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Eigenes Fotostudio
Der Schritt zum eigenen Heimstudio ist kleiner als viele denken. Sollten Sie schon etwas Ausrüstung besitzen, können Sie mit geringen Kosten und wenig Platz loslegen.
Foto: © Getty Images

Das eigene Fotostudio

Studios für jedes Budget
03.03.2021

Träumen auch Sie vom eigenen Foto­studio zu Hause? Wir stellen Ihnen drei Varianten vor, von Einsteiger bis Profi, und verraten, was Sie an Ausrüstung benötigen – und was es kostet.

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Model - Studio für Einsteiger

Mit gutem Licht und einer weißen Wand lassen sich bereits großartige Aufnahmen umsetzen. Dieses Bild für ein deutsches Modemagazin entstand in einer umfunktionierten Küche.

© Sebastian Sonntag

Fast jeder ambitionierte Hobbyfotograf träumt von einem eigenen Studio, sei es für Stills, Portraits oder Makro-Aufnahmen. Leider wird dieser Traum häufig bereits in einer frühen Phase der Konkretisierung erstickt, mal aus Platz-, mal aus Geldgründen. Ja, gute Fotografie-Ausrüstung kostet Geld. Trotzdem sollten Sie Ihren Traum vom eigenen Heimstudio nicht zu früh beerdigen. Fragen Sie doch bei Gelegenheit mal einen Profi-Fotografen mit Fotostudio, was seine gesamte Ausrüstung wert ist, also Studioeinrichtung und Kamera. Vermutlich wird er vor einer Antwort zunächst eine ganze Weile grübeln und Ihnen dann etwa den Wert eines Kleinwagens nennen. Der Grund für diese Reaktion ist: Kein Fotograf kauft sich seine gesamte Ausrüstung auf einmal. Das Ganze wächst organisch. Sie kennen das: Man beginnt mit einer Einsteiger- oder Mittelklasse-DSLR, erweitert das Equipment, steigt eine Klasse höher, kauft die ersten Blitze, einen starken Rechner, weiteres Zubehör. Und auch bei den Räumlichkeiten verhält es sich so. Die ersten Aufnahmen finden vielleicht im Hobbyraum oder Wohnzimmer statt, vielleicht mieten Sie auch ein Studio an. Je mehr Ausrüstung und Motivation jedoch wachsen, was meistens parallel geschieht, desto größer wird irgendwann der Wunsch nach einem eigenen Heimstudio. Schon allein, um die gesamte Ausrüstung dort unterzubringen. Doch ab welchem Punkt macht ein eigenes Studio Sinn? Ab welcher Raumgröße und ab welchem Budget lässt es sich sinnvoll verwirklichen? Welche Voraussetzungen muss es bieten? Und welches Equipment benötigen Sie? Wir haben die Antworten auf diese Fragen in diesen Artikel gepackt und in drei Studio-Kategorien unterteilt: Einsteiger, Mittelklasse und Profi.

Also, Zollstock und Taschenrechner raus und ran ans Werk!

Fotostudio: Einsteiger-Klasse
 

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Illustration Studio Einsteigerklasse

Ein Schreibtisch mit Zweitmonitor und Dockingstation verwandelt Ihr Notebook in einen vollwertigen PC. Ein beleuchteter Spiegel und ein ausreichend dimensionierter Tisch sind für ein Personen-Studio Pflicht.
Vielseitig und kompakt verstaubar: Rundreflektoren sind praktisch, im Freien aber sehr windanfällig. Schirm, 180 cm: Große Schirme machen ein tolles Licht und sind im Online-Handel bereits für 60 Euro zu haben. Die vermutlich teuerste Investition ist ein Studioblitz. Wer bereits Blitze besitzt, kommt beim Heimstudio sehr günstig weg. Hintergrundrollen: Eine Dreifach-Aufhängung ist Standard, empfehlenswert sind für den Anfang Schwarz, Weiß und Grau.

Abbildung: © set.a.light 3D

Ein Heimstudio einzurichten ist ein wenig wie ein Autokauf. Natürlich kann man Unsummen für eine S-Klasse mit Vollausstattung hinblättern, letztlich bringt Sie ein Opel Corsa aber genauso ans Ziel. Das Ergebnis ist also das Gleiche. Beim Heimstudio verhält es sich ähnlich: Sie erzielen mit einem teuren Profistudio nicht zwingend bessere Resultate. Der Preis- und Platz­unterschied kommt vor allem durch eine höherwertigere und umfangreichere Ausstattung, mehr Flexibilität und eine effizientere Arbeitsweise bei der Profiversion zustande.

Was benötigen Sie, um von Ihren improvisierten Wohnzimmer-Shootings ins eigene Heimstudio umziehen zu können?

  • Zunächst einmal einen Raum. Die Größe richtet sich vor allem nach dem Einsatzzweck, der bevorzugten Brennweite und der Breite des Hintergrundes. Eine übliche Papier-Hintergrundrolle misst 2,72 Meter.
  • Möglicherweise möchten Sie daneben noch ein Streiflicht platzieren, weshalb eine Raumbreite von 4 m sinnvoll ist. Kommen Sie mit einer schmalen 1,35-m-Rolle oder einer kahlen weißen Wand aus, können Sie natürlich auch einen schmaleren Raum verwenden, sind dann aber weitgehend auf Hochformate eingeschränkt.
  • Die Raumtiefe sollte 5, besser 6 m betragen. So bringen Sie nicht nur problemlos notwendige Einrichtungsgegenstände wie einen Schreibtisch mit Zweitmonitor für das Notebook oder den PC, einen Schminktisch und einige Requisiten unter, sondern können auch bei Ganzkörperaufnahmen noch mit akzeptablen Brennweiten arbeiten. Zudem bietet Ihnen die Raumtiefe die Möglichkeit, das Model weiter in den Raum hinein zu holen, wodurch unschöne Schatten auf dem Hintergrund verschwinden und die Aufnahme generell mehr Tiefe bekommt.
  • Die Deckenhöhe liegt idealerweise bei 3 m, mit einer wohnraumüblichen Höhe von 2,40 m können Sie aber auch schon loslegen.
  • Fenster sind nicht notwendig, wodurch auch Keller-Räume nutzbar werden. Allerdings sollte der Raum im Sommer und Winter stets perfekt klimatisiert sein: Bei Hitze zerläuft das Make-Up; ist es dem Model kalt (und Models ist es sehr oft kalt), kriegen sie Gänsehaut und die Hände werden blau.
  • Achten Sie auch auf eine gute Belüftung. Shootings werden schnell anstrengend und ermüdend.
  • Auch die Raumfarbe ist neutral. Ideal eignen sich mindestens drei weiße Wände und eine weiße Decke, die vierte Wand – die hinter den Hintergrundrollen – können Sie für einen anderen Look auch in Grau streichen.

Günstig: Secondhand

Haben Sie einen passenden Raum gefunden, geht es an die Einrichtung. Überlegen Sie sich genau, was Sie wohin stellen können, um den Raum maximal zu nutzen. Überlegen Sie zudem, welche Teile der Einrichtung Sie bereits im Haus haben oder kostengünstig besorgen können. Dadurch schmilzt der Betrag in der Einkaufsliste schnell auf eine erträgliche Summe zusammen.

  • Zu den absoluten Basics gehören ein vernünftiges Lichtsystem mit verschiedenen Lichtformern und mindestens drei Köpfen. Zwar entstehen selbst im Profibereich viele Bilder mit nur einem Blitz, Sie kommen aber mit weniger als drei Lichtquellen schnell an technische Grenzen. Wer sich vor No-Name-Chinaware scheut, findet bei Walimex ein Blitzset zum Einsteigerpreis, gegebenenfalls können Sie aber auch Ihr bereits vorhandenes Equipment um ein bis zwei Blitzköpfe ergänzen.
  • Ein absoluter Tipp für jeden Fotografen mit Blitz ist ein 180-cm-Schirm. Dieser kostet nur rund 50 Euro, macht ein hervorragendes, großflächiges Licht bei praktisch allen Personen-Aufnahmen, im Freien sollte er allerdings nur mit mehreren Sandsäcken am Stativfuß verwendet werden.
  • Ein Hintergrundsystem mit weißem, grauen und schwarzen Hintergrund ist ebenfalls empfehlenswert, genauso wie ein fest eingerichteter Arbeitsplatz mit Zweitmonitor.
  • Wichtig sind zudem ein Heizlüfter, siehe oben, einige Standard-Kleidungsstücke und ein Bademantel.
  • Und Musik. Denn fühlt sich das Model wohl, werden die Bildergebnisse um Welten besser!
  • Dazu noch einige Requisiten, um das Bild lebendiger zu machen, ein Regal für Krimskrams (bevorzugt außerhalb des Studios aufgebaut) und ein paar selbst gebaute Abschatter/Aufheller aus Styropor.
  • Für Produkt-Aufnahmen genügt bei diesem Level noch das kleine Lichtzelt vom Internet-Anbieter.

Rechnung für ein Fotostudio der Einsteigerklasse:
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3 Studioblitze (Sets):  800 €
Schirm 180 cm:  55 €
Schminktisch, Stuhl:  0 €
Schminkspiegel, -beleuchtung:  100 €
Schreibtisch:  0 €
Zweitmonitor:  180 €
Rundreflektor:  30 €
Haltesystem für Hintergründe:  130 €
3 Hintergrundrollen:  200 €
Styroplatten und Ständer:  50 €
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Total:  1545 €
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Sie filmen gerne?

Etwas abgewandelt lässt sich das Heimstudio auch hervorragend zum Filmen nutzen, beispielsweise, wenn Sie gerne Video-Blogs veröffentlichen oder Vorstellungs-Videos für Models drehen möchten. Wichtig ist vor allem das Licht, denn Blitzlicht hilft bei Videos nicht weiter. Empfehlenswert sind leuchtstarke LED-Panels, zum Beispiel von Neewer für rund 190 Euro. Außerdem sollten Sie ein stabiles Stativ verwenden. Für Sprachaufnahmen eignet sich das Røde Podcaster für ca. 170 Euro oder, dezenter, ein Lavalier-Mikrofon, je nach Budget mit Kabel (ab 20 Euro) oder kabellos (ab etwa 150 Euro). Gerade im Bereich Ton lohnt es sich, etwas mehr Geld zu investieren.

> Fotostudio Mittelklasse

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.