Nikon Wuxi: Die Hightech-Manufaktur

22.11.2011

Es gibt auch gute Nachrichten aus der Fotobranche: Nikon von Tsunami in Japan und der Flut in Thailand arg gebeutelt ist stolz auf seine im Laufe des Jahres 2002 erbaute Vorzeige-Fabrik in Wuxi, China, wo seit vielen Jahren erfolgreich die Fertigung von Coolpix-Kameras und jetzt auch der Nikon 1 läuft.

Wuxi4LensAssembly0373.jpg

Die Produktion von Kameras und Objektiven des Nikon-1-Systems ist mit überraschend viel Handarbeit verbunden

Gut 130 Kilometer nordöstlich von der pulsierenden Hafenstadt Shanghai entfernt liegt die chinesische Industriestadt Wuxi. In dem modernen Industriepark für ausländische Investoren der Vier-Millionenstadt betreiben an die 1500 internationale Hochtechnologie-Unternehmen wie u.a. Agfa, Epson, Minolta, Panasonic, Sony und Nikon Niederlassungen. Wuxi ist einer von insgesamt drei Standorten von Nikon in China. Die beiden anderen befinden sich in Hangzhou und Guadong. In Wuxi baut Nikon seit 2003 Coolpix-Kameras.
Die hochmoderne Fertigung für Kameras und Objektive der Kameras und Objektive des Nikon-1-Systems begann bereits im April 2011. Es überrascht den Besucher, dass neben der rechnergesteuerten Teilefertigung, viele Bereiche der Fertigung von Hand  erfolgen. Dazu gehört beispielsweise das Anbringen des weißen Orientierungspunktes am Bajonett, oder der Schriftzug auf der Frontseite der Nikon 1. Die Nikon Imaging China erweckt den Eindruck einer speziellen Mischung aus Hochtechnologie und Manufaktur.
Das Gelände, auf der die Nikon Imaging China-Fabrik steht, beläuft sich auf etwa 97.000 Quadratmeter. Die Produktionsfläche ist 57.000 Quadratmeter groß. Zu den wichtigsten Produkten, die in Wuxi von der Nikon Imaging China Co. gefertigt werden, zählen Digitalkameras, Wechselobjektive und Objektive für digitale Kompaktkameras. Darüber hinaus werden hier Präzisionsmessgeräte, Mikroskope, Brillengläser, Stepper, Teleskope und Prüfinstrumente hergestellt. Der Anteil des Imaging-Bereichs liegt bei über 60 Prozent der Fertigung.
Mitte Juni 2002 hat die Fabrik ihre Fertigung aufgenommen. Heute sind hier über 8000 Mitarbeiter in zwei Schichten beschäftigt, die an fünf Tagen in der Woche in rund 130 Bussen zur Arbeit gefahren werden. Der größte Anteil der Beschäftigten sind junge Frauen. Die Frauenquote macht etwa 80 Prozent der Mitarbeiter aus. Von der Einführung der Nikon 1 erhofft sich die chinesische Nikon-Tochter einen signifikanten Schub.
Mit welchem Modell sich Nikon erhofft, die größeren Stückzahlen umzusetzen, lässt sich an den drei Kameraproduktionslinien erkennen. Zwei Linien fertigen die Nikon J1 und eine die Nikon V1. Für die Fertigung der Nikon J1 werden 183 Teile benötigt, für die V1 sind 195 erforderlich. Der Aufwand bei der Objektivproduktion ist nicht kleiner. So werden für ein 1 Nikkor 10-30mm 1:3,5-5,6 insgesamt 172 Einzelteile zusammengefügt. Am Ende der Produktionskette steht vor  dem Verpacken von Kameras und Objektiven eine strenge Qualitätskontrolle.

NikonFactories.jpg

rund 130 Kilometer westlich von Shanghai.

Wachstum in Aussicht

Noch ist das Marktsegment für diese Kamerakategorie relativ klein, betonte in einer Präsentation anlässlich eines Presseempfangs in Shanghai Jordi Brinkman, Product Manager - Nikon 1, Marketing Department, Nikon Europe B.V. Aber er wächst rasant und wird sich schon 2011 und 2012 nochmals verdoppeln.
Die Basis für diese Aussage bildet eine Markuntersuchung, zu der Nikon über 8.000 Menschen weltweit zu ihren fotografischen Wünschen und Verhaltensweisen befragte. Dabei stellte sich heraus, dass immer mehr Menschen die Videofunktion ihrer Kameras nutzen, dass sie aber Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Qualität bei ihren vorhandenen Digitalkameras vermissen würden.
Auf diesen Erkenntnissen basiert auch das Konzept der Nikon 1, die keinesfalls ein Ersatz für eine SLR sein soll und diese durch neue, einzigartige Funktionen ergänzt. Jordi Brinkmann betonte bei seiner Präsentation in Shanghai auch, dass die vorgestellten Kameras, Objektive und auch das Zubehör nur der Anfang eines Systems seien, das Nikon engagiert vorantreiben möchte. Zum Beweis präsentierte er einige Konzeptstudien für mögliche, zukünftige Produkte.
Als bereits in der Planung begriffen stellte er eine Reihe weiterer Objektive von Superweitwinkel- über Mikro- bis hin zu Teleobjektiven in Aussicht. Als besonders interessant aber tatsächlich leider nur als eine Konzeptstudie präsentierte er ein Kommunikationsset bestehend aus Aufsteckprojektor, Joy-Stick und weiteren interaktiven Anbauteilen für das Kamera-Display. Speziell an anspruchsvolle Filmer wendet sich die Designstudie mit LED-Videoleuchte und externem Aufsteckmonitor. Für schattenfreie Ausleuchtung bei Fotografieren und Filmen von Objekten im Makrobereich wurde ein auf den Blitzschuh austeckbares Makrolicht gezeigt. Ganz einfach aber als witziges kreatives Zubehör präsentierte Nikon farbige Silikon-Straps, die das Fotografieren nicht nur bunter gestalten, sondern das Potenzial haben eine ganz neue Mode der Fotografie auszulösen. Mit ihnen lässt sich die Kamera frei schwingen, was eine Kultströmung wie beispielsweise beim Tossing auslösen könnte. Doch wie bei Nikon immer wieder zu hören war: Alles nur Designstudien und noch keinesfalls in der endgültigen Produktplanung eigentlich schade!

Nikon-1_Video.jpg

Konzeptstudie zum Nikon-1-System: Zubehör wie Mikrofon und Monitor könnten die Kamera für Videoaufnahmen optimieren

Nikon 1 mit Potenzial

Den speziellen Vorzug der Nikon 1 gegenüber allen anderen Kameras des Marktes sieht Hirotake Nozaki, Manager Marketing, Image Application Products, Marketing Headquarters, Nikon Corporation Tokyo, in der Geschwindigkeit, mit der alle Prozesse der Kamera ablaufen. Er sieht nicht zuletzt darin auch ein gewaltiges Entwicklungspotenzial für weitere, ganz neue Anwendungen, die noch weiter über die bereits realisierten Möglichkeiten des Systems hinausgehen. Das hat neugierig gemacht, doch konkreter wollte er in typisch japanischer Zurückhaltung nicht werden. Auch die Frage, warum die Nikon-1-Ingenieure trotz der hohen Rechenleistung des Prozessors auf die inzwischen bei Verbrauchern so beliebte und etablierte Multi-Shot-Technologien wie beispielsweise Schwenkpanoramen verzichteten, antwortete er diplomatisch, dass man sich bei der Einführung des Systems vorzugsweise auf bisher nicht Dagewesenes konzentriert habe. Hirotake Nozaki stellte aber fest, dass die Implementation eines solchen Features angesichts der Leistungsfähigkeit der Kamera bei gesteigerter Nachfrage seiner Meinung nach kein Problem darstellen würde.
Die Nikon-Fertigung in Wuxi ist auf Erfolg programmiert. Hier hofft man auch einer steigenden Nachfrage bei Kameras, Objektiven und Zubehör nachkommen zu können. Schon heute scheint die Kapazität der Fabrik ausgelastet. Doch das großzügige Nikon-Gelände im Wuxi-Industriepark verträgt sicher noch den ein oder anderen Neubau und auch eine dritte Acht-Stunden-Schicht ist schließlich denkbar. Heiner Henninges

Den Test der Nikon V1 und Nikon J1 können Sie im aktuellen fotoMAGAZIN nachlesen

Testbilder zur Nikon V1 und Nikon J1

Datenblatt zur Nikon V1 und Nikon J1

 

 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Heiner Henninges

Heiner Henniges hat in den 70er und 80er Jahren Stars und Sternchen für die Boulevard-Presse fotografiert und als Autor über sie berichtet. Eine Auswahl der illustren Promi-Fotos findet sich auf seiner Homepage Memories Reloaded. Der erfahrene People-Fotograf hat sich zudem intensiv mit der Entwicklung der Fototechnik auseinander gesetzt. Als Autor schreibt er unter anderem für das fotoMAGAZIN.