Adler als Fotomodel

Adler als Fotomodel
© FilmTier Zentrale

Serie Tierfotografie IV: Tierische Topmodels

Hat Ihr Haustier das Talent zum Star?
26.03.2015

Nicht jeder  Kater, Kakadu oder Kaltblüter macht eine gute Figur im Studio. Werbe-Profis arbeiten deshalb mit Tiervermittlern

Ob Bausparkassen-Spot, Spiegel-Titel oder „Notruf Hafenkante“: Tauchen in den Medien Tiere auf, stammen sie häufig aus der FilmTier Zentrale in Güster bei Hamburg. Dort vermittelt man fast die ganze Fauna, vom Floh bis zum Elefanten.

Tiermodel-Vermittler Holger Kirk

Tiermodel-Vermittler Holger Kirk

Tiermodel-Vermittler Holger Kirk

© FilmTier Zentrale

Tausende Tiere sind in der Kartei, teils von Privatleuten, teils von Tiertrainern. Geschäftsführer ist Holger Kirk, studierter Biologe und selbst Trainer für Krabbel- und Kriechtiere. Von manchen der tierischen Models sind er oder seine Team-Kolleginnen auch selbst die Herrchen und Frauchen – dazu zählen Hunde, Papageien, Schlangen und Spinnen, Frösche, Lurche und Skorpione sowie eine Waldohreule.

Beim ersten Gesprächstermin mit fotoMAGAZIN war Holger Kirk auf dem Sprung zu einem Panther-Shooting, nach dem zweiten sauste er mit Schlangen und Vogelspinnen im Auto zu Schmuckaufnahmen und einem Seriendreh.

fotoMAGAZIN: Welche Tiere werden denn am häufigsten gebucht?

Holger Kirk: Ganz klar des Menschen liebster Freund, der Hund. Er sorgt in Serien, Filmen und in der Werbung für eine familiäre Stimmung. Bei Krimis sind dann oft Schlangen, Spinnen oder Reptilien gefragt.

fotoMAGAZIN: Was muss ein Haustier vor der Kamera können? Gut aussehen reicht vermutlich nicht ...

Holger Kirk: Es geht nicht nur um ein schönes Bild von einem schönen Tier. Der Fotograf möchte unter Umständen, dass ein Hund ein paar Minuten im Fotoset sitzen bleibt, in eine festgelegte Richtung guckt oder sich hinlegt und eine ganz bestimmte Mimik aufsetzt.

fotoMAGAZIN: Was ist ein Ausschlusskriterium?

Holger Kirk: Manche Tiere haben Angst vor dem Blitzen oder dem Knacken der Lichtanlage. Man muss ja häufig mit sehr schnellen Blitzen arbeiten, damit das Tier scharf wird. Das überprüfen wir auch vorher beim Casting. Denn so ein Tiermodel kann man nicht an Kunden vermitteln.

fotoMAGAZIN: Wofür wird der Hund gebucht?

Holger Kirk: Meist bekommt er eine Rolle als Statist. Aber denkt man etwa an Serien wie „Pfefferkörner“, auch mal eine feste Rolle, einen Namen. Oder er muss in einem Werbespot für Desinfektionsmittel eine Treppe hochlaufen, dabei schwarze Tapsen hinterlassen und sich dann noch mit den Vorderpfoten neben das Kind auf den Tisch stützen.

fotoMAGAZIN: Wie läuft es denn mit Tieren aus dem Stall?

Holger Kirk: Bei den Schweinen etwa muss man auf Tiertrainer zurückgreifen. Sie sind sehr intelligent, aber haben ihren eigenen Kopf. Mit ein paar Wochen Vorlauf kann man ihnen einiges beibringen, etwa auf einem Stuhl sitzen oder über die Straße laufen. Das haben wir mal in einer Kampagne für MediaMarkt gemacht. Unter dem Motto „Saubillig“.

Tiermodel Ratte

Tiermodel Ratte

Damit sich eine Ratte auf die Hinterbeine stellt, braucht es Tricks. Zur Strategie gehört etwa ein Stück Käse über der Nase.

© FilmTier Zentrale

fotoMAGAZIN: Wie bereiten Sie Foto- und Filmteams vor?

Holger Kirk: Im Fotostudio läuft in der Regel coole Musik, damit die Models gut agieren können. Die wird meist abgeschaltet, damit man mit dem Tier kommunizieren kann. Es muss vorher alles genau durchgesprochen werden. Wie sieht das Studio aus? Hat das Kaninchen Grip? Generell wird ja gern auf Plexiglasplatten fotografiert, weil das so schön aussieht. Aber wenn das Kaninchen dann alle Viere ausbreitet, sieht das eben gar nicht mehr schön aus.

fotoMAGAZIN: Was ist zum Beispiel schwierig?

Holger Kirk: Einen Hamster stellt man sich auf den Hinterbeinen stehend vor, aber das ist gar nicht natürlich. Eigentlich läuft er wie eine Maus durch die Gegend. Man muss ihm ein Leckerli über die Nase hängen, damit er erst mal hochguckt. Sobald er wieder runtergeht, kann man in einem bestimmten Moment das Foto machen.

fotoMAGAZIN: Und was ist einfacher als gedacht?

Holger Kirk: Wir haben zum Beispiel zwei Tiere, die können die Hinterpfote heben, als würden sie gerade wo hinmachen. Das können die überall, auch vor weißem Hintergrund.

fotoMAGAZIN: Werden Tiermodels auch am Computer nachbearbeitet?

Holger Kirk: Nur wenn es der Bildästhetik dient. Oder wenn es um witzige Aufnahmen geht. Wir hatten mal einen Frosch mit einem Kronkorken auf dem Kopf. Der hat aber eine viel zu sensible Haut, um ihm den wirklich draufzulegen. Das wurde dann digital gemacht.

fotoMAGAZIN: Aber es geht nicht um Schönheitsideale – hohe Wangenknochen oder so?

Holger Kirk: Beim Menschen achten wir da ja sehr darauf. Aber beim Tier können wir ein hässliches von einem schönen nicht unterscheiden. Das können nur die Tiere selbst. Deshalb sind Tiere immer schön. Das ist natürlich eine praktische Sache.

fotoMAGAZIN: Haben die menschlichen Models Angst vor den tierischen Models?

Holger Kirk: Meist ist das kein Problem. Es bleibt genügend Zeit, dass sie sich am Set mit den Tieren vertraut machen. Es gibt allerdings Models, die haben so viel Angst, dass mit einem Double gearbeitet wird. Soll etwa eine Schlange in der Nahaufnahme gehalten werden, dann spielen wir selbst oft die Handdoubles.

fotoMAGAZIN: Sie bieten auch Spinnenphobie-Seminare an?

Holger Kirk: Das ist durch die Erfahrung am Set entstanden. Wenn ein Mensch große Angst vor Spinnen hat, bezieht sich das meist auf kleine Kellerspinnen. Mithilfe einer zahmen Vogelspinne kann man Menschen aber wunderbar an Spinnen heranführen.

fotoMAGAZIN: Sie fotografieren auch im eigenen Studio?

Holger Kirk: Ja, und manchmal ist das von Vorteil. Man kann es kurz fassen: Der Tierfotograf würde dem Tier hinterherlaufen und beim Werbefotografen muss das Tier dem Fotografen hinterherlaufen. Und dann bitte genau so gucken wie auf dem Layout.

Mehr aus unserem großen Tierspecial

Teil I der Serie Tierfotografie: Stubentiger im Anflug
Teil II der Serie Tierfotografie: Portraits und Pansen
Teil III der Serie Tierfotografie: 7 Tipps für perfekte Hundefotos
Teil V der Serie Tierfotografie: Ist Ihr Tier ein Model-Typ?

Dieses Interview ist in unserem Special Tierfotografie in der Ausgabe fotoMAGAZIN 1/2014 erschienen.

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Anja Martin - Journalistin
Über den Autor
Anja Martin

Die langjährige fotoMAGAZIN-Autorin Anja Martin lebt in Berlin, wenn Sie nicht gerade irgendwo an einer exotischen Location am anderen Ende der Welt unterwegs ist. Denn Reisereportagen sind der zweite große Schwerpunkt der Journalistin, die sonst unter anderem auch für die Süddeutsche Zeitung, die taz oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt.