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Schminke
Schminkutensilien sollten Sie auch für ein Portrait-Shooting mit einem Mann griffbereit haben.
© Getty Images/misuma

Das richtige Make-Up für Portraits

Schönere Gesichter
23.02.2021

Für starke Portraits muss Ihr Model nicht nur gut ausgeleuchtet sein, sondern auch gut geschminkt. Wir geben Ihnen die wichtigsten Make-up-Tipps – für weibliche und männliche Models.

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Portrait mit Make-up-Pinsel

Wer perfekte Portraits mit gestaltetem Licht und ausgesuchter Location schießen will, sollte sich auch über Make-up Gedanken machen.

© Getty Images/iStockphoto/Alex Ustin

Natürlichkeit ist in. Große Modemagazine gestehen den Models auf ihren Bildern mittlerweile kleine Pickelchen zu und Haare, die quer durchs Gesicht wehen. Dennoch darf dieser gewollt unperfekte Bildstil nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter jedem tollen, ausdrucksstarken Personenbild neben viel fotografischem Aufwand auch immer ein passendes Make-up steckt.
Doch wieso ist das so wichtig? Und sollten Ihre Models bei reinen Portrait-Aufnahmen ebenfalls Make-up auftragen? Die Antwort lautet: Ja. Nehmen Sie Ihr eigenes Gesicht als Beispiel. Je nach Tagesform leidet es unter Augenringen, mal treten kleine Unreinheiten auf oder man hat sich einen Kratzer zugezogen, mal ist die Haut trocken oder gerötet.

Leichtes Make-up wirkt  Wunder!

Es geht nicht darum, Sie mit Hilfe von so genanntem „Contouring“ in einen anderen Menschen zu verwandeln, vielmehr soll Ihr natürliches, optimales Ich zum Vorschein kommen. Das Gleiche gilt für Ihr Model. So werden die Bildergebnisse besser und Ihr Model fühlt sich schöner und wohler, wodurch die Bildergebnisse nochmal besser werden. Doch worauf kommt es beim Portrait-Make-up an? Wir haben uns für die Beantwortung dieser Frage Unterstützung von einer der besten Make-up-Artistinnen Deutschlands geholt: Suzana Santalab von der Agentur Hype Stories in Stuttgart. Lesen Sie selbst.

Styling für Männer

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Männer-Portrait

Auch schöne Männer können durch Make-up und Haar-Styling noch an Ausstrahlung gewinnen. Meistens reicht es, wenn die Haut etwas abgepudert und die Haare gebändigt werden.

© Sebastian Sonntag für Manufaktur Laufruhe

Nach wie vor sind viele Männer der Meinung, sie würden auf Bildern kein Make-up benötigen. Schließlich tragen sie im Alltag auch keins. Allerdings ist ein Fotoshooting aus vielerlei Gründen eine Ausnahmesituation. Durch das Blitzlicht wird die Hautkontur bis ins kleinste Detail festgehalten. Unreinheiten, die im Alltag nicht bemerkt werden, können plötzlich negativ hervortreten. Außerdem neigt das Gesicht dazu, bei leichtem Schwitzen oder fettiger Haut massiv zu reflektieren, wodurch unvorteilhafte Glanzstellen entstehen. Deshalb gilt auch bei Männern: Ein bisschen Vorbereitung muss sein! Verwenden Sie ein Gesichtswasser, um das Gesicht zu entfetten und tragen Sie anschließend vor allem an Problemstellen wie Nasenrücken, Stirn und Kinn dezent Puder auf, um sicherzustellen, dass Sie auf den Fotos nicht glänzen wie die Schwarte vom Weihnachtsbraten.
Wer etwas mehr Zeit investieren kann und damit klarkommt, auch als Mann Make-up zu tragen, sollte vor dem Pudern noch etwas getönte Tagescreme auftragen, denn: Reiner Puder verdeckt keine Hautrötungen.

Profi-Tipp: Augentropfen vor den Aufnahmen sorgen für klare, wache Augen und beseitigen Rötungen.

Haartechnisch geht es bei den Herren der Schöpfung in der Regel schnell. Etwas Wachs in die Haare, dann die Haare formen, mit Haarspray fixieren. Achtung: Frisuren, die in natura gut aussehen, müssen nicht automatisch vorteilhaft auf dem Foto wirken. Der Grund liegt in der Zweidimensionalität des Bildes. Eine Rundung, die die Frisur vollendet, wird vielleicht auf der Aufnahme gar nicht sichtbar. Orientieren Sie sich deshalb bei der Frisur immer am Foto! Außerdem wichtig bei allen Aufnahmen: Überprüfen Sie auf den Fotos, ob noch einzelne Härchen vom Kopf abstehen. Diese sind mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen, können aber im Ergebnis massiv stören, insbesondere bei Streiflicht von hinten. Auch diese Strähnchen bekommen Sie mit Haarspray in den Griff.
Haben Sie einen entspannten Zeitplan oder möchten, dass Ihr Model besonders gut aussieht, empfiehlt sich zudem ein Peeling vorab. Dadurch werden Hautschuppen entfernt und die Haut wirkt anschließend besonders rein und frisch.

Styling für Frauen

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Portrait-Shooting im Studio

Insbesondere bei Portraitaufnahmen mit Blitzlicht ist es wichtig, bei Make-up und Hair-Styling auf jedes Detail zu achten.

© © Getty Images/iStockphoto/ igor_kell

Glatte Haare oder Locken, natürlicher Look oder dunkler Lidschatten – das Make-up bei Frauen-Portraits fällt deutlich vielseitiger aus. Dennoch gibt es wichtige Basics, die Sie beachten sollten, damit Ihr Model auf Portrait-Aufnahmen möglichst frisch wirkt und gut aussieht. Wird das Make-up vor Ort aufgelegt, wahlweise vom Model selbst, von einer Make-up-Artistin oder einer anderen Person, sollte die Portraitierte in jedem Fall frisch geduscht, mit gewaschenen Haaren, ohne Make-up oder Pflegeprodukte im Gesicht ans Set kommen. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, wird aber selbst bei semiprofessionellen Models regelmäßig vernachlässigt. Dann beginnt es zunächst wie bei den Herren: Gesichtswasser, dann etwas Creme, anschließend Puder. Ergänzend kommen nun noch Rouge und Wimperntusche hinzu, zudem sollte etwas Lippenpflege aufgetragen werden (was bei den Männern übrigens auch nicht schadet). Gerade zur Winterzeit sind Lippen oft sehr trocken und porös, was auf Bildern nicht schön aussieht. Auch hier empfiehlt sich bei genügend Zeit ein spezielles Peeling für die Lippen, um Hautreste und Schuppen zu entfernen. Sehr wichtig gerade bei weiblichen Portraits ist zudem die Kontur der Augenbrauen. Sie geben dem Gesicht einen Rahmen und sollten deshalb etwas betont und nachgezogen werden. Augenbrauen zupfen dagegen sollte man unmittelbar vor dem Shooting tunlichst vermeiden, da sonst schnell Rötungen entstehen.

Profi-Tipp: Investieren Sie ein paar Euro in eine Augenbrauenschere. So können Sie die Augenbrauen auch ohne Zupfen säubern oder optimieren.

Damit sind die Basics geschaffen. Ob und wie viel mehr Make-up Sie auftragen möchten, bleibt Ihren persönlichen Vorstellungen überlassen. Generell gilt: Helles Blitzlicht schluckt oft sehr viel Make-up, weshalb Sie eventuell bei stärkerem Make-up nochmals nachlegen müssen.

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Model stark geschminkt

Starkes Blitzlicht lässt intensives Make-up auf Bildern häufig etwas verblassen. Machen Sie deshalb zunächst ein paar Testfotos und schminken Sie gegebenenfalls etwas nach.

© Sebastian Sonntag

Überlegen Sie sich zudem, ob Sie eher die Augen oder die Lippen betonen möchten. Beides parallel ist oft zu viel. Planen Sie Ihr Shooting bei Make-up-Wechseln zudem von wenig nach viel. So können Sie im Lauf des Tages kontinuierlich nachlegen, ohne zwischenzeitlich abschminken zu müssen. Möchten Sie die Augen betonen, können Sie zunächst mit einer Wimpernzange die Wimpern in Form bringen, für mehr Wucht können Sie auch falsche Wimpern anbringen. Wichtig hierbei: Bringen Sie die Wimpern zunächst testweise an und schneiden Sie diese dann zu! In der Regel sind falsche Wimpern frisch aus der Packung bewusst zu lang. Sie liegen schwer auf dem Auge und drücken es nach unten, was alles andere als vorteilhaft wirkt. Beim Lidschatten stehen Ihnen in Sachen Farben und Formen alle Wege offen, ähnliches gilt für Eyeliner.
Besonders stimmungsvoll wirken übrigens Aufnahmen bei wenig Licht. Die Pupillen sind dadurch besonders groß und gerade mit natürlichem Licht wirken die Aufnahmen sehr stimmig und eindrucksvoll.
Sind Ihnen dagegen die Lippen wichtiger, sollte Ihr Model am besten schon einige Tage vor dem Shooting auf kleine Härchen an der Oberlippe achten und diese gegebenenfalls entfernen. Zudem sollten Sie – Profi-Tipp – Lippenkonturen immer von außen nach innen ziehen. Warum? Dadurch ziehen Sie die Linie nach oben und die Herzform der Lippe kommt besonders schön zur Geltung. Ziehen Sie dagegen von innen nach außen, ziehen Sie nach unten, wodurch es leicht so aussieht, als würden die Mundwinkel hängen.
Zum Hals hin läuft das Make-up aus, Sie sollten jedoch auf die Hände Bodylotion auftragen, wenn diese im Bild zu sehen sind, auch an den Schlüsselbeinen und im Dekolleté können leichte Glanz-Akzente die Form unterstreichen. Außerdem hilft Bodylotion, den Hals schmaler wirken zu lassen, indem sie mittig von oben nach unten aufgetragen ebenfalls für leichten Glanz sorgt.

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Model natürlich

Wenn ein umfangreicheres Shooting mit vielen unterschiedlichen Looks ansteht, empfiehlt es sich, dezent geschminkt zu starten und im Laufe der Zeit kräftigeres Make-up nachzulegen.

© Sebastian Sonntag

Der zweite wichtige Aspekt bei Portraits von Frauen sind die Haare. Damit diese schön glänzen, sollten sie heiß geföhnt werden. Dadurch schließt sich die Schuppenschicht und das Haar wirkt besonders glatt und gepflegt. Arbeiten Sie anschließend ein Pflegeprodukt ein, so bändigen Sie unvorteilhafte Flaum-Haare. Achten Sie generell auch bei Frauen-Portraits auf die Wirkung der Frisur auf dem Bild und vor allem auf einzelne, abstehende Haare, die das Bild stören.
Die eigentliche Frisur wird mit Lockenstab, Glätteisen und Haarspray erreicht. Profitipp: Föhnen Sie die Haare auch bei Lockenfrisuren zunächst glatt und drehen Sie die Strähnen erst dann auf einen Lockenstab. Dadurch beruhigen Sie die Haarstruktur und die Haare glänzen auf dem Foto schöner.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.