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Glaskugelspiel
Aufnahmen wie diese, gelingen Ihnen mit einfachen Glaskugeln und einem iPad. Foto: © Udo Dittmann

Table-Top-Fotos: 9 Ideen für Zuhause

Zu Hause kreativ
09.04.2020

Vom Glaskugelspiel bis zur Origamie-Kunst – mit etwas Kreativität und ein paar Zutaten aus Küche und Baumarkt lassen sich beeindruckende Produktfotos machen.

 

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Paprika-Mord

Mit kleinen Details werden Still­leben zu Geschichten. Hier macht Lebensmittelfarbe einen Mord an der Paprika sichtbar. Mit zwei Acryl­platten, die zum einen inhaltlich passen (schwarz/weiß, böse/gut), zum anderen die Objekte wirken lassen. Je reduzierter die Inszenierung, desto prägnanter kommt das Thema zur Geltung.
Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: Tamron SP 2,8/90 mm, Licht: eine Tageslichtlampe.

© Udo Dittmann

Objektfotografie ist nicht nur ideal als Beschäftigung an  trüben Tagen. Sie schärft zudem den Blick für Licht, Schatten, für Staffelungen und Größenverhältnisse sowie für Spiegelungen. Außerdem: Wer die Objektfotografie nicht (nur) professionell betreibt – etwa als Packungs- oder Produktfotograf – kann sich kreativ mit wenig Mitteln austoben und so tolle Fotos für die eigene Wand, für Stockagenturen oder für Wettbewerbe machen. Die Anforderungen an die technische Ausstattung sind moderat: Solange es nicht um sehr kleine Objekte geht, ist noch nicht einmal ein Makroobjektiv zwingend notwendig. Allerdings: Langfristig wird man um ein Makro mit etwa 100 mm Brennweite nicht herumkommen, um wirklich alle gewünschten Projekte realisieren zu können.

Bevor Sie loslegen, sollten Sie diese fünf Dinge beachten:

  1.  Stativanforderungen
  2. Unter- und Hintergründe
  3.  Licht
  4.  Kunstlicht
  5.  Tablet als Flächenlicht

 

Leuchttischkunst

Alte Leuchttische oder neue Lichtplatten sind ideal als Bühne für alle Objekte, die sich zweidimensional darstellen und noch leicht durchleuchten lassen. Dann ist kein weiteres Licht nötig, um hübsche Settings anzulegen. Am einfachsten mit Blumen und Blüten umzusetzen. Transparente Folien können die Farbe des Hintergrunds verändern.

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Leuchttischkunst

Leuchttischkunst. Aufnahmedaten: Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: Tamron SP 2,8/90 mm, Licht: Leuchtkasten plus Tageslichtlampe.

© Udo Dittmann

Glaskugelspiele

Mit kleinen Glaskugeln werden grafische Effekte sehr einfach erzeugt: Hier hat der Fotograf das Muster digital erzeugt und mittig verzerrt. Dann wird es auf einem iPad dargestellt und die Glaskugel wird mittig platziert. Das aus dem Hintergrund kommende Licht des iPad reicht aus. Das Foto muss dann wegen der farbig unterschiedlichen Brechungen im Glas in Schwarzweiß gewandelt werden.

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Glaskugelspiel

Glaskugelspiel. Aufnahmedaten: Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: Tamron SP 2,8/90 mm, Licht: iPad mit Muster unten.

© Udo Dittmann

 

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Plastikglas

Spannungsfotografie. Aufnahmedaten: Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: Tamron SP 2,8/90 mm, Licht: iPad mit weiß von unten.

© Udo Dittmann

Spannungsfotografie

Für die rechts stehende Aufnahme benötigen Sie kein Photoshop. Die in Plastikbehältern bestehende Spannung lässt sich mit polarisiertem Licht und einem Polfilter sichtbar machen. Am einfachsten mit Bildschirmlicht (hier steht das Glas auf einem Tablet). Wenn einzelne Pixel des LED-Schirms sichtbar werden, können Sie digital etwas weichzeichnen.

Explosionsfotos

Das fotografische Nachstellen einer Explosionszeichnung ist als 2D-Modell einfach: Handy, Modellauto oder Uhr:
Viele Alltagsobjekte lassen sich zerlegen und nebeneinander platzieren. Wichtig ist hierbei die Anordnung der Einzelstücke. Am besten legen Sie die Gegenstände wie in unserem Beispiel auf eine Leuchtplatte, die Sie zusätzlich von oben beleuchten und senkrecht fotografieren.

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zerlegtes Gigaset

Explosionsfotos. Aufnahmedaten: Kamera: Olympus OM-D E-M5 Mark II, Objektiv: Olympus 4/12-100 mm, Licht: Leuchtkasten, oben Tageslichtlampe.

© Udo Dittmann

 

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Origami

Origamifotos. Aufnahmedaten: Kamera: Olympus OM-D E-M5 Mark II, Objektiv: Olympus 3,5/30 mm, Licht: Tageslichtlampe oben.

© Udo Dittmann

Origamifotos

Ob fertiges Bastelset oder selbst kreativ gefaltet: Origami-Faltungen werden auf demselben Hintergrund spannend. Wichtig sind bei dreidimensionalen Objekten die nahezu schattenlose Ausleuchtung (weich von oben) und die durchgängige Schärfe – notfalls per Focus Stacking. Üben Sie zunächst mit einfachen, zweidimensionalen Faltsets.

 

Kreative Stillleben

Das altehrwürdige Genre des Stilllebens lässt sich mit kleinen Bastelleien zu neuem Leben verhelfen. Hier hat der Fotograf einen eher spaßigen Ansatz gewählt. Eine gute Bildwirkung erzielt man immer dann, wenn der abgebildete Augenblick den Auftakt zu einer starken Veränderung – hier der Explosion – darstellt. Ein rein schwarzer oder weißer Hintergrund lässt das Bild eher abstrakt werden – Farben oder natürliche Hintergründe sind meist besser.

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Kreatives Stillleben

Kreatives Stillleben. Aufnahmedaten: Kamera: Olympus OM-D E-M5 Mark II, Objektiv: Olympus 4/12-100 mm, Licht: Tageslichtlampe von oben.

© Udo Dittmann

Focus Stacking für Tiefe

Sollen kleine, dreidimensionale Objekte von vorne bis hinten scharf abgebildet werden, so muss man fast zwangsläufig eine Fokusreihe anlegen. Entweder mit Makroschlitten, automatisiert per Tethering oder mit einer Kamera mit Focus-Stack-Funktion. Bei unserem Bild wurden 20 Aufnahmen mit der Software Helicon Focus Pro zu einem durchgängig scharfen Bild verrechnet.

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Fokusstacking

Focus Stacking für Tiefe. Aufnahmedaten: Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: Tamron SP 2,8/90 mm, Licht: LED als Gegenlicht.

© Udo Dittmann

Kreative Mahlzeiten

In der Küche finden Sie leicht Utensilien, die sich zu lustigen Stillleben zusammensetzen lassen. Am besten legen Sie das Bild direkt vor dem Kochen an – dann sind alle Zutaten für ein Gericht beisammen. Perfekt wird das Ganze, wenn das Bild einen Bezug zu der Mahlzeit hat (z. B. landschaftlich). Am besten senkrecht nach unten fotografieren.

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Scampi-Pfanne

Kreative Mahlzeiten. Aufnahmedaten: Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: EF 4/16-35 mm, Licht: Tageslichtlampe.

© Udo Dittmann

Diese Punkte sollten Sie bei Ihren Aufnahmen beachten:

1. Stativanforderungen

Wirklich wichtig ist ein stabiles Stativ – und zwar eines, mit dessen Hilfe Sie auch senkrecht nach unten fotografieren können. Am einfachsten und flexibelsten ist dies mit Stativen mit Schwenkarm umzusetzen. Bei anderen Stativen lässt sich oft die Mittelsäule von unten einsetzen.

2. Unter- und Hintergründe

Als Hintergrund benötigen Sie für die ersten Schritte lediglich Fotokarton. Bei mittelgroßen Objekten reichen die einfachen Bögen aus dem Bastelzubehör aus. Ab etwa zwei Euro pro Bogen ist man dabei. Solche Kartons lassen sich einfach biegen (hinten Bücher unterlegen) und fertig ist eine kleine Hohlkehle, die es erlaubt, Objekte vor einem gleichmäßigen Hintergrund ohne optischen Bruch zu fotografieren. Wer sich intensiver mit der Produktfotografie beschäftigen möchte, kann spezielle Aufnahmetische kaufen, die schon eine Hohlkehle (meist aus Plexiglas) enthalten. Die Kartons lassen sich mit Klemmen aus dem Baumarkt flexibel auf solchen Hohlkehlen befestigen.
Neben dem undurchsichtigen Karton sind noch transparente Materialien hilfreich, um schattenfrei von unten/hinten auszuleuchten. Oder aber Sie nutzen spiegelnde Materialien, um Objekte mit einer Spiegelung zu zeigen. Während transparente Platten oft in den erwähnten Hohlkehlen enthalten sind, müssen Sie sich spiegelnde Hintergründe selbst besorgen. Entweder eine Glasplatte vom Glaser (dünnes Glas nehmen) oder Plexiglas aus dem Baumarkt. In beiden Fällen gilt: Leichte Spiegelungen erzeugt man mit weißem Karton unter der Platte, kräftige mit schwarzem Untergrund.

> kleine Hohlkehle selbst gebaut

3. Licht

Da es um kleinste Effekte geht, ist der Umgang mit Blitzlicht für Ungeübte schwierig – mit Dauerlicht kommen Sie meist schneller zum Ziel. Am Anfang reicht auch Fensterlicht. Um das Licht weicher zu machen, können kleine Fotozelte (ab etwa 30 Euro) eingesetzt werden. Sie lassen sich schnell aufspannen und verhindern zusätzlich die Spiegelung der Wohnzimmereinrichtung in den Objekten. Oft enthalten sie sogar eine kleine Behelfshohlkehle aus Stoff.

4. Kunstlicht

Als künstliche Beleuchtung eignen sich am besten LED-Leuchten, aber auch ältere Foto-Halogen- oder Foto-Energiesparleuchten sind einsetzbar. Versuchen Sie es bei letzteren nicht mit herkömmlichem Haushaltslicht: Diese Leuchtmittel haben meist einen schlechten CRI (Farbwiedergabeindex) und sorgen für diverse Farbprobleme. Die Stärke des Lichts ist weniger wichtig, da sowieso mit Stativ gearbeitet werden muss und das Licht nah am Objekt platziert werden kann. Relevanter ist die Flexibilität bezüglich der Lichtformer.

5. Tablet als Flächenlicht

Spezielle Flächenleuchten oder auch Leuchttische lassen sich hervorragend einsetzen, um Objekte schattenlos freizustellen. LED-Leuchtplatten mit mattiertem Glas gibt es schon für wenige Euro. Es lassen sich aber auch Tablets wie das iPad für viele Leuchtzwecke missbrauchen: Deren Leuchtkraft ist zwar schwach, aber als Unter- oder Hintergrund für kleine Objekte oft ausreichend. Spezielle Apps helfen, das Licht des Tablets farblich und in der Stärke anzupassen (z. B. Soft Box Color für das iPad). Dass sich das polarisierte Licht eines Tablets auch für fotografische Experimente lohnen kann, sehen Sie bei unserem Glaskugel-Beispiel. Alles, was sonst noch nötig ist, findet sich für wenige Euro im Bastelladen oder im Baumarkt: Klammern, Klebstoff, schwarzen und weißen Karton zum Aufhellen und Abdunkeln. Gelegentlich sind auch fusselfreie Handschuhe und Brillenputztücher sinnvoll: Je tiefer es in den Makrobereich geht, desto stärker werden Flusen und andere Verunreinigungen auf dem Objekt und dem Hintergrund sichtbar. Es ist deutlich einfacher, vor dem Fotografieren alle störenden Spuren zu beseitigen als später mühsam in der Bildbearbeitung mit dem Stempelwerkzeug das Foto auszuflecken.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.