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Libellen im Makroauge
© Jens Kählert

Libellen im Makro-Auge

Libellen zu fotografieren ist schön und oftmals kompliziert zugleich – Wir haben ein paar Tipps für Sie!
13.04.2016

Der Frühling ist da und mit ihm erwacht auch wieder das Leben um uns herum. Doch kleine Dinge und Lebewesen entwickeln oft ihre Reize erst, wenn sie formatfüllend dargestellt werden. GDT-Fotograf Jens Kählert verrät, wie er insbesondere Libellen ganz groß herausbringt

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Libelle in der Abendsonne

ABENDSTIMMUNG
Die Schärfe liegt auf dem Kopf der Libelle. Unschärfesäume durch Lichtbeugungserscheinungen an den Körperkonturen sind in Kauf zu nehmen

Unser Tipp: Je größer der Abbildungsmaßstab ist, desto größer wird auch die unscharfe Sonnenscheibe im Hintergrund

© Jens Kählert

Zugegeben: Insekten lösen keine spontane Begeisterung aus. Zu tief sitzt die Angst vor stechenden, beißenden oder gar Krankheiten übertragenden Biestern. Doch wer seine anfängliche Scheu vor den kleinen Sechsbeinern erst einmal überwunden hat, wird schnell ihre andere Seite kennen lernen. Öffnen Sie Ihre Augen und Sinne für die Geheimnisse des Mikrokosmos – und entdecken Sie eine völlig neue Welt. Verabschieden Sie sich von gewohnten Sichtweisen, lassen Sie sich von ungeahnten Details überraschen, spüren Sie die Ästhetik und Faszination, die von den fremden Wesen ausgeht. Spezielle Aufnahmetechnik ermöglicht ungewohnte Abbildungsmaßstäbe und erschließt Ihnen bisherige Rätsel.

Libellen

Zu den ganz besonderen Insekten zählen zweifellos die Libellen. 250 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte liegen hinter diesem uralten Adelsgeschlecht der Evolution und das Ergebnis ist ein in Form und Funktion vollkommener Körper. Trotz eines weitgehend gleichen Bauprinzips aller Libellen ist die Vielfalt der Formen und Farben erstaunlich groß. Mitreißende Flugshows, Rüttelflüge auf der Stelle, plötzliche Wendemanöver, blitzschnelle Starts, Purzelbäume in der Luft und sogar kurze Rückwärtsflüge gehören zu ihrem akrobatischen Repertoire.

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Gebänderte Prachtlibelle

GEBÄNDERTE PRACHTLIBELLE
Trotz Blende 14 lässt sich nicht die ganze Libelle scharf abbilden. Die Schärfe wurde auf die wichtigsten Motivteile, den Schatten und die Flügelbinden, gelegt

© Jens Kählert

Die Objektive

Der ernsthafte Naturfotograf verzichtet auf Notlösungen wie Nahlinsen oder Zoomobjektive mit einem Makrobereich. Objektive oder Objektivköpfe an Zwischenringen oder Balgengeräten erschließen die Welt des Kleinen in besserer Qualität, doch die komfortabelste und hochwertigste Lösung ist ein speziell für den Nahbereich gerechnetes Makroobjektiv, das ohne Hilfsmittel die Abbildung in natürlicher Größe auf dem Kamerasensor (Abbildungsmaßstab 1:1) erreicht. Der Markt bietet zahlreiche Makros in verschiedenen Preis- und Leistungsklassen an. Neueste Konstruktionen verfügen über einen Bildstabilisator, der im Makrobereich jedoch von geringerem Nutzen ist als bei konventionellen Aufnahmen. Er bringt hier nur den Gewinn von etwa einer Verschlusszeitenstufe.

Aufnahme auf Augenhöhe wirken erheblich intensiver.

Viele Insektenfotografen verwenden ein Makroobjektiv mit einer Brennweite um 100 mm und versuchen ihr Glück mit Aufnahmen aus der freien Hand, wobei sie sehr beweglich bleiben. Zu besseren Ergebnissen führt jedoch in der Regel ein anderes Vorgehen, das in der Makrofotografie allgemein angewendet werden kann und heute bei vielen Fotografen weit verbreitet ist. Favoriten sind eindeutig die Makroobjektive mit langen Brennweiten, denn sie gestatten eine größere Distanz zwischen Objekt und Objektiv. Während der Fotograf sich seinem Motiv beim Abbildungsmaßstab 1:1 mit einem 100-mm-Objektiv auf ungefähr 17 cm (ab Frontlinse) nähern muss, lässt das 200er noch über 30 cm Platz – ein unschätzbarer Vorteil bei der Annäherung an ein scheues Tier. Ein Makroobjektiv zwischen 150 und 200 mm Brennweite ist also die erste Wahl des Insektenfotografen.

Manchmal kann auch ein Weitwinkelobjektiv zum Einsatz kommen. Es erlaubt ungewöhnliche Perspektiven und bezieht den Lebensraum hinter einem formatfüllend abgebildeten Insekt ein. Wer ein langbrennweitiges Makroobjektiv sein Eigen nennt, weiß auch schnell weitere Handhabungsvorteile zu schätzen. Als sehr angenehm erweist sich der in dieser Objektivklasse fast immer mitgelieferte Stativring, welcher die Kamera-Objektiv-Kombination ungefähr im gemeinsamen Schwerpunkt festhält. Auch einige 100er können mit einer Stativschelle aus dem Zubehörhandel versehen werden. Der Stativring erübrigt das Umklappen der Stativkopfplatte vom Quer- zum Hochformat, sodass ein sehr lästiges Verschwenken der optischen Achse entfällt. Das Lösen der Feststellschraube an der Stativschelle und eine kleine Drehung an der Kamera genügen, um das Gehäuse in jede gewünschte Stellung zu bringen. Das erspart ein neues Ausrichten der Kamera auf das Objekt und damit kostbare Zeit in Situationen, die ein schnelles Handeln erfordern.

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Eine tiefe Kameraposition ermöglicht es, den Himmel als Hintergrund zu nehmen. Eine Aufhellung des Motivs von vorne ist ratsam

TIEFE POSITION
Eine tiefe Kameraposition ermöglicht es, den Himmel als Hintergrund zu nehmen. Eine Aufhellung des Motivs von vorne ist ratsam

© Jens Kählert

Das Licht

Als Lösung aufnahmetechnischer Probleme wie Bewegungs- und Verwacklungsunschärfe sowie geringer Schärfentiefe benutzen viele Makrofotografen ein Blitzgerät. Damit lassen sich technisch einwandfreie und auch effektvolle Bilder herstellen, doch fast immer liefert das natürliche Licht stimmungsvollere Aufnahmen. Das sanfte Licht eines bewölkten oder diesigen Himmels leuchtet das Objekt schattenfrei aus. Falls Teile des Insekts trotzdem zu dunkel geraten, sorgt ein Aufheller, z. B. eine Silberfolie, für Abhilfe. Eventuell ist eine leichte Belichtungskorrektur erforderlich. Daher sollte das Histogramm auf dem Kameramonitor stets im Blick behalten und darauf geachtet werden, dass die Tonwerte weder links noch rechts gegen die Grenze stoßen.

Das Stativ

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Mit der Lupenvergrößerung im Live-View lässt sich die Lage der Schärfe vor der Aufnahme gut überprüfen

KONTROLLE
Mit der Lupenvergrößerung im Live-View lässt sich die Lage der Schärfe vor der Aufnahme gut überprüfen

© Jens Kählert

Der Verzicht auf das Blitzgerät macht gleichzeitig den Einsatz eines Stativs notwendig. Als sehr nützlich erweisen sich in der Makrofotografie Konstruktionen, deren Beine sich extrem weit abklappen lassen und somit bodennahe Aufnahmen ermöglichen. Da sich Spreizung und Auszug jedes Stativbeins getrennt einstellen lassen, kann der Fotograf das Dreibein jedem noch so unebenen Boden anpassen. Das Stativ verringert nicht nur die Verwacklungsgefahr. Wer aus freier Hand Nahaufnahmen machen möchte wird feststellen, dass die Kamera ständig ein wenig hin- und herschwankt, sodass es schwierig ist, die Lage der Schärfezone und den gewünschten Bildausschnitt zu halten. So hilft das Drei­bein, den Ausschnitt und die Schärfezone festzulegen und zu sichern.

Bildgestaltung

Die Abbildungsgröße eines Objekts ist kein entscheidendes Qualitätskriterium für ein Bild. Auch die kleine Darstellung eines in sein Umfeld eingebetteten Insekts kann eine enorme Bildwirkung auslösen, aber große Abbildungsmaßstäbe bürgen oftmals für Dramatik. Ein wichtiges Gestaltungselement ist der Hintergrund. Angenehm wirkt eine ruhige, harmonische und passende Farbfläche hinter dem Insekt. Sie sollte nicht zu eintönig sein, diffuse Farbtupfer oder -flächen, die unscharf miteinander verbunden sind und ineinander verlaufen, beleben den Hintergrund.

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Zur Aufnahme des winzigen Kopfes einer Gehöckerten Krabbenspinne war ein Abbildungsmaßstab von ca. 4,5:1 notwendig

PORTRAIT
Zur Aufnahme des winzigen Kopfes einer Gehöckerten Krabbenspinne war ein Abbildungsmaßstab von ca. 4,5:1 notwendig

© Jens Kählert

Ebenso wird das Insekt portraitartig aus seinem Umfeld herausgelöst und die Ruhe des Hintergrunds wirkt sich günstig auf die Wirkung des ganzen Bildes aus. Durch Druck auf die Abblendtaste zeigt sich der Hintergrund so, wie er später im fertigen Bild erscheint. Störendes Gestrüpp und harte Linien werden dabei sichtbar, und der Fotograf kann dann auf die Aufnahme verzichten oder die Perspektive wechseln.

Im Interesse einer guten Hintergrundgestaltung wählt der Insektenfotograf bevorzugt exponiert sitzende Tiere aus. Die Blende sollte auf Werte um f/8 geschlossen werden, um Schärfentiefe und Abbildungsleistung zu erhöhen. Allerdings können Aufnahmen bei offener Blende zu besonders reizvollen Effekten führen, weil die Bildelemente um das Motiv herum in Unschärfe verschwimmen und sich zarte Übergänge zwischen verschiedenen Strukturen und Farbflächen ergeben. In konventionellen Darstellungen wird ein Insekt meist in der Seitenansicht gezeigt. Es ist darauf zu achten, dass die Linie Kopf – Brust – Hinterleib durchgängig in der engen Schärfezone liegt. Das Auge des Betrachters stört sich daran, wenn z. B. das Ende des Hinterleibs­ unscharf ist. Durch Verschieben des Stativs lässt sich die richtige Position der Kamera zum Objekt finden. Lohnend sind aber auch Ansichten aus anderen Blickwinkeln, um beispielsweise eine Bilddiagonale zu finden.

Gehen Sie mit offenen Augen durch möglichst
naturnahe Lebensräume: Teiche, Seen, Moore,
Sümpfe, Bach- und Flussufer sowie artenreiche und ungedüngte Blumenwiesen bieten die besten Voraussetzungen für eine reiche Insektenfauna.

Was, wann, wo

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Das gedämpfte Licht eines bewölkten Himmels sorgt für eine angenehm schattenfreie und kontrastarme Abbildung der ruhenden Feuerlibelle

LICHT
Das gedämpfte Licht eines bewölkten Himmels sorgt für eine angenehm schattenfreie und kontrastarme Abbildung der ruhenden Feuerlibelle

Unser Tipp: Um die Linie Kopf – Brust – Hinterleib scharf darzustellen, wird das Stativ mit der Kamera so lange nach links oder rechts verschoben, bis die Schärfe stimmt. Wenn sie exakt liegt, kann auf starkes Abblenden verzichtet werden, was der Objektivleistung und der ruhigen Hintergrundgestaltung zugute kommt

© Jens Kählert

Möglichst naturnahe Lebensräume, z. B. Teiche, Seen, Moore, Sümpfe, Bach- und Fluss­ufer sowie artenreiche und ungedüngte Blumenwiesen bieten die besten Voraussetzungen für eine reiche Insektenfauna. Gehen Sie mit offenen Augen und vorsichtig durch diese Lebensräume. Im Laufe der Zeit bekommt Ihr Auge Übung und Sie ahnen bald, wo wer sein könnte. Sehr ergiebig sind oft Fotoexkursionen am frühen Morgen, die schon vor Sonnenaufgang beginnen sollten. Weiches Licht, Windstille und frische Temperaturen sorgen für nahezu ideale Fotobedingungen.

An geeigneten Biotopen können Sie mit einer Vielzahl von Fotosituationen rechnen. Bei Temperaturen unter 13°C sind viele Insekten, z. B. Libellen und Schmetterlinge, nahezu bewegungsunfähig und lassen sich leichter ablichten. Bei einem Streifzug durch ein Moor am frühen Morgen findet der Beobachter bei passender Wetterlage sicherlich Libellen, die mit funkelnden Tautropfen bedeckt im Gras ruhen. Um Zweiflügler zu fotografieren, bedarf es noch niedrigerer Temperaturen. Während ihre Verwandten noch regungslos im Gras verharren, können Fliegen und Mücken meistens schon krabbeln oder sich in die Lüfte erheben.

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Am frühen Morgen findet man oft Prachtlibellen mit symmetrischer Flügelstellung. Tagsüber sind sie sehr selten zu beobachten

SYMMETRIE
Bei manchen Motiven macht sich Symmetrie sehr gut. Am frühen Morgen findet man oft Prachtlibellen mit dieser Flügelstellung, die tagsüber sehr selten zu beobachten ist

© Jens Kählert

Wer tagsüber auf Fotopirsch geht, findet gewiss sehr viele Insekten, jedoch schwierige Fotobedingungen. Wie alle Wirbellose gehören die Sechsbeiner zu den wechselwarmen Tieren, die bei höheren Temperaturen richtig aktiv werden. Etliche dieser Kleintiere sind an warmen Tagen in ständiger Bewegung und nicht leicht zu fotografieren. Erschwerend kommt oft hartes Licht hinzu, das manchmal mit einem über das Motiv gehaltenen Diffusor gedämpft werden kann. Insekten zeigen tagsüber jedoch ein breites Spektrum von Verhaltensweisen wie z. B. Paarungen, Eiablagen, Beutefang und Nahrungsaufnahme.

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Wenn Libellen sich paaren, entsteht ein sogenanntes Paarundsrad

BESONDERE MOMENTE
Wenn Libellen auf dem Boden ruhen oder ein Paarungsrad bilden, gibt es kaum Objektbewegungen durch Wind, es kann weit abgeblendet werden. Bei der Aufnahme wird ein Bohnensack oder ein Stativ mit weit abspreizbaren Beinen benutzt

© Jens Kählert

Wenn Libellen sich hinsetzen, sind sie relativ still und können bei vorsichtiger Annäherung geduldige Modelle sein. Oftmals ruhen Libellen auf mehr oder weniger festen Stammplätzen, besonders die Männchen, die an Gewässerufern Reviere bilden und sie von einer Warte aus überwachen. Sie fliegen zwar immer wieder auf, um Rivalen zu vertreiben, ein Weibchen zur Paarung zu ergreifen oder um eine Mücke zu fangen, kehren dann aber meist an ihren Platz zurück. Bei solchen Tieren hat der Fotograf eine gute Chance, wenn er sich behutsam und in gebückter Haltung, den Körper hinter dem Stativ versteckt, nähert. Ist er erst einmal auf Schussweite herangekommen, genießt er oft unbeschränkte Freiheiten und kann beliebig walten. Es entwickelt sich fast so etwas wie Vertrauen zwischen Mensch und Tier, und so wird schon diese Begegnung zu einem Erlebnis.

Die zur Fortpflanzung gebildeten Paarungsräder vieler Libellenarten sitzen lange Zeit regungslos an einer Pflanze. Viele Libellenweibchen stechen ihre Eier in Wasserpflanzen ein. In der Regel muss der Fotograf auch ins Wasser und sich behutsam an eine eierlegende Libelle anschleichen. Auch hier empfiehlt sich der Einsatz eines Stativs, dessen Höhe so eingestellt wird, dass nur noch Stativkopf und Kamera aus dem Wasser herausragen. Wenn die Sonnenblende fast die Wasseroberfläche berührt, ist die optimale Lage gefunden, denn Aufnahmen auf der Höhe des Objekts wirken viel intensiver als eine Perspektive von oben nach unten. Zu den interessantesten Vorgängen gehört das Schlüpfen aus der Larvenhaut. Wer morgens oder vormittags aufmerksam zwischen den Pflanzen der Ufervegetation sucht, wird Zeuge eines atemberaubenden Schauspiels der Natur, wenn er eine Libelle bei der Verwandlung von der Larve zum Fluginsekt findet.

250 Millionen Jahre  Evolutionsgeschichte liegen
hinter dem Adelsgeschlecht. Das Ergebnis  ist ein in Form und Funktion vollkommener Körper.

Sehr wirkungsvoll sind Gegenlichtsituationen, die das Insekt z. B. als schwarze Silhouette vor dem roten Sonnenball zeigen oder den noch teiltransparenten Körper einer soeben geschlüpften Libelle aufleuchten lassen. Zu den schwierigsten Herausforderungen gehören Aufnahmen fliegender Libellen. Sie gelingen nur bei den wenigen Arten, die während des Fluges eine Zeitlang im Rüttelflug auf der Stelle verharren und dem Fotografen für drei oder vier Sekunden eine kleine Chance einräumen. Mit einem vorfokussierten Tele-Makroobjektiv gelingt vielleicht ein einmaliger Schnappschuss. Lassen Sie sich von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen. Erfahrung macht auch hier den Meister.

Fokussieren

Von besonderem Reiz sind Portraits von vorne, sie betonen den Kopfbereich mit den imposanten Facettenaugen. Wir gucken dabei dem Insekt ins Gesicht und entdecken in ihm einen Charakter, auch wenn es uns fremd bleibt.

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Bei Abbildungsmaßstäben jenseits von 1:1 sollte die Regel der „förderlichen Blende“ beachtet werden, um Unschärfeerscheinungen durch Beugung von Lichtstrahlen an den Blendenlamellen zu minimieren. Es sollte nicht allzu stark abgeblendet werden

LUPENOBJEKTIV
Aufnahmen auf Augenhöhe wirken erheblich intensiver. Bei Abbildungsmaßstäben jenseits von 1:1 sollte die Regel der „förderlichen Blende“ beachtet werden, um Unschärfeerscheinungen durch Beugung von Lichtstrahlen an den Blendenlamellen zu minimieren. Es sollte nicht allzu stark abgeblendet werden

Unser Tipp: Ruhige Insekten – wie hier das Große Granat­auge, eine weit verbreitete Kleinlibelle – findet man in der Regel fast nur an einem kühlen Morgen

© Jens Kählert

Für extreme Abbildungsmaßstäbe reichen übliche Makroobjektive, auch in Verbindung mit Zwischenringen, Konvertern oder Nahlinsen, nicht mehr aus. Ein Lupenobjektiv muss her. Canon hat eines, dessen optisches System auf Abbildungsmaßstäbe zwischen 1:1 und 5:1 gerechnet ist und somit auf dem Sensor eine fünffache Vergrößerung erlaubt. Das MP-E 2,8/65 mm bietet zudem den kompletten Komfort moderner Kameratechnik, es besitzt die fast unverzichtbare Stativschelle und eine Springblende, die sich von der Kamera sogar automatisch steuern lässt, sodass der Fotograf nicht auf die Belichtungsautomatik verzichten muss.

Der Autofokus fehlt natürlich, er würde bei derart großen Abbildungsmaßstäben ohnehin keinen Sinn machen. Dieser Spezialist sollte unbedingt auf einem Einstellschlitten montiert werden, über den die Fokussierung bei vorgewähltem Abbildungsmaßstab erfolgt. Da die Schärfezone peinlich genau auf die wichtigen Körperteile des Insekts – gewöhnlich die Augen – gelegt werden muss, empfiehlt sich die Kontrolle mittels Live-View. Bei 5- oder 10-facher Vergrößerung auf dem Display lässt sich die Lage der Schärfezone viel besser beurteilen als mit dem Blick durch den Sucher.

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Jens Kählert bei der Arbeit

Mit zwei Klammern wird der Binsenstängel, an dem eine Kleinlibelle ruht, fixiert. Die Kamera ist auf einem Stativ montiert, das Lupenobjektiv kann feinfühlig mit einem Einstellschlitten fokussiert werden. Auf dem rückseitigen Display beurteilt der Fotograf die Lage der Schärfezone in 5- oder 10-facher Vergrößerung. Die Auslösung erfolgt drahtlos über Funk

© Jens Kählert

Extrem-Makros setzen voraus, dass das Objekt absolut stillhält. Belichtungszeiten von 0,5 bis 2 Sekunden sind keine Seltenheit. Bei kältestarren Tieren und absoluter Windstille kommt der Fotograf am ehesten zum Erfolg.
Die Blende sollte nur bis zu dem Wert geschlossen werden, der noch keine störenden Beugungseffekte erzeugt. Die förderliche Blende liegt beim Abbildungsmaßstab 1:1 bei etwa f/16, bei fünffacher Vergrößerung jedoch nur noch bei f/5,6.

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Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

Artikel unter dieser Autorenzeile sind Gemeinschaftsprojekte der Redaktion.