Moderne Fotoschule: Zeit und Bewegung

Teil III unserer Serie
07.11.2014

Die Belichtungszeit ist eines der zentralen Gestaltungsmittel für Fotografen

Die Fotografie nimmt nicht nur einen Ausschnitt aus dem Raum, sondern auch aus der Zeit. Zwar kommt es uns immer so vor, als wäre es lediglich ein Moment – ein denkbar kurzer Ausschnitt der Zeit – aber tatsächlich ist dieser Moment mehr oder weniger ausgedehnt.

Moderne Fotoschule: Wasser weich machen

Moderne Fotoschule: Wasser weich machen

Wasser weich machen
Ein Klassiker, aber immer schön: Das weich gemachte Wasser gibt einem einfachen Bach eine märchenhafte Anmutung. Toll ist die Kombination mit scharf abgebildeten, kontrastreichen Gegenstücken wie Steinen oder hier dem Eis. Die Belichtungszeit muss mehrere Sekunden betragen, abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Wassers. Da bei ISO 100 die Blende kaum ausreichend weit geschlossen werden kann, ist außer in der Dämmerung immer ein Graufilter nötig.

© Eberhard Ehmke

Gängige Kameras beherrschen Belichtungszeiten zwischen 1/4000s oder gar 1/8000 s und mehreren Minuten. Bei vielen Motiven entscheidet die Wahl der Belichtungszeit grundlegend über die Wirkung des Bildes. Schon kleinste „Wischer“, die durch eine Bewegung des Motivs während der Belichtungszeit entstehen, signalisieren Geschwindigkeit und Dynamik im Foto.

In der Regel bestimmen die beiden Parameter Blende und Belichtungszeit über die korrekte Belichtung eines Fotos. Um die Zeit flexibel einzustellen kann der Fotograf also die Blende variieren (und muss berücksichtigen, dass auch die Blende sein Ergebnis beeinflusst). I
st hier kein weiterer Spielraum vorhanden, so kann immer die Empfindlichkeit über die ISO-Werte nachjustiert werden.

Zeit „dehnen“ oder „verkürzen“

Wichtiges Hilfsmittel ist zunächst das Neutralgraufilter, auch Neutraldichtefilter oder ND-Filter genannt. Es macht nichts anderes als die Menge des durch das Objektiv einfallenden Lichts zu reduzieren. F
ast alle Filter werden in das Filtergewinde eingeschraubt und müssen passend zum Objektiv gekauft werden. Soll es an mehreren Objektiven zum Einsatz kommen, so kann man alternativ zum zweiten kleineren Filter auch einen (günstigeren) Filtergewindeadapter kaufen.
Als Alternative können Filterhalter (z. B. von Cokin) zum Einsatz kommen. Solche Systeme für Wechselfilter lohnen sich aber nur, wenn viele unterschiedliche Filter eingesetzt werden.
Die Stärke des Filters wird als Faktor angegeben. Ein 8fach-Filter reduziert die Lichtmenge um den Faktor 8 und damit um drei Blendenstufen. Erst so erreicht man tagsüber so lange Belichtungszeiten, dass fließendes Wasser verwischt abgelichtet werden kann.

Aber auch bei Mitziehern oder anderen Wischeffekten kann ein Graufilter hilfreich sein. Denn bei Sonnenschein und gerade am Strand oder im Schnee ist es fast unmöglich, so lange Belichtungszeiten wie 1/30 Sekunde, die für viele Mitziehsituationen wichtig sind, zu erreichen.
In die andere Richtung wird es aufwendiger: Sollen extrem schnell bewegende Objekte erfasst werden (fliegende Insekten, Pfeile, Gewehrkugeln), so reicht die Verschlussgeschwindigkeit der Kameras nicht aus, um das Objekt scharf abzulichten.
Hier muss man sich einer Eigenschaft des Blitzlichts bedienen: Das hat in er Regel eine sehr kurze Abbrennzeit.
 

Moderne Fotoschule: Ultrakurzzeitfotografie

Moderne Fotoschule: Ultrakurzzeitfotografie

Ultrakurzzeitfotografie
Solche Motive lassen sich am besten automatisiert anfertigen. Hier befindet sich ein drucksensitiver Schalter unter der Glasplatte. Die in die Tasse fallende Murmel löst so den Blitz aus. Da der Raum absolut dunkel ist, kann die Kamera auf „Bulb“ (Verschluss geöffnet) stehen. Der Kameraverschluss wäre deutlich zu langsam, um rechtzeitig auszulösen und scharf abzubilden. Die ultrakurze Belichtung erledigt der auf manuell stehende Blitz.

Nikon D2x mit zwei Systemblitzen

© Myrko Nordmann

Daher fotografiert man solche Objekte so, dass ausschließlich das Blitzlicht in die Belichtung eingeht. Am einfachsten ist dies in dunkler Umgebung: dann nämlich kann der Verschluss der Kamera offen sein und lediglich der Blitz macht das Bild. Die ultrakurze Belichtungszeit des Blitzes lässt sich aber auch mit der Langzeitbelichtung einer Nachtaufnahme kombinieren.

Interessant ist dies vor allem bei der Aufnahme nächtlicher Fahrzeuge: Hier friert der Blitz das Fahrzeug selbst ein, die Lichter der Autos bzw. Motorräder jedoch werden von der Belichtungszeit der Kamera in die Länge gezogen. Bei Blitzen auf dem zweiten Verschlussvorhang ziehen sich die Lichter wie Spuren nach hinten.

Teil I unserer Fotoschule: Ausschnitt und Formate
Teil II unserer Fotoschule: Perspektive und Bildwinkel
Teil IV unserer Fotoschule: Farbe

Dieser Artikel ist erschienen in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 9/2014

 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.