Posen für Fotos – Tipps für Fotograf und Model

Authentisch vor der Kamera
10.07.2021

Kein Bereich der Personen-Fotografie lebt so stark von Authentizität wie das Porträt. Wie aber sollte das Model posen, damit schöne und natürliche Bilder entstehen? Und was kann der Fotograf tun? Wir geben sechs wertvolle Tipps.

Peter Lindbergh war bei seinen Porträt-Sessions oft mehr Psychologe als Fotograf; ein Menschenversteher. Er sprach viel mit seinen oft berühmten Models, um deren Charakter im Bild zum Vorschein zu bringen und so besonders intensive Momente einzufangen. Schließlich lebt ein starkes Porträt vor allem von seiner Glaubwürdigkeit – auch und gerade, wenn keine Berühmtheiten vor der Kamera stehen. Es ist eine Kunst, Amateur-Models stark, zerbrechlich, sanft oder fröhlich, dabei immer attraktiv abzulichten. Für den Fotografen bleibt dies stets zugleich eine  Herausforderung und eine Motivation. Kleinste Bewegungen von Körper und Mimik verändern den Bildausdruck, weshalb die Pose der Porträtierten der entscheidende Baustein für ein ausdrucksstarkes Porträt ist.
Worauf sollten Sie und Ihr Model beim Fotoshooting und den Posen achten? Wie gelingt es, ganz verschiedene Stimmungen zu erzeugen und mit welchen Profikniffen schafft man es, Menschen vorteilhaft und authentisch erscheinend abzulichten? Hier verrät Ihnen ein erfahrener Porträt- und Fashion-Profi, wie Sie Ihr Model ganz entspannt zu Höchstleistungen bringen.

Fotoposen: Authentische Momente

Meist geht es beim professionellen Fotoshooting hochkonzentriert zu, Model, Kulisse und Licht sind perfekt inszeniert. Dadurch kann schnell die Authentizität im Ausdruck verloren gehen. Helfen Sie Ihrem Model, sich natürlich zu verhalten. Führen Sie lockere Gespräche, während Sie fotografieren. Profitipp: Nutzen Sie den Lichttest am Anfang des Shootings für besonders natürliche Bilder. Ihr Model ist dann noch nicht im Foto-Modus und verhält sich völlig entspannt.

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Wie sieht man am besten auf Fotos aus?

Der Oberkörper wirkt bei frontalen Aufnahmen häufig besonders breit. Eine leicht eingedrehte Haltung des Models erscheint hingegen deutlich vorteilhafter. Bei sanften Porträts gerne etwas mehr, bei selbstbewussten und starken Bildern weniger. Ein weiterer Vorteil der eingedrehten Haltung: Nicht symmetrische Gesichtszüge werden etwas kaschiert. Achten Sie auch auf den Halsbereich. Die Schultern sollten entspannt sein, der Hals für eine elegante Erscheinung möglichst lang wirken.

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Wie sieht man vorteilhaft auf Fotos aus
© Getty Images / iStockPhoto

Natürliche Pose für Fotos

Ein Blick zur Seite oder nach unten erzeugt Natürlichkeit und oft auch Intimität im Bild. Die Kamera wirkt hier wie ein unsichtbarer Beobachter mit Einblick in einen privaten Moment des oder der Porträtierten. Derlei Aufnahmen wirken besonders interessant und oft auch emotional. Ihre Stimmung variiert je nach Ausdruck von zerbrechlich über traurig, bis hin zu sinnlich oder erotisch. Um den Körper geschlungene Arme oder sanft über die Haut streifende Finger verstärken die Stimmung zusätzlich.

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Natürliche Posen für Fotos
© Sebastian Sonntag

Pose für schöne Bilder

Eine intensive Bildstimmung entsteht vor allem dann, wenn Ihr Model in die Kamera schaut. Besonders eindringlich wirkt ein gesenktes Kinn mit leichtem Blick nach oben. Je nach Mimik kann der Blick eine kindliche, eine verführerische oder eine aggressive Atmosphäre erzeugen. Damit der Ausdruck möglichst natürlich wirkt, können Sie Ihr Model bitten, entspannt nach unten zu schauen und den Blick erst auf Kommando kurz zu heben. Achten Sie darauf, dass die Schärfe in diesem Moment perfekt auf den Augen liegt.

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Tipps für den Gesichtsausdruck beim Fotoshooting

Mit das schwierigste Körperteil ist selbst bei Profi-Models der Mund. Hier wird die geringste Anspannung sofort sichtbar, was das gesamte Bildergebnis zerstören kann. Für einen lockeren Mund empfiehlt es sich oft, die Lippen minimal zu öffnen, dadurch entspannt sich die Muskulatur automatisch. Zum Auflockern hilft ein kleiner Trick: Das Model sollte sich vorstellen, ein Blatt Papier zwischen den Lippen zu halten. Fordern Sie Ihr Model auch immer wieder auf, sich zwischendurch zu lockern und auch etwas Mundgymnastik zu machen. Vormachen hilft und vermeidet peinliche Situationen. Und auch hier gilt: Achten Sie auf entspannte Schultern.

Coole Posen für Fotos: Unverkrampfte Haltung

Stellen Sie eine unerfahrene Person vor die Kamera, sind die Arme erstmal der schwierigste Teil. Egal, was das Model macht, es fühlt sich unnatürlich an. Posen im Sitzen sind einfacher. Hier kann Ihr Model die Arme auf der Lehne oder den Oberschenkeln legen und sich deutlich unverkrampfter positionieren. Im Stehen erleichtert Anlehnen das Posing deutlich, gerne in Kombination mit einem Gegenstand, den Sie dem Model in die Hand geben, zum Beispiel eine Tasche, einen Koffer oder einen Regenschirm.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.