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Schatten erzeugen
Besonders spannende Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie auf Ihrem Bild individuelle Schatten erzeugen. Foto: © Sebastian Sonntag

Kreative Ideen für Portraits mit Blitzlicht

Kreativ Blitzen
04.04.2020

Blitzlicht erfreut sich vor allem bei Personen-Fotografen großer Beliebtheit. Zurecht, denn mit etwas Kreativität lassen sich mit einem oder mehreren Blitzen einzigartige Foto-Kunstwerke zaubern.
Wir haben einige Ideen für Sie zusammengestellt.

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Farbig Blitzen

Mit Farbfolien lässt sich Blitzlicht auf simple Weise einfärben. Hier lohnt es sich zu experimentieren, denn die fotografischen Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

© Sebastian Sonntag

Farbig Blitzen

Die Möglichkeiten beim Fotografieren mit farbigem Blitzlicht würden problemlos einen eigenen Artikel füllen. Wir beschränken uns an dieser Stelle deshalb auf die grundlegenden Elemente und einige Vorschläge zur Umsetzung. Um Ihr Blitzlicht einzufärben, gibt es mehrere Optionen. Fotografieren Sie nur mit einem Blitz, können Sie den Raw-Modus Ihrer Kamera verwenden und einfach später am Computer den Weißabgleich verändern. Ein höherer Kelvin-Wert lässt das Bild gelblicher wirken, ein niedrigerer bläulich. Arbeiten Sie mit mehreren Blitzen, verwenden Sie am besten Farbfolien, die Sie entweder mithilfe von einem dafür vorgesehenen Rahmen oder mit einem Stück Klebeband vor dem Blitz anbringen. Sie können wahlweise alle Blitze einfärben oder einen Standard-Blitz mit einem eingefärbten Modell kombinieren, um leichte Akzente zu setzen, ohne die Grundstimmung zu verändern. Unabhängig von der gewählten Variante entscheidet die Blitzleistung über die Farbintensität. Je stärker die gewählte Blitzleistung, desto weniger intensiv ist die Tönung.

Besonders beliebt sind Aufnahmen mit zwei unterschiedlichen Blitzfarben von rechts und links. Diese können wahlweise als Hauptlichter seitlich von vorne oder – auch in Kombination mit einem frontalen Blitzlicht – ohne Farbfolie als farbige Streiflichter eingesetzt werden. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, mit einem entsprechend ausgerichteten Farbblitz den Hintergrund komplett einzufärben. Interessant wirken auch Varianten, bei denen Sie den farbigen Blitz gegen die Decke richten und als Hauptlicht einen gewöhnlichen Blitz einsetzen. Dadurch werden lediglich die Schattenbereiche eingefärbt, im Gesicht ebenso wie an der Wand.

Blitz und Dauerlicht kombinieren

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Blitz und Dauerlicht

Kombiniert man einen Blitz mit einer punktuellen Dauerlichtquelle und einer langen Verschlusszeit, entstehen einzigartige Kunstwerke. Bis das Bild passt, braucht es allerdings meistens einige Anläufe.

© Sebastian Sonntag

Die Wahl zwischen Blitz und Dauerlicht lässt sich kulinarisch vergleichen mit der Wahl zwischen Fisch und Fleisch. Beides hat seine Vorzüge – und wird von experimentierfreudigen Personen bisweilen kombiniert. Das führt im Falle der Fotografie zu vielen kreativen Optionen, von ausdrucksstarken Eventbildern mit buntem Partylicht im Hintergrund bis hin zu anspruchsvollen Fotokunstwerken. Besonders interessant wird es, wenn Sie Ihre Mischung aus Dauer- und Blitzlicht noch mit einer langen Verschlusszeit kombinieren. Dadurch machen Sie sich nicht nur die verschiedenen Lichtfarben, sondern auch die unterschiedliche Leuchtdauer der beiden Lichtvarianten zunutze. Damit derlei Aufnahmen allerdings ihr volles Potenzial entfalten, gibt es Einiges zu beachten.

  • Beschränken Sie sich auf eine einzelne, punktuelle Dauerlichtquelle. Eine Schreibtischlampe, die sich nah am Model befindet, eignet sich ebenso wie das Einstelllicht eines Blitzes oder eine Taschenlampe.
  • Dunkeln Sie das Studio komplett ab, um auf der Aufnahme Lichtverschmutzung zu vermeiden. Sollten Sie aufgrund der Dunkelheit Probleme beim Scharfstellen haben, nehmen Sie eine weitere Taschenlampe zu Hilfe.

Um einen kreativen Effekt zu erzeugen, haben Sie nun die Möglichkeit, wahlweise die Kamera während der Belichtung zu verschieben oder das Model zu bitten, sich zu bewegen. Durch das Blitzlicht wird der größte Teil des Bildes eingefroren, lediglich im Lichtkegel des Dauerlichts entstehen Verwischungen, die die Aufnahme besonders interessant machen.

Feuereffekt

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Blitz und Feuereffekt

Wer auf besonders dramatische Effekte steht, kann mithilfe einer Malerfolie, zwei Baustrahlern und einem Blitz einen tollen Feuer-Hintergrund zaubern – ganz ohne Photoshop. Foto: © Sebastian Sonntag

Wie weit man in Sachen Kreativität beim Kombinieren von Blitz- und Dauerlicht tatsächlich gehen kann, zeigt unser nächstes Beispiel. Auch hier kommt als Hauptlicht ein Blitz von vorne zum Einsatz. Die Verschlusszeit beträgt erneut mehrere Sekunden, allerdings ist die Kamera in diesem Fall auf ein Stativ montiert. Hinter dem Model wird eine transparente Malerfolie gespannt, die von einem oder zwei rückseitig aufgestellten Baustrahlern ausgeleuchtet wird.

Um den Flammen-Effekt zu erzeugen, wird die Malerfolie während der Belichtung  von einem Assistenten oder einem Ventilator permanent in Bewegung gehalten. So entsteht eine Aufnahme mit einer einzigartigen Dynamik und einer erschreckend realistischen Feuerwand – ganz ohne Photoshop.

Blitz und Beamer kombinieren

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Einsatz von Blitz und Beamer

Projektoren erweitern die kreativen Möglichkeiten eines Fotografen enorm. Von Bildern über Farben bis zu Mustern können sie alles darstellen und lassen sich hervorragend mit Blitzen kombinieren.

© Sebastian Sonntag

Auch wenn es sich bei einem Projektor natürlich ebenfalls um ein Dauerlicht handelt, ist die Herangehensweise bei dieser Variante eine andere als beim Fotografieren mit Dauerlicht. Bei dieser Art der Fotografie gibt es keine langen Verschlusszeiten und keine Bewegungen. Vielmehr geht es darum, Strukturen oder Farben in den Schattenbereichen des Models zu erzeugen. Damit lässt sich der Beamer eher mit einem Farbblitz vergleichen. Die Vorgehensweise ist recht simpel. Suchen Sie im Vorfeld einige passende Bilder zusammen, die Sie später auf Ihr Model werfen möchten. Dies kann beispielsweise eine Landschaft sein, ein Farbverlauf oder auch schlicht schwarzweiße Muster. Richten Sie Ihren Blitz beim Shooting so aus, dass genügend Schattenbereiche bleiben, auf denen das Beamer-Licht zu sehen ist. Stellen Sie den Projektor so ein, dass die Elemente auf dem Model scharf abgebildet werden und achten Sie darauf, die Blitzstärke der Lichtintensität des Beamers anzupassen.

Auf Frischhaltefolie blitzen

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Blitzen auf Frischhaltefolie

Kreativ eingesetzt, lässt sich sogar eine Frischhaltefolie zum Fotografieren verwenden. Spannen Sie die Folie über eine Ecke der Objektivöffnung und blitzen Sie sie an – fertig ist Ihr Fotokunstwerk.

© Sebastian Sonntag

Gegenlicht erzeugt immer spannende Bilder. Allerdings fallen die dadurch erzeugten Reflexionen meist recht gering aus – was Sinn macht, schließlich sind sie in der Regel unerwünscht. Nicht so in der Kreativ-Fotografie. Mit etwas Frischhaltefolie und einem Blitz haben Sie die Möglichkeit, nicht nur intensive Reflexionen zu erzeugen, sondern diese über die Position der Folie und des gegenlichtigen Blitzes auch noch gezielt zu steuern. Richten Sie zunächst Ihr Bild wie gewohnt ein. Positionieren Sie das Hauptlicht, wählen Sie die gewünschte Perspektive und machen Sie einige Probe-Aufnahmen. Passt alles, platzieren Sie einen weiteren Blitz schräg vor der Kamera, der auf die Objektivöffnung gerichtet ist. Bringen Sie nun etwas Frischhaltefolie vorne am Objektiv an. Achten Sie darauf, dass der mittige Bereich, in dem sich das Hauptmotiv befindet, frei bleibt und legen Sie die Folie für intensivere Effekte entweder mehrlagig oder zerknüllen Sie diese leicht. Auch die Blende spielt eine entscheidende Rolle: Je weiter die Blende geschlossen wird, desto deutlicher ist die Form der Reflexionen auf dem Bild zu erkennen. Planen Sie außerdem genügend Zeit ein: Bis bei dieser Form der Fotografie ein überzeugendes Bild entsteht, kann es durchaus etwas dauern. Ein ähnlicher, aber diffuserer Effekt lässt sich auch mit einem aufgeschraubten UV-Filter erzeugen, auf den am Rand etwas Fett oder Vaseline geschmiert wird.

Blitz und Laserpointer

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Blitz und Laserpointer

Laserpointer werden in der Fotografie selten eingesetzt, ermöglichen in Kombination mit Blitzlicht und einer langen Verschlusszeit aber einzigartige Aufnahmen.

© Sebastian Sonntag

Ähnlich wie beim Fotografieren mit Dauerlicht können Sie Blitzlicht auch mit einem Laserpointer kombinieren. Verwenden Sie eine mehrsekündige Verschlusszeit und leuchten Sie das Model während der Belichtung mit dem Licht des Laserpointers aus. Achtung: Auf keinen Fall in die Augen leuchten! Damit die so entstehenden Lichtstreifen nur auf dem Model, aber nicht auf dem Hintergrund zu sehen sind, sollten Sie das Model weit vor den Hintergrund stellen und etwas von der Seite ausleuchten. Besonders interessant wirkt diese Form der Ausleuchtung in Kombination mit einem farbigen Hauptlicht.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.