Die vollständige Praxis-Serie ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 2/2014 erscheinen. 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Heinz-Jürgen Kruppa