Haupstadthund

Haupstadthund
Christine Siebers

Serie Tierfotografie II: Portraits und Pansen

Besuch im Hundestudio
16.03.2015

Fressnapf für Waldi und Augenfutter für Hundebesitzer. Die Berlinerin Christine Sieber kombiniert in ihrem Berliner Shop „Hauptstadthund“ Portraitstudio und Lifestyle-Store für Vierbeiner

Berlin ist die Stadt der Hunde. 107.000 gemeldete Vierbeiner sollen es angeblich sein, die vor allem das Leben der Hauptstadt-Singles ein Stück weit sozialer und bunter machen sollen. Hinzu gesellen sich noch geschätzte 30.000 „Illegale“.

Christine Sieber

Christine Siebers

Christine Sieber

Natürlich, ein Leben in „Dog City“ hat Nachteile: So weit die Pfoten tragen, stößt man in Berlin auf Hundekot und markierte Straßenlaternen. Doch der „beste Freund des Menschen“ hat in dieser Stadt auch Ideen hervorgebracht, um die man in anderen Städten beneidet würde: Gassi-Serviceagenturen zum Beispiel oder das sogenannte „Dog-Institut“. Und es gibt „Hauptstadthund“; ein Hunde-Lifestyleshop am Prenzlauer Berg.

Vom besseren Lederhalsband bis zum selbstgebackenen Konditionierungskeks bekommt man hier alles, was Bello braucht. Geführt wird der Laden von Christine Sieber und ihrem Weimaraner Elvis. Seit 2007 hat sich die einstige Fotodesignerin mit ihrem Hunde-Geschäft auf eine Kundschaft spezialisiert, die ihren Vierbeinern zwar gerne einmal eine Bio-Pansenwurst oder eine Schweinenase spendiert, die aber dennoch anerkennt, dass ein Hund eben nur ein Hund ist.

Portraits neben der Pansenwurst

Teuren Glitzerschmuck oder dekadente Hunde-Dirndl sucht man bei „Hauptstadthund“ daher vergebens. „Derlei Dinge“, sagt Sieber, „findet man eher dort, wo die Hunde kleiner und die Besitzer älter sind.“

Und doch hat auch Christine Sieber Dinge im Angebot, über die der einfache Dackel-Besitzer aus Detmold vermutlich

Hundeportrait

Hundeportrait

© Christine Sieber

nur argwöhnisch mit der Nase rümpfen würde: Dazu zählen vor allem Siebers Hunde-Portraits.
Gut einmal in der Woche – meist nach Ladenschluss – verwandelt die 34-Jährige ihr weiträumiges Geschäft in der Hufelandstraße in ein Mini-Fotostudio für Möpse, Rhodesian Ridgebacks oder Golden Retriever. Für gut 60 Euro können dann Herrchen und Frauchen ihren kleinen Vierbeiner von Sieber fotografieren lassen. Und dieser Service ist gefragt.

Gute Hundefotografen sind schließlich auch in der Hundehauptstadt Berlin eher selten. „Es gibt zwar nicht viele Positionen, in denen man einen Hund portraitieren kann“, erklärt Christine Sieber (man habe nur die Wahl zwischen Sitzen, Stehen oder Liegen), doch oft können Fotografen nicht mit Hunden oder die Hundeliebhaber nicht mit Fotografie.

Für Christine Sieber sind die Hundeportraits eine willkommene Gelegenheit, um weiterhin auch mit der Kamera zu arbeiten. Vor der Gründung von „Hauptstadthund“ hat sie zehn Jahre lang als Fotografin gearbeitet: Architektur, Landschaft und Reportage.

Kalender für den Hundefan

Portraits seien ihr damals eher selten in den Sinn gekommen; zumindest keine Portraits von Menschen. „Menschen muss man immer alles erklären. Bei Hunden kann man einfach abwarten.“ Die Ergebnisse dieses Wartens hat die Hunde-Portraitistin bereits in zwei Kalendern festgehalten. Eigentlich das ideale Mitbringsel für Waldi. Denn jetzt in der Weihnachtszeit muss es ja nicht immer nur Trockenfutter aus Seelachs oder Bio-Dinkel sein.

Weiterführende Informationen

Freundschaft ist Definitionssache. Nicht wenig Menschen gibt es, die nicht den Hund, sondern die Katze für den besten Freund des Menschen halten. Auch für diese Pfotenfreunde gibt es spezielle Fotografen. Die Mainzerin Kathrin Gerz etwa hat sich mit ihrem Unternehmen KatKrallenscharf auf Portraits von Bengalen, Perser oder Sphynx-Katzen spezialisiert. Bei Hausbesuchen oder im eigenen Studio entstehen individuelle Charakterportraits der jeweiligen Tiere.
Wer noch größere Freunde hat, der ist vielleicht bei dem Gießener Pferdefotografen Jörg Kraus besser aufgehoben. Mit Equine Fineart bietet Kraus professionelle Pferdefotografie unter Studiobedingungen an. Und zu guter Letzt gibt es natürlich noch die, die gar keine Tiere haben. Für die lohnt ein Besuch bei der Tierfotoagentur. Gut 270.000 Tierbilder sind dort hinterlegt – vom Krokodil bis zum Kanarienvogel. Und das Beste: Alle sind sie garantiert stubenrein.

Teil I der Serie Tierfotografie: Stubentiger im Anflug

Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 1/2014 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.