Profi-Report: Am Set mit Manfred Baumann

31.08.2010

Bilder für den Burger-Brater: Manfred Baumann fotografierte Anfang Mai mit großer Medienresonanz ein Topmodel für eine Werbekampagne. fotoMAGAZIN war beim Shooting dabei

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Und Action: Manfred Baumann und Model Patricia Kaiser beim Shooting

Heute steht er in Diensten eines Burger-Braters. Dieses Shooting mit einer ehemaligen Miss Austria wird kein gewöhnliches sein. Drei TV-Teams tummeln sich im lichtdurchfluteten Zimmer eines Hotels am Kahlenberg bei Wien, draußen vor der Tür des Konferenzraums, in dem Manfred Baumann gleich fotografieren wird, wartet ein Dutzend weiterer Journalisten und Produktmanager.

Während Model Patricia mit Lockenwicklern am Schminktisch sitzt und sich die Wimpern stylen lässt, gibt Baumann erste Interviews. Er kennt die Herren von der Klatschpresse, beantwortet tief schürfende Fragen zur momentanen Befindlichkeit (Hast Du abgenommen?) und persönlichen Fast-Food-Vorlieben. Ehefrau Nelly steht derweil ein paar Meter entfernt vor der Kamera eines anderen TV-Senders und plaudert nicht minder locker.

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obwohl das TV-Team beim Shooting über die Schulter blickte

Die Schönheit leitet eine eigene Modelagentur, arbeitet seit 15 Jahren mit Manfred Baumann und ist stets am Set dabei. Manfred Baumann, der heute umlagerte Medienstar, ist eigentlich gelernter Einzelhandelskaufmann. Er weiß, dass es nicht reicht, einfach nur gut zu fotografieren. Ein Fotograf sollte Marketinggeschick mitbringen. Und das hat er. Es ist wichtig, dass ein Fotograf entweder völlig durchgeknallt ist oder auf die Leute zugehen kann, meint der Österreicher. Ich kann nicht über Nacht zum Terry Richardson werden.

Typ bester Kumpel

Baumanns Stärke ist sein kommunikatives Talent. Und so scherzt er jetzt mit Patricia, wendet sich in der nächsten Sekunde einem Reporter zu und bereitet bei aller Lässigkeit scheinbar beiläufig das Shooting vor. Hier ein paar Anweisungen an die beiden Assistenten, dort ein kurzes Gespräch mit dem Marketing Manager des Fast- Food-Herstellers. Und plötzlich steht  auch schon Patricia geschminkt und ohne Lockenwickler neben ihm. Die Blitze und der Reflektor sind ausgerichtet, der Set-aufbau für diesen Auftrag bleibt reduziert auf das Nötigste. Es kann losgehen. Dies ist nicht die erste Zusammenarbeit. Manfred hat Patricia schon fotografiert, als sie gerade mal 17 Jahre alt war, die beiden waren zuletzt bei einem Promi-Kartrennen ein Team. Manfreds Stärke ist, dass er die Models natürlich belässt, sie nicht verbiegt, sagt Nelly Baumann. Es gelingt ihm, sie natürlich rüberzubringen. Dabei führt er zur Ideenfindung gewissenhaft ein Skizzenbuch und erarbeitet sich seine Bilder. Ich habe in letzter Zeit versucht, mich vom Mädchenfotograf in Richtung Kunst zu entwickeln, sagt Baumann. Mein Ziel ist es gerade bei freien Arbeiten, den Betrachter zu fesseln, ihm eine Geschichte zu erzählen, zu der er sich Gedanken machen kann. Ich habe den Drang, immer besser zu werden.

Heute wird ein ausdrucksstarkes Portrait gesucht, das bei einer Großkampagne landesweit die Plakatwände schmücken soll. Und neben all dem Geplauder und dem Presserummel tauchen an diesem nebelverhangenen Vormittag auf dem Bildschirm des Grafikdesigners im Studio nun Dutzende Baumann-Fotos von Patricia auf, die ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht des Kunden zaubern. Manfred Baumann ist längst mehr, als der weithin bekannte Wiener Aktfotograf. Er portraitiert regelmäßig Serienhelden für Fernsehsender wie RTL in Deutschland und Fox (Dr. House) in den USA, verlegt mittlerweile für drei bis vier Monate im Jahr seinen Wohnsitz für Arbeitseinsätze nach Los Angeles und leistet sich dort bereits PR-Agenten. Zu seinen Freunden in Hollywood zählen Stars wie Roger Moore und Ralph Möller. Baumann ist ein geschickter Networker mit fast 10.000 Facebook-Freunden. Der Typ bester Kumpel, ein Fotograf, bei dem sich jeder wohlfühlt.

Model Patricia bringt es auf den Punkt: Mit ihm kann ich immer locker sein und Spaß haben, aber auch umschalten und professionell sein. Und das passiert jetzt. Inmitten dieses quirligen Action-Zentrums wird an diesem Vormittag intensiv gearbeitet. Mit präzisen Instruktionen an das Model, kurzen, prüfenden Blicken auf die Ergebnisse am Layout-Bildschirm und einer zahmen Pressemeute, die zur Mittagszeit zurück in die Redaktionen eilt. Keiner hat Patricia nach ihrem Privatleben befragt, obwohl vermutlich genau mit dieser Absicht einige österreichische Journalisten angereist sind. Patricia Kaiser hatte 2009 einen schweren Autounfall und hat eine persönliche Krise hinter sich, an der ganz Österreich Anteil nahm. Baumann und seinem Team ist es gelungen, behutsam das Comeback des Models und TV-Stars zu inszenieren, ohne die neugierigen Klatschreporter zu tief ins Seelenleben der 25-Jährigen blicken zu lassen. Manfred Zollner

Manfred Baumanns Tipps für bessere Portraits

1. Komme immer mit einem Plan zum Shooting
Ob Du wie ich immer ein Skizzenbuch dabei hast oder Deine Ideen auf andere Art und Weise entwickelst und vorbereitest: Ein Plan ist stets hilfreich.

2. Das Auge des Fotografen macht das Foto, nicht die Kamera 
Behalte immer Deine Ideen im Blick und lasse Dich nicht zu sehr von den technischen Hilfsmitteln vereinnahmen.


3. Ein technisch einwandfreies Bild macht noch lange kein gutes Foto    
Die richtige Inszenierung wirkt manchmal Wunder und sollte nicht aus den Augen verloren werden. Bereits eine andere Körperhaltung kann ein Bild maßgeblich beeinflussen.

4. Ein guter Ausdruck spricht mehr als tausend Worte
Beobachte immer Dein Model genau und lass den Finger auf dem Abzug, um den perfekten Augenblick festzuhalten.

5. Das Licht unterstützt den Ausdruck
Hast Du den perfekten Ausdruck gefunden? Dann unterstütze diesen mit dem richtigen Licht. Hier kommen Deine Vorüberlegungen zum Einsatz. Sorge für ein Licht, das Dein Motiv positiv unterstützt.

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.