kameraklau_aufmacher.jpg

Kameradiebstahl auf Teneriffa: Aufmacher
© Thinkstock

Kameradiebstahl: Der Horror von Teneriffa

"Offensichtlich wurde ich seit Tagen beobachtet."
01.02.2018

Ein Kameradiebstahl ist wohl der Albtraum eines jeden Fotografen. Unser Autor Radomir Jakubowski erlebte eben dieses Horrorszenario auf Teneriffa. Lesen Sie seine unglaubliche Geschichte.

 

master-44561841_0.jpg

Jakubowski Teneriffa 01

Ein Teil der gestohlenen Ausrüstung, die wieder auftauchte, sogar mit einigen 
Speicherkarten, deren Bilder teilweise gerettet werden konnten

© Radomir Jakubowski

So schnell wie möglich musste ich diese Geschichte verbreiten – so weit streuen, wie es mir möglich war. Zum einen, um jeden zu warnen und zum anderen, um die Seriennummern meines Equipments über den ganzen Globus zu verteilen und auf diese Weise einen Verkauf möglichst schwer zu machen. Ich schrieb bereits während meines Rückflugs einen Blogeintrag über die Geschichte, stellte eine Collage des Equipments zusammen und bat Freunde um Übersetzungen des Textes ins Englische und Spanische. Dann ging alles online, auch auf Facebook. Ich schrieb viele mir bekannte Blogger und YouTuber an, um die Geschichte schnell zu verbreiten. Binnen 24 Stunden wurde meine Geschichte über 3000 Mal geteilt, ich habe über 500.000 Menschen erreicht und auch auf allen großen Plattformen wie Petapixel oder Canonrumors wurden meine Geschichte und die Seriennummern verbreitet. Gleichzeitig gelang es mir über die teneriffianischen Fotografen in alle örtlichen Tageszeitungen zu kommen und sie verteilten sogar Flyer an die dortigen Fotohändler. Außerdem registrierte ich das Diebesgut als gestohlen bei Canon.

 

Um meinen Lesern von naturfotocamp.de weiterzuhelfen, habe ich bei einer Fotoversicherung vergünstigte Konditionen für sie vereinbart und online geschaltet. So vergingen Tage, Wochen, Monate. Fotografiert habe ich in der Zwischenzeit nur mit geliehenem Equipment. Nach langem Überlegen und Kalkulieren beschloss ich schließlich am 25. August, mir den Großteil der fehlenden Ausrüstung neu zu kaufen. In der darauffolgenden Nacht bekam ich eine E-Mail, deren Inhalt ich nicht glauben konnte: Ein Spanier, ich nenne ihn nachfolgend nur Jesus, beschrieb mir eine geradezu unfassbare Geschichte: Er erzählte, dass er ein Canon EF 4/11-24 mm L gebraucht erstanden habe. Als ihm auffiel, dass die Seriennummer entfernt worden war, wurde er misstrauisch und er konnte sie über die EXIF-Daten rekonstruieren. Daraufhin entdeckte er schnell im Internet, dass es sich bei dem Objektiv um mein Objektiv handelt. Jesus ist allerdings nicht nur Hobbyfotograf, sondern von Beruf Polizist der Policía Local und hatte gemeinsam mit der Policía Nacional eine Falle für den Verkäufer aufgestellt, die dann auch tatsächlich zuschnappte. Der Verkäufer hatte in seinem Fahrzeug einiges von meiner Ausrüstung, wie mir Jesus mitteilte. Ich sollte mich melden und schon einmal Rechnungen etc. für eine Übergabe heraussuchen.

Ich konnte es nicht glauben und war überglücklich! 1700 km von Teneriffa entfernt, an der Grenze zwischen Spanien und Portugal, sollte mein Equipment sein.

Am nächsten Tag erzählte mir Jesus die ganze Geschichte am Telefon und ich konnte mein Glück kaum fassen. Meine Ausrüstung war bei der Policía Nacional Extremadura in Badajoz, ich solle schon einmal für den Richter alle Unterlagen vorbereiten. Nach allem, was mir passiert war, wurde ich nun aber doch ein wenig skeptisch – nicht, dass es sich um einen Trick handelt, um die Kaufunterlagen meiner Ausrüstung zu erhalten.

Mit der Policía Nacional Extremadura konnte ich leider überhaupt nicht kommunizieren, da wir keine gemeinsame Sprache sprachen. Also musste ich mir Hilfe suchen. Der Fotograf Raico Rosenberg, der auf Teneriffa lebt und mich während all der Zeit sehr stark unterstützt hat, schaltete sich ein. Er vereinbarte einen Termin für mich, am 12. September vor Ort bei der Policía Nacional in Badajoz. Ich wusste natürlich weder, ob die beschlagnahmten Gegenstände zu meiner Ausrüstung gehörten, noch in welchem Zustand sie sich befanden und ob ich sie überhaupt so einfach würde wiederbekommen können.

Seite 1
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Radomir Jakubowski

Seine Leidenschaft gehört der Naturfotografie: Radomir Jakubowski bekam schon als Elfjähriger Vaters Pentax in die Hand gedrückt. Heute ist er als Naturfotograf renommiert und Mitglied in der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen. Sein erstes Buch ist "Die Fotoschule in Bildern. Naturfotografie". Für das fotoMAGAZIN erklärt er einige seiner Tricks.