Foodporn und Mona Lisa – Urheberrechtlich geschützte Werke als Fotomotiv

Unsere Kolumne um das Thema Fotografie & Recht
01.09.2015

Kürzlich bescherte uns die Sommerpause ein wunderbares Sommerpausenthema: Die plötzlich drohende Gefahr, für Foodporn abgemahnt zu werden.

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Marie Slowioczek ist Anwältin und hat schwerpunktmäßig mit Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes wie Marken- und Urheberrecht zu tun. Aber auch privat bleiben ihr als ambitionierter Hobbyfotografin und Moderatorin eines Onlinefotoforums die alltäglichen und speziellen Probleme des Rechts in und an der Fotografie nicht verborgen.

© Härting Rechtsanwälte

Aus einem bis dato bloß etwas lästigen Social Media Hype, Fotos seines Mittagessens bei Facebook und Twitter zu posten, wurde plötzlich ein „juristischer Drahtseilakt“.
Zu verdanken hatten wir diese Bedenken der Zeitschrift „Finanztest“, groß rausgebracht hat sie dann die Zeitung „Die Welt“. Von dort schwappte diese Meldung weit über die Grenzen der Republik hinaus und verstörte versierte Instagramer und Facebooker auf der ganzen Welt. Hintergrund der Meldung war, dass Personen, die ihre Speisen in Restaurants fotografieren und dann per Social Media in die Welt tragen, theoretisch akut von Abmahnungen bedroht seien.

Zur Begründung wurde neben dem Hausrecht des Restaurantinhabers das Urheberrecht des Kochs an seiner lukullischen Komposition ins Feld geführt.

Die tatsächliche Gefahr, nun von besonders kreativen und finanziell interessierten Köchen reihenweise abgemahnt zu werden, erscheint nüchtern betrachtet eher gering. Aber vielleicht wird es doch einmal Zeit, kurz über die andere Seite des Urheberrechts nachzudenken.

Ist es eigentlich ohne weiteres zulässig, urheberrechtlich geschützte Werke zu fotografieren?

Welche Dinge urheberrechtlichen Schutz genießen können, steht beispielhaft und nicht abschließend in § 2 des Urhebergesetzes. Darunter fallen die insbesondere für Fotografen interessanten Werkarten wie Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, Bühnen- und Tanzkunstwerke, Werke der bildenden Künste, der Baukunst und der angewandten Kunst. Wichtig ist, dass es sich um die Schöpfung eines Menschen handelt, an die zumindest eine gewisse Anforderung bezüglich der Kreativität und Kunstfertigkeit gestellt werden können. Der Jurist bezeichnet diese Anforderung als Schöpfungshöhe. Ein besonders kreativ und kunstfertig angerichtetes Mittagessen könnte diese Anforderungen erfüllen und tatsächlich als Werk der angewandten Kunst schutzfähig sein.

All diese Werke haben eins gemeinsam: Nur der Urheber oder der Inhaber einer dementsprechenden Lizenz ist berechtigt, die Werk zu vervielfältigen, d.h. Vervielfältigungsstücke herzustellen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Das Werk ist das Produkt der Kreativität des Schöpfers und er muss bestimmen können, wie es verwertet, also auch zu Geld gemacht wird. Dazu gehört ebenso die Kontrolle über die Anzahl der Werkkopien.
Eine Vervielfältigung setzt nicht voraus, dass das Werk 1 zu 1 in seiner Form wiedergegeben wird. Sie liegt schon dann vor, wenn sie geeignet ist, das Werk auf irgendeine Weise den menschlichen Sinnen unmittelbar oder mittelbar zugänglich zu machen.

Die Fotografie einer CD, auf der urheberrechtlich geschützte Musik gespeichert ist, verletzt natürlich nicht die Rechte an der Musik, weil man sie durch das Foto nicht wiedergeben kann. Die Abbildung einer gelungenen Bühnenshow, eines besonders inszenierten Feuerwerks, einer Skulptur oder einer Ballettaufführung gibt diese aber – zumindest in Ausschnitten – wieder und vervielfältigt damit das Werk.  
Der Grundsatz ist also nicht nur bei hübsch dekoriertem Essen: urheberrechtlich geschützte Werke zu fotografieren ist erst einmal keine gute Idee, weil dadurch die Rechte des Urhebers verletzt werden. Zum Glück gibt es aber eine Vielzahl von gesetzlichen Ausnahmen, die die Urheberrechte einschränken. Ein paar besonders relevante seien hier genannt:
Die wohl bekannteste Ausnahme ist die kürzlich so heiß diskutierte Panoramafreiheit. Sie erlaubt es, Werke, die dauerhaft an öffentlich zugänglichen Plätzen installiert sind, zu fotografieren und die Fotografie auch zu veröffentlichen – sogar zu kommerziellen Zwecken.

Hobbyfotografen wird es freuen, dass auch die Privatkopie eines urheberrechtlich geschützten Werkes weiterhin erlaubt ist. Sind Sie eine Privatperson und stellen Sie einzelne Vervielfältigungsstücke selbst und ausschließlich zum privaten Gebrauch her, dürfen Sie dies tun. Fotografieren Sie also in der Wohnung eines Freundes dessen Andy Warhol-Druck, ist dies von der Privatkopie gedeckt. Auch wenn Sie sich einen eigenen Abzug der Fotografie im Wohnzimmer an die Wand hängen, ist dies noch umfasst. Ihre Grenze findet die Privatkopie in der Öffentlichkeit – eine Privatkopie darf nicht öffentlich zugänglich gemacht werden, hat also bei Facebook oder auf der eigenen Webseite nichts verloren.
Eine weitere Ausnahme besteht dann, wenn das abgebildete urheberrechtlich geschützte Werk nur ein unwesentliches Beiwerk auf dem Foto darstellt. Unwesentlich ist das Werk dann, wenn es ausgetauscht werden kann, ohne die Wirkung des Fotos zu beinträchtigen. Denken Sie sich das Werk in Gedanken weg – ändert sich die Bildaussage, ist es kein unwesentliches Beiwerk und Sie dürften das Foto nur mit entsprechender Lizenz machen. Fährt Ihnen allerdings bei einem Selfie vor dem Brandenburger Tor ein LKW mit besonders kreativem, also urheberrechtlich schutzfähigen Aufdruck ins Bild, ist dieser nur unwesentliches Beiwerk und Sie können das Foto nicht nur schießen, sondern auch veröffentlichen.

Wie gerne würde ich Ihnen jetzt sagen, dass diese Ausnahmen immer und überall gelten. Das ist leider nicht so. Häufig kommt dem Fotografen das Hausrecht in die Quere. Selbst wenn dann eine Fotografie aus urheberrechtlicher Sicht zulässig wäre, kann das Fotografieren durch den Hausherren eingeschränkt oder ganz verboten werden. Dies findet man sehr häufig im Veranstaltungsbereich und in Museen, z.B. wenn auf den Eintrittskarten ein Verbot von Fotografien für kommerzielle Zwecke aufgedruckt ist. Daran müssen Sie sich in den meisten Fällen halten. Wann das so ist, erklären wir in einer weiteren Ausgabe von Fokus Fotorecht.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Härting Rechtsanwälte - Fokus Recht
Über den Autor
Härting Rechtsanwälte

Fotografen haben Rechte und manchmal auch Pflichten. Die Anwälte Marie Slowioczek und Robert Golz aus der Kanzlei Härting Rechtsanwälte erklären in ihrer Kolumne Fokus Fotorecht neue Gesetzesentwürfe, stellen populäre Irrtümer richtig und bringen Licht ins Dunkel bei Fragen rund um die Fotografie.