Bildgestaltung im Quadrat – 8 Strategien

Gestalten im Quadrat
09.11.2020

Das Quadrat ist Fluch und Segen: Potenziell langweilig auf der einen, dem Motiv raumgebend auf der anderen Seite. Wir stellen Strategien für das Gestalten im quadratischen Format vor.

Technisch gesehen ist das Quadrat eigentlich ideal, vom fotografischen Nutzen her betrachtet ist es dagegen selten zu gebrauchen. Soll heißen: Das Quadrat kommt mit seinen identischen Seitenlängen dem Kreis am nächsten, den das Objektiv auf dem Sensor oder dem Film ausleuchtet. So war die Idee der klassischen 6x6-Kameras, das Optimum bei der Flächennutzung in Relation zur Größe der Kamera herauszuholen – in der Praxis konnte aber damals kaum jemand die Fotos drucken: Zeitschriften, aber auch Bücher wurden und werden in fast allen Fällen aus Hochformatseiten gebunden; bei Doppelseiten ergibt sich dann ein Querformat. Die Argumente der damaligen 6x6-Fotografen: Es bleibt Raum, damit im Layout das Bild zu einem Hoch- oder Querformat beschnitten werden kann.

Unsere Gestaltungsideen fürs Quadrat

Interessanterweise hat das Quadrat mit Aufkommen der Smartphones ein neues Zuhause gefunden: Vor allem durch den Bilderdienst Instagram, der zu seinen Anfängen ausschließlich Quadrate für Veröffentlichungen zuließ. Und auch jetzt finden sich bei Instagram, aber auch anderswo im Netz viele Quadrate. Der Grund: Bei Instagram & Co werden die Quadrate zusammen mit Unterschriften und Tags, also kleinen Textbotschaften veröffentlicht, sodass sich als Gesamtbild des „Posts“ wieder ein Hochformat ergibt – das perfekt in den Hochformatbildschirm des Smartphones passt.

Der relativ neue Trend zur Instagram-­Quadratur kann aber nicht verdecken, dass das Quadrat an sich erst mal langweilig ist. Die Gleichmäßigkeit baut – wie der Kreis – keinerlei Spannung auf; ein Seitenverhältnis von 3:2 ist nah am goldenen Schnitt und an den Fibonacci-­Zahlen; 1:1 erinnert auch gestalterisch eher an ein Unentschieden.
Wer im Museum durch die Abteilung mit den Alten Meistern schlendert, wird selten ein Quadrat in Öl entdecken – erst in der Abteilung des 20. Jahrhunderts hängt das ein oder andere gemalte quadratische Bild – und meist macht es dort seine eigene geometrische Abhängigkeit selbst zum Thema. Dennoch ist auch im Quadrat nicht alles verloren. Vor allem nicht für Fotografen. Wie die Bilder auf diesen Seiten zeigen, kann das Quadrat den idealen Rahmen für ein Motiv bilden. Und die Fotografen von heute haben einen großen Vorteil gegenüber dem 6x6-Fotografen mit seiner alten Rolleiflex: Sie entscheiden sich erst in der Bildbearbeitung für das Quadrat und können in Ruhe ausprobieren, ob das Motiv sich im quadratischen Rahmen entwickelt oder auch nicht.
Einige Fotografen sehen das anders und wollen lieber direkt bei der Aufnahme und so unmittelbar das Format sehen, das sie später produzieren wollen. Einige spiegellose (und Kompakt-)Kameras können auf 1:1 umgestellt werden, bei Spiegelreflexen ist das selten der Fall. Wer Raw fotografiert, erhält trotzdem nachher ein Rechteck – bloß der Einblick im Sucher ist beschnitten.

Noch stärker als im Hoch- oder Querformat neigt der Fotograf beim Quadrat zum Platzieren des Hauptmotivs in der Mitte. Was normalerweise keine gute Idee ist, kann in Ausnahmefällen funktionieren – nämlich dann, wenn das Motiv eine Entsprechung zur strengen Geometrie des Quadrats darstellt –  etwa eine Kugel oder ein Stern. In der Regel führen Sie den Blick am besten, wenn Sie das Quadrat teilen – und zwar nicht mittig, sondern nach der Drittel-Regel oder mit Hilfe von Linien, die nicht unbedingt parallel zu den Linien des Quadrats laufen. Das können im einfachsten Fall Diagonale sein, aber auch Bögen oder andere Formen.

Wenn Sie mehrere Quadrate rahmen und hängen, können Sie sie leicht geometrisch kombinieren. Zusammen mit Hoch- und Querformaten wird das einzelne Quadrat wegen seiner Gleichmäßigkeit die anderen Bilder eher dominieren.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.