Paris Photo 2008:– Mekka der Fotokunst

Für viele ist die Fotokunstmesse Paris Photo das Fotoevent des Jahres
18.12.2008

fotoMAGAZIN-Redakteur Manfred Zollner reiste im November 2008 in die französische Hauptstadt und berichtet von den neuen Trends des Kunstmarktes in Zeiten der Finanzkrise

Hier werden neue Talente entdeckt, Stars gefeiert, die Preise des Kunstmarktes jährlich neu taxiert und nicht zuletzt: in großen Mengen erlesene Prints verkauft.

Paris, Mitte November. Man könnte wirklich meinen, die ganze Fotoszene sei da. F. C. Gundlach sitzt morgens beim Petit Dejeuner im Café Marly. Martin Parr stöbert 100 Meter entfernt in teuren Fotobuch-Klassikern eines französischen Antiquariats. Und Magnums Shootingstar Alec Soth signiert seine Bücher. Heute sind sie alle in Paris. Zufall? Natürlich nicht.

Vom 13. Bis 16. November 2008 ist die Metropole die globale Fotohauptstadt und Käufer, Kuratoren, Fotografen mischen sich in den Gängen des Carrousel du Louvre mit tausenden Schaulustigen. 86 Galerien und 21 Verlage aus aller Welt haben für teuer Geld Ausstellungsfläche angemietet und jeder hier sorgt sich jetzt um die Weltwirtschaft, bzw. den Käufermarkt für Fotografie.

Die Medien vermitteln täglich neue Hiobsbotschaften von der Finanzkrise. Doch hier ist am Vernissagenabend zunächst alles wie gehabt: Warteschlangen bis weit vor den Pforten der Messe und drinnen ein Geschiebe und Gedränge wie eh und je. Wie soll man in Zeiten der Krise Fotografie präsentieren? Zeitlose, aber teure Klassikern oder doch eher erschwinglichere, spannende Neuentdeckungen?

Paris Photo 2008 bietet beides. Frischer Wind weht durch die Reihen, denn es gibt diesmal eine Vielzahl neuer Galerien, die erstmals ihre Künstler zeigen (dürfen). Die Messeveranstalter haben 2008 als Gastland Japan auserkoren und die Fotografie aus Fernost bietet jede Menge Neuentdeckungen. Und noch etwas: Mit zunehmender Bedeutung des Fotobuches als Sammelobjekt steigt auch die Anzahl der Fotobuch-Antiquariate auf der Messe. Paris Photo zeigt sich wandelbar.

Trotzdem bedauerlich, dass diesmal wichtige Galeristen wie der New Yorker Yossi Milo oder Thomas Zander aus Köln nicht hier dabei sind. Dafür scheinen die wichtigsten Museums-Kuratoren angereist zu sein, wie mancher Galerist schon beim Plausch am Eröffnungsabend erwähnt.

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Bild vom Bild: Besucher am Vernissagenabend in den Gängen von Paris Photo

Die einflussreiche Anne Tucker vom  Houstoner Museum für Moderne Kunst wird während der Messe einen Vortrag über die japanische Fotografie halten. Andere nutzen den Aufenthalt zur Kontaktpflege und Ankäufen. Gut gelaunt mischen sich Starfotografen wie Stephen Shore und Joel-Peter Witkin unters Vernissagen-Publikum. Gibt es Trends inmitten des Bekannten und Vertrauten?

Viel Abstraktes taucht diesmal auf, deutlich mehr als in den Vorjahren. Politik bleibt in der hier gezeigten Fotokunst weitgehend ausgeklammert, sieht man mal von den Arbeiten des Briten Simon Norfolk ab. Die Highlights des Jahres lieferten die Japaner.

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Vee Speers

Mika Ninagawa (bei Priska Pasquer, Köln und Tomio Koyama, Tokio) und Maiko Haruki (Taro Nam, Tokio) zählten für uns zu den spannendsten neuen Künstlern. Besonders erstaunlich: einige der japanischen Fotoklassiker der 50er-Jahre werden tatsächlich noch zu vergleichsweise günstigen Preisen um 8000 Euro gehandelt. 

Zum Messeschluss am Abend des 16. November haben die Veranstalter schließlich 37.760 Besucher gezählt (18 Prozent mehr als im Vorjahr). Besonders im Preissegment zwischen 2000 und 15.000 Euro konnten die Galeristen gut abverkaufen. Aber auch alte Meisterwerke aus dem Hochpreis-Segment wie beispielsweise ein Vintage von Frederick H. Evans bei Hans P. Kraus wechselte für 125.000 US Dollar den Besitzer.

2009 wird es bei Paris Photo einen Ausstellungsschwerpunkt auf arabische Fotografie geben. Neue Märkte - und neue Sammler - locken. 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.