Feuerwerk fotografieren: in 10 Schritten zum perfekten Bild

Tipps & Tricks zum Jahreswechsel
29.12.2017

Sie wollen an Silvester erfolgreich das Feuerwerk fotografieren? Wir erklären Ihnen in 10 Schritten, wie Sie zu tollen Feuerwerksbildern gelangen – zu Silvester und anderen Feierlichkeiten

 

feuerwerk_hamburger_dom_web.jpg

Feuerwerk Dom

Aufnahme mit Fujifilm X-E1 (APS-C), 29 mm Kleinbild, Blende f/14 und 10 s bei ISO 200

© Lars Theiß

Es gibt viele Formen der Nachtfotografie. Nachdem wir Ihnen im bereits Praxistipps zum Fotografieren des Supermondes gegeben haben, beschreiben wir hier, wie Sie in 10 Schritten perfekte Bilder von einem Feuerwerk einfangen. Die gute Nachricht vorweg: Selbst wenn in einigen Kameras schon ein „Feuerwerk-Motivprogramm“ integriert ist, auch ohne schaffen Sie – vor allem über manuelle Einstellungen – schöne Bilder.

Schritt 1: Finden Sie den richtigen Standort

Die Feuerwerke auf Festen sind in der Regel groß und werden in die Höhe abgeschossen, damit sie von größeren Menschenmengen von vielerlei Orten (auch auf größere Distanz) bestaunt werden können. Dementsprechend sollte die Kamera hoch und frei positioniert sein, um das gesamte Spektakel einzufangen. Sie sollten auch darauf achten, dass an Ihrem Standort keine störenden Straßenlaternen oder ähnliche ablenkende Beleuchtungen vorhanden sind.

Gerade weil das Feuerwerk so groß ist, können Sie ohne Sorge einen Aufnahmestandpunkt in größerer Distanz aufsuchen. Dies ist außerdem empfehlenswert, um weitere Objekte und Details in das Bild zu integrieren, z. B. Denkmäler, Kirmeskarussells oder markante Gebäude. Das vermittelt auch einen Eindruck von den Dimensionen des Feuerwerks. Auf die Distanz ist es außerdem wahrscheinlicher, weniger Menschengedränge um sich herum zu haben, damit Sie sich ganz auf die Fotografie konzentrieren können und sich niemand vor die Linse stellt.

Ein kleiner Zusatztipp: Versuchen Sie, das Feuerwerk über einem Gewässer zu fotografieren. Das Glitzern im reflektierenden Wasser verleiht dem Foto einen besonderen Pep.

Das Glitzern im reflektierenden Wasser verleiht dem Foto einen besonderen Pep.

Schritt 2: Benutzen Sie ein Stativ

Feuerwerksfotos leben von der Bewegungsdynamik der Leuchtspuren. Diese wirken allerdings nur richtig, wenn sie im Gegensatz zu festen Objekten – wie Gebäuden – stehen. Deshalb sollten Sie unnötige Unschärfe durch Kameraverwacklungen vermeiden. Schon sind wir beim Thema Dreibeinstativ. Das sorgt für einen stabilen Stand und muss im Idealfall nur ein Mal samt Kamera vernünftig ausgerichtet werden.

Denken Sie daran, dass Ihr Stativ (auch bei Wind) einen stabileren Stand hat, wenn Sie die Beine so wenig wie möglich ausfahren und Sie die Mittelsäule eingefahren lassen. Es hilft zusätzlich, wenn Sie Ihren Rucksack oder Ihre Tasche ans Stativ hängen. Bessere Stative haben dafür einen Haken an der Mittelsäule. Wenn Sie kein Stativ dabei haben, improvisieren Sie und nutzen Sie eine feste und sichere Auflage in der Umgebung (z. B. eine Mauer). Mit einem Kleidungsstück können Sie einen Bohnensack imitieren und das Objektiv provisorisch ausrichten.

Schritt 3: Vermeiden Sie direkten Kontakt mit der Kamera

Ein Fernauslöser ist bei der Feuerwerksfotografie Pflicht, denn jede Art von Kontakt mit der Kamera verursacht Verwacklungen. Hierfür bieten sich mehrere Optionen an:

  1. Ein Fernauslöser, der durch ein Kabel mit der Kamera verbunden wird – wobei Verwacklungen durch „Unfälle“ mit dem Kabel nicht auszuschließen sind.
  2. Daher sind Funk- oder Infrarot-Fernauslöser die teurere, aber auch elegantere Wahl.
  3. Das Smartphone als Fernauslöser: Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller eine App an, die Smartphone und Kamera durch Wi-Fi oder Bluetooth miteinander verbindet. So fungiert das Smartphone als kabellose Fernbedienung.
  4. Aktivieren Sie den Selbstauslöser, über den nahezu jede Kamera verfügt. Eine Verzögerung von zwei Sekunden ist hierbei ausreichend. Nachteil: Sie können nicht spontan auf das Geschehen reagieren.

Schritt 4: Wählen Sie das passende Objektiv

Beim Fotografieren von Feuerwerken können viele verschiedene Objektive eingesetzt werden. Je nach Abstand zum Feuerwerk wählen Sie eine Brennweite, die genau den Winkel einfängt, den Sie benötigen. Das wird oft ein Weitwinkelzoom (unsere Empfehlung: 24-70 mm Kleinbild) sein, mit dem Sie flexibel auf Breite und Höhe des Spektakels reagieren können. Bei Stativaufnahmen sollten Sie einen vorhandenen Bildstabilisator am Objektiv deaktivieren.

Beim Fotografieren von Feuerwerken können viele verschiedene Objektive eingesetzt werden. Suchen Sie sich das Beste für Ihre Bedingungen heraus.

Schritt 5: Fokussieren Sie manuell

Da der Autofokus im Dunkeln seine Probleme haben kann, gilt es, die Schärfe ein Mal richtig festzulegen und dann den Autofokus abzuschalten, so dass die Schärfe nicht bei jeder Auslösung neu gesucht werden muss.

Schritt 6: Kleine Blende für große Schärfentiefe

Mit der Blende steuern Sie die Schärfentiefe: Weit geöffnet erhalten Sie eine geringe Schärfentiefe, abgeblendet nimmt sie zu. Entsprechend Ihren Bildvorstellungen sollten Sie also die Blende wählen. Eine kleinere Blendenöffnung bedeutet allerdings auch, dass Sie länger belichten müssen – ein Umstand, der sich positiv auf gewünschte Langzeitbelichtungen auswirkt.

Schritt 7: Wählen Sie eine längere Verschlusszeit

Wenn Sie sich Feuerwerksbilder betrachten, werden Sie feststellen, dass Aufnahmen mit sehr kurzen Belichtungszeiten fast immer der Pfiff fehlt. Die Leuchtspuren sind kurz und es gibt viele Lichtpunkte, die aber nicht das Gefühl eines Feuerwerks vermitteln. Lange Leuchtspuren, vielleicht sogar mit dem Funkenregen der aufsteigenden Rakete bis zum Verglühen der Explosion, benötigen längere Verschlusszeiten. Sie können im manuellen Modus (Einstellung M) beispielsweise acht Sekunden vorwählen und in einem geeigneten Augenblick auslösen. Möchten Sie auf eine Automatik vertrauen, nehmen Sie die Zeitautomatik (A oder AV), wählen die Blendenöffnung vor und die Kamera generiert automatisch die (vermeintlich) passende Verschlusszeit. Dank der Bildkontrolle auf dem Display können Sie sofort sehen, ob die Kamera Ihr Vertrauen verdient hat.

Eine weitere Möglichkeit ist die Belichtung nach Gefühl. Wiederum im manuellen Modus, wählen Sie anstelle einer Verschlusszeit „Bulb“ (B). Dabei öffnet der Verschluss den Strahlengang, sobald Sie den Auslöser durchdrücken. Er schließt allerdings erst wieder, wenn Sie den Auslöser ein zweites Mal drücken (oder die kamerainterne maximale Belichtungsdauer erreicht ist). Auf diese Weise können Sie exakt so lange belichten, wie es Ihre Intuition für richtig erachtet.

Experimentier-Tipp: Wenn Sie im Bulb bleiben, können Sie die Belichtung jederzeit stoppen, indem Sie einfach das Objektiv berührungslos mit etwas Schwarzem verdecken, beispielsweise einem Hut. Wenn der passende Zeitpunkt gekommen ist, geben Sie das Objektiv wieder frei. So kommen Sie zu fast beliebig vielen Mehrfachbelichtungen.

Schritt 8: Sagen Sie Ihrer Kamera, sie solle nicht so empfindlich sein

Das dritte Element für eine passende Belichtung ist die Einstellung der Sensor-Empfindlichkeit. Je niedriger der ISO-Wert ist, desto mehr Licht benötigt der Sensor, um richtig belichtet zu werden. Daher ist es normalerweise nicht nötig, hohe Werte einzustellen: Wir möchten ja gerne länger belichten. Versuchen Sie es anfangs mit ISO 100 oder 200. Prima Nebeneffekt: Je geringer die Empfindlichkeit, umso klarer wird das Foto, weil es weniger Bildrauschen gibt. Nutzen Sie also die ersten Raketen, um zügig die richtige Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit herauszufinden.

Nutzen Sie also die ersten Raketen, um zügig die richtige Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit herauszufinden.

Schritt 9: Halten Sie drauf

Nehmen Sie keine Rücksicht auf Ihre Speicherkarte und fotografieren Sie, was das Zeug hält. Wenn Sie nicht gerade selber der Feuerwerker sind, wissen Sie schließlich nicht, was wann und wie lange kommt und passiert. Schließlich wäre es schade, wenn der ganze Aufwand nur für eine Handvoll Bilder getrieben worden wäre. Nach der Sichtung zu Hause am großen Bildschirm können Sie immer noch die Bilderflut auf eine Handvoll reduzieren – die dann aber qualitativ besser ist. Sollte es zwischendurch kleine Pausen während des Feuerwerks geben, können Sie Ihre Bilder kontrollieren und eventuell Einstellungen feinjustieren.

Schritt 10: Bereiten Sie sich vor

Über die Kamera- und Objektiveinstellungen hinaus können Sie Ihren Feuerwerkeinsatz planen und vorbereiten:

  • Füllen Sie Ihre Akkus: Da die Kamera pausenlos arbeiten wird und der Akku je nach Temperatur schnell schlapp machen kann, sind Sie mit einem vollgeladenen Ersatzakku auf der sicheren Seite.
  • Leeren Sie Ihre Speicherkarten und nehmen Sie eine zweite Speicherkarte mit, denn während des Geschehens werden Sie kaum dazu kommen, Ihre Bilder auszusortieren.
  • Erkundigen Sie sich über das Wetter, um sich und Ihre Kamera zu schützen und den richtigen Standort auszusuchen.
  • Wind und Rauchschwaden sind bei der Feuerwerksfotografie echte Störenfriede und sorgen für Unschärfe oder trüben das Bild. Versuchen Sie sich so zu positionieren, dass der Wind von hinten oder von der Seite kommt und so den Pulverdampf fortbläst.

 

Dieser Text ist unter der Mitarbeit von Johanna Karajan entstanden.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.