Beruf Fotograf: Wege zum Erfolg

Expertentipps für die Karriere
10.01.2018

Erfolg und Anerkennung für die eigenen Bilder müssen kein Traum bleiben. Doch der Weg nach oben ist nicht so leicht. Wir haben Expertentipps für alle, die im Beruf Fotograf erfolgreich sein wollen.

 

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Miron Zownir

Nadine Dinter berät Fotografen bei ihren Medienauftritten – unter anderem den Berliner Miron Zownir, der mit seinen Bildern von Punks, Underdogs und Transvestiten gerade ein großes Revival erlebt

© Miron Zownir

Der Weg zum Ruhm ist für viele Profifotografen steil und einsam. Unzählige haben ihn beschritten, und unzählige sind unterwegs gescheitert. Wer also kann helfen, wenn es mal eng wird?     

Wenn nichts mehr hilft, hilft reden. Wie viele kritische Situationen wurden schon gemeistert, wie viele Lösungswege beschritten, weil Menschen früh genug den Austausch mit Anderen gesucht haben. Sprache kann in einer Krise ein Anker sein, auch in einer kreativen Krise.

An jedem Mittwoch redet sich Elena M. daher ihre Ängste und Sorgen von der Seele. Im Keller eines kirchlichen Gemeindehauses im Süden Berlins hat die Fotografin Gleichgesinnte gefunden. Menschen wie sie. Menschen, die oft nicht mehr wissen, wie sie die Miete für ihre Atelierräume zusammenkratzen können oder die keine Ideen mehr für neue Projekte haben. Menschen, die Kunst machen – mit Pinsel, Gussformen oder – wie Elena – mit einem Fotoapparat.

„Bevor ich hierherkam“, sagt die hochgewachsene Mittvierzigerin, „bin ich voller Zweifel gewesen. Mit meiner Arbeit tappte ich vollkommen im Dunkeln. Und über meine Karriere habe ich mir keine Illusionen gemacht.“ Die anderen in der Gruppe hatten auch keine Patentrezepte. Aber sie haben zugehört.

Elena, die mit richtigem Namen nicht genannt werden möchte, ist bei A.R.T.S. anonymous, einer Selbsthilfegruppe für Künstler und Kreative, die vor über dreißig Jahren in New York gegründet worden ist. Wie bei den Anonymen Alkoholikern versucht man in den zahlreichen Ortsgruppen von A.R.T.S. die Abwärtsspirale aus Hilflosigkeit und Selbstzweifeln zu durchbrechen. „A.R.T.S.“, so sagen die Organisatoren hinter der Gruppe, „möchte, dass kreative Personen weiterhin ihr volles Potenzial entfalten können.“ Dafür spiele es keine Rolle, ob die Teilnehmer bereits einmal erfolgreich waren oder ob sie noch am Anfang stehen.

„Ich suche nach dem Stein, der etwas ins Rollen bringt und einen Mechanismus auslöst“
Nadine Dinter, PR-Profi

Was klingt wie ein Scherz, ist für viele oft der einzige Strohhalm, an dem sie sich im Wettbewerb der Stile, Ausdrucksweisen und Mitkonkurrenten festhalten können. Oft fehlt es gerade Kreativen an Ansprechpartnern. Sie haben keine Galerie, keine Sammler, keine Kollegen. Da seien die Gruppen von A.R.T.S. anonymous eine wichtige erste Anlaufstelle, weiß Elena – auch wenn ihr als Freiberuflerin anfänglich extrem schwer gefallen sei, die Hilfe einer solchen Gruppe in Anspruch zu nehmen. Stolz, Scham und Minderwertigkeitsgefühle stünden der schnellen Hilfe zuweilen im Wege.

Doch dass eine kreative Begabung nicht notgedrungen die Eintrittskarte zu Glück und Erfolg ist, das hat sich herumgesprochen. Oft braucht es weit mehr, um mehr zu bekommen: soziale Kompetenz, ein tragendes Netzwerk und vor allen Dingen, das nötige Kleingeld. Denn wer hat, dem wird nicht nur gegeben. Wer hat, der kann auch abgeben.

Die PR-Expertin                

„Ich habe bei meiner Arbeit immer wieder Fotografen kennengelernt“, erzählt etwa die Berliner PR-Agentin Nadine Dinter, „die für organisatorische Fragen wenig Zeit haben. Lieber möchten die ihre volle Energie in ihre künstlerische Arbeit stecken und den Rest an einen Profi abgeben.“ Einen Profi, wie Nadine Dinter.

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Nadine Dinter Portrait

Nadine Dinter, PR-Profi

Seit elf Jahren betreibt die Berlinerin eine Presse- und Beratungsagentur im Fotokunstsegment. Das Gros ihrer Arbeit bestehe dabei aus dem Erstellen klassischer PR-Kampagnen. Doch die seien meist höchst individuell und auf die Bedürfnisse eines jeden Kunden zugeschnitten.

Oft kämen die Fotografen aus der klassischen Auftragsfotografie. Die Magazin- und Werbewelt sei in den letzten Jahren extrem im Umbruch. „Bei vielen“, so Dinter, „lässt das den Wunsch reifen, sich mehr und mehr auch künstlerisch zu orientieren.“ Bei einer solchen Neuausrichtung bietet Nadine Dinter professionelle Hilfestellungen an. So suche sie nach Wegen der Positionierung, lote Kampagnen aus oder vermittle angemessene Kooperationspartner. „Gemeinsam mit dem Fotografen schaue ich, wohin die Reise gehen kann.“

Manch einer sei nur auf der Suche nach dem letzten kreativen Funken. Da reiche oft eine einzige Beratungsstunde aus. Andere aber buchten ganze Pakete – Dienstleistungen mit englischen Namen: Connect, Consult, Communicate. Eventmarketing oder Networking. Dinter sucht für jeden den passenden Erfolgsschlüssel. Letztlich, sagt sie, sei der Erfolg wie eine Domino-Rallye: „Ich suche den Stein, der etwas ins Rollen bringen und der einen Mechanismus lösen kann.“

„Wenn man es unbedingt will, dann schafft man es auch“
Andrea von Götz, Mäzenin

Die Mäzenin

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Andrea von Götz Portrait

Andrea von Götz, Mäzenin

Gerade auf dem Markt der Bilder und der kreativen Ideen kann das aber auch hoch riskant sein. Andrea von Götz etwa, seit Jahren eine etablierte Mäzenin und Sammlerin, glaubt, dass Karrieren nicht zu glatt oder zu „gemacht“ aussehen sollten. In der Kreativbranche würden Authentizität und Originalität erwartet. Zu viel PR könne schnell abschreckend wirken.

Doch auch Andrea von Götz weiß, dass es den einen Königsweg an die Spitze nicht gibt. Was bei dem Einen helfe, sei bei einem Anderen hinderlich: Nach zehn Jahren Erfahrung im Kunstbereich habe sie alle Seiten der Branche kennenlernen dürfen. „Heute würde ich niemandem mehr automatisch gratulieren, wenn er mir erzählt, dass er an einer Kunst- oder Fotoakademie studiert.“ Allzu oft hat sich die Hamburgerin von Künstlern erzählen lassen, wie beschwerlich der Weg nach oben sei. Es brauche nicht nur Talent. Es brauche auch den Willen und ein Quäntchen Glück. „Doch wenn man es unbedingt will“, so glaubt von Götz, „dann schafft man es auch. Dennoch gibt es viele Faktoren, die man nicht berechnen kann.“

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Martin Ogolter

Der in Brasilien lebende Österreicher Martin Ogolter arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, Skulptur und Wahrnehmung. Vor zwei Jahren war er Stipendiat des Festivals Sommerfrische.Kunst von Andrea von Goetz

© Martin Ogolter

Für das Unberechenbare bietet Andrea von Götz Unterstützung an. Seit sieben Jahren etwa organisiert sie in dem österreichischen Bergdorf Bad Gastein das Kunstfestival „Sommerfrische.Kunst“. Maler, Objektkünstler und Fotografen erhalten während eines vierwöchigen Stipendiums die Möglichkeit, Projekte zu verwirklichen und ihre neuen Werke anschließend vor geladenen Gästen und Kollegen zu präsentieren. In diesem Jahr war auch der renommierte Berliner Fotokünstler Andreas Mühe mit in den Bergen. Ein namhaftes Zugpferd, das auf die unbekannteren Stipendiaten ein mediales Schlaglicht werfen kann.

Andrea von Götz weiß indes, dass Unterstützung Grenzen hat. Letztlich verfügt auch sie nicht über die Möglichkeiten, Karrieren zu machen. Dennoch können ihre Stipendien Wegmarken sein. Besser, glaubt sie, sei ein kontinuierlich aufgebautes Werk, als der große Sprung von Null auf Hundert. Von dem wird zwar immer wieder mal in den Medien berichtet; letztlich aber bleibt er die Ausnahme.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.