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Kameradiebstahl auf Teneriffa: Aufmacher
© Thinkstock

Kameradiebstahl: Der Horror von Teneriffa

"Offensichtlich wurde ich seit Tagen beobachtet."
01.02.2018

Ein Kameradiebstahl ist wohl der Albtraum eines jeden Fotografen. Unser Autor Radomir Jakubowski erlebte eben dieses Horrorszenario auf Teneriffa. Lesen Sie seine unglaubliche Geschichte.

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Ein glücklicher Fotograf mit seinem Vater beim offiziellen Polizeifoto

© Radomir Jakubowski

Am 11. September wurde ich langsam unruhig und deshalb war ich besonders froh darüber, dass mein Vater es zeitlich einrichten konnte, mich zu begleiten, sodass ich nicht alleine unterwegs war. Um 9 Uhr am folgenden Tag waren wir mit der Policía verabredet. Vorab wollte ich mich mit Jesus treffen, um ihn persönlich kennenzulernen und die Geschichte von ihm noch mal komplett zu hören. Nach einem ersten Kennenlernen fuhren wir zur Policía Nacional Extremadura. Leider war die Einheit, die sich mit meinem Fall befasste, nicht da. Zum Glück hatte ich den ganzen Tag Zeit. So hatte ich Gelegenheit, die wunderschöne Festung in Badajoz zu erkunden. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt schon so nervös, dass ich das nicht recht genießen konnte. Später kam dann die Nachricht, dass die Einheit bald wieder auf dem Polizeirevier sei.

Mit einem Besucherausweis machte ich mich auf die Suche nach der zuständigen Einheit. Diese begrüßte mich herzlich, sprach jedoch kein Wort Englisch, sodass wir uns eher mit Händen und Füßen verständigten. Ich brachte eine Beschreibung des Falles aus Teneriffa mit sowie die Rechnungen aller größeren Gerätschaften, die gestohlen worden waren. Die Polizisten brachten mehrere Kisten mit Beweismaterial und einen abgenutzten F-Stop-Rucksack in den Raum, bei dessen Anblick mein Herz schneller schlug:

Das war ganz klar MEIN Rucksack. Ich bekam Zugriff auf die Ausrüstung und durfte sie identifizieren. Dies wurde zu einem lustigen Unterfangen.

Gehörte ein Ausrüstungsgegenstand mir, rief ich laut „Sí!“ und die Polizisten freuten sich, dass er mein Eigentum war. Er kam dann auf „meinen“ Stapel. War hingegen ein Gegenstand dabei, der nicht mein Eigentum war, sagte ich: „No.“ Darauf folgte ausnahmslos die enttäuschte Rückfrage „Noooo?“ und ich bestätigte: „No.“ Das Prozedere mit allen Unterschriften dauerte gut zwei Stunden. Die Policía Nacional Extremadura war äußerst freundlich, sehr geduldig und hilfsbereit. Am Ende unterschrieb ich auf ihren Listen, welche Gegenstände ich von meiner Ausrüstung zurückerhalten hatte und welche nicht. Alles zusammen verstaute ich im F-Stop Satori und durfte dann in die PR-Abteilung, wo ich ein offizielles Foto mit der Polizei machte.

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Happy End mit Jesus in Badajoz, denn ein Teil der Beute konnte wiederbeschafft werden

© Radomir Jakubowski

Im Anschluss nahm sich Jesus Zeit für mich, wir verbrachten viele Stunden bei einem angenehmen Gespräch in einer Tapas-Bar. Wie mir Jesus erzählte, war es genau die Bar, in der er vor ein paar Wochen auch mein 11-24-mm-Objektiv gekauft hatte. Wir haben den Tag gemütlich ausklingen lassen. Insgesamt habe ich viele Teile meiner Ausrüstung wiederbekommen, von den gestohlenen Sachen im Wert von ca. 30.000 Euro fehlen heute Gegenstände im Wert von etwa 4000 Euro, hinzu kommen gut 2500-3000 Euro für zerstörte Rechteckfilter von Lensinghouse.

Zum Zustand: Nun, der war schon mal besser. Die Ausrüstung hat gelitten, es sind viele Gebrauchsspuren hinzugekommen. Kameragurte wurden mit Schlüsselanhängern aus Metall befestigt, die Seriennummern hat man versucht, aus den Gehäusen zu fräsen, und ich glaube nicht, dass die Sachen annähernd fachgerecht transportiert wurden. Der F-Stop Satori scheint zerstört, denn das Tragegestell wurde entfernt – ich wusste nicht einmal, dass das möglich ist. Auf den ersten Blick scheint die Ausrüstung jedoch funktionsfähig zu sein und muss in jedem Fall zum Canon Check & Clean.

Ich bin überglücklich, dass ich so viel von meiner Ausrüstung zurückbekommen konnte. Vielen Dank für die Hilfe und Unterstützung aller Menschen, die an dieser Geschichte beteiligt sind! Nur durch Euren Einsatz, durch Euer Teilen und das Lesen meines Hilfeaufrufs haben wir ein so gutes Google-Ranking erzielt, dass Jesus auf mich aufmerksam geworden ist. Ganz besonders möchte ich an dieser Stelle Raico Rosenberg, Jesus und der Policía National von Badajoz danken – ohne Euch wäre all dies nicht möglich gewesen!

PS: Falls jemand zufällig in den Besitz des Canon 4/16-35 mm L IS mit der Seriennummer 1700002483 gelangt (ist), würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen!

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Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2016 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Radomir Jakubowski

Seine Leidenschaft gehört der Naturfotografie: Radomir Jakubowski bekam schon als Elfjähriger Vaters Pentax in die Hand gedrückt. Heute ist er als Naturfotograf renommiert und Mitglied in der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen. Sein erstes Buch ist "Die Fotoschule in Bildern. Naturfotografie". Für das fotoMAGAZIN erklärt er einige seiner Tricks.