Makrofotografie: Grundlagen und Tipps

Kleine Insekten ganz groß
29.05.2017

Die Makrofotografie ist ein tolles Spielfeld für experimentierfreudige Fotografen. Wer sich als Einsteiger der Makrofotografie mit unseren Grundlagen und praktischen Tipps beschäftigt, kommt deutlich schneller zu guten Fotos

 

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Makro: Abbildungsmaßstab 01

Abbildungsmaßstab

© Illuteam43 für fotoMAGAZIN

In der Makrofotografie dreht sich alles um den Abbildungsmaßstab. Er beschreibt die Größe des Bildes auf dem Sensor im Verhältnis zur Originalgröße des fotografierten Objekts. Beim Abbildungsmaßstab 1:1 sind Motiv und Abbild auf dem Sensor gleich groß. Bei 1:2 ist das Bild halb so groß wie das Original, bei 2:1 wird es doppelt so groß dargestellt.

Makrotofografie: Das richtige Equipment nutzen

Um einen hohen Abbildungsmaßstab zu erzielen reicht es im Prinzip, sehr nah an ein Objekt heran zu gehen. Die üblichen Objektive erlauben dies jedoch nicht – sie können auf kurze Distanzen nicht mehr scharf stellen. Makroobjektive können das (meist bis zum Abbildungsmaßstab 1:1) und sind zudem für eine gute Abbildungsqualität auf kurze Distanzen optimiert. Alternativ verlängert man den Auszug eines Objektives mit Zwischenringen oder Balgen und macht so eine Standard-Festbrennweite makrofähig.

Die Schärfentiefe ist in der Makrofotografie ein knappes Gut

Und dann gibt es noch Retroadapter, mit denen sich das Objektiv (am besten ein leichtes Weitwinkel) falsch herum an die Kamera setzen lässt. Mit solch einer „Bastellösung“ lassen sich Abbildungsmaßstäbe von 2:1 oder gar mehr erzielen. Und das in teilweise sehr guter Qualität. Für Canon gibt es Retroadapter mit Übertragung von Blende und AF, bei Nikon und anderen sollte man ein Objektiv mit Blendenring einsetzen.

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Makro: Abbildungsmaßstab 02

Abbildungsmaßstab und unterschiedliche Sensorgrößen

© Illuteam43 für fotoMAGAZIN

Der richtige Sensor für mehr Schärfentiefe bei Makros

Welcher Abbildungsmaßstab tatsächlich benötigt wird, hängt auch von der Kamera ab: Denn je kleiner der Sensor ist, desto geringer darf der Abbildungsmaßstab sein, um das Motiv formatfüllend abzubilden. Beispiel: Ein Insekt mit einer Größe von etwa 3 cm wird mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 im Vollformat formatfüllend gezeigt – bei einer Kompaktkamera ist dann nur noch der Kopf zu sehen.

Insekten im Flug zu fotografieren ist ohne technische Hilfsmittel ein Glücksspiel

Je kleiner der Sensor, desto geringer also der benötigte Abbildungsmaßstab – und desto größer ist die Schärfentiefe, die ja vom Abbildungsmaßstab und der eingestellten Blende abhängig ist. Kameras mit kleinem Sensor eignen sich daher prinzipbedingt besser für die Makrofotografie, da bei kleinerem Abbildungsmaßstab die Schärfentiefe größer bleibt. In der Praxis jedoch hat man gerade bei Kameras mit sehr kleinen Sensoren Probleme mit Rauschen, auch treten Beugungseffekte schneller auf.

Bitte unbedingt mit dem Stativ arbeiten

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Makro: Großer Maßstab

GROSSER MASSSTAB
Lupenobjektiv: Bei kleinsten Objekten (hier ein Wasserfloh, ca. 3 mm) reicht selbst das Lupenobjektiv Canon MP-E 2,8/65 mm (Abbildungsmaßstab bis 5:1) nicht mehr aus. Der Fotograf schaltete einen Balgen dazwischen und setzte auf eine Kamera mit APS-Sensorgröße.
Das Tier befindet sich im Wasser zwischen den Gläsern. Das Dauerlicht dient als Fokussierhilfe, das Fotolicht kommt von den per Funk angesteuerten Systemblitzen. Da sich die Tiere unwillkürlich und schnell bewegen, muss eine Serie angefertigt werden, um die richtige Haltung zu erwischen.

KAMERA: Canon EOS 7D
OBJEKTIV: Canon MP-E 2,8/65mm
BLENDE: 5,6

© Ulrich Hopp

Letztlich kämpft man in der Makrofotografie immer mit einer zu knappen Schärfentiefe. Da diese bei großen Abbildungsmaßstäben auch durch Abblenden nicht mehr effektiv erweitert werden kann (und weit geschlossene Blenden auch im Vollformat zum Qualitätsverlust aufgrund der Beugung führen), muss sich der Fotograf mit Tricks behelfen: Entweder gestalterisch, indem er das Objekt möglichst in der Schärfeebene positioniert. Oder aber technisch, wie zum Beispiel mit Focus-Stacking. Hierbei wird eine Serienaufnahme angefertigt, bei der der Fokus von Bild zu Bild leicht verschoben wird, so dass die Schärfeebene über das Motiv wandert. So eine Fokusreihe kann mit Software wie Helicon Focus Pro zu einem Bild mit durchgängiger Schärfe zusammengefügt werden.

Selbstverständlich steht die Kamera hierbei auf einem Stativ – wie fast immer in der Makrofotografie. Denn sonst lässt sich die knappe Schärfe kaum auf die richtige Stelle legen. In vielen Fällen ist es einfacher, die Schärfe über das Verschieben der Kamera festzulegen als über die Fokuseinstellung. Ein Makroschlitten ist daher oft hilfreich.

Vorsicht bei Freihandaufnahmen!

Bei Tieren in Bewegung wird der Fotograf entweder eine Lichtschranke einsetzen oder aber – bei etwas größeren wie Schmetterlingen, Libellen oder Fröschen – auch auf sein Glück setzen. Hier kann man auch ohne Stativ mit einem langbrennweitigen Makroobjektiv arbeiten. Der Flügelschlag von Schmetterlingen benötigt aber zum Einfrieren eine sehr kurze Verschlusszeit oder einen Blitz.

Makrofotografie: Beispielbilder

Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 06/2016 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.