Fokus Fotorecht: Darf ich das Funkenmariechen fotografieren?

Reihe zum Recht am eigenen Bild, Teil 6: Fotos bei Versammlungen und Aufzügen
15.06.2016

Vom Karneval mal abgesehen, ist der Sommer traditionell die Zeit der Umzüge, Demos und Open Air Veranstaltungen. Klar, dass Fotograf da mit dabei ist und das bunte Treiben festhält. Und wie gut, wenn er dann Bescheid weiß, ob und wie er das darf.

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

© Härting Rechtsanwälte

Beim Fotografieren öffentlicher Veranstaltungen steht insbesondere das Recht am eigenen Bild der Teilnehmer im Vordergrund. Das Recht am eigenen Bild war bereits mehrfach Gegenstand unserer Kolumne, deshalb nur ganz kurz: Die Veröffentlichung und Verbreitung eines Personenfotos erfordert grundsätzlich die Einwilligung des Abgebildeten. Die ist nur dann nicht notwendig, wenn eine von vier gesetzlichen Ausnahmen greift: Wenn es Fotos aus dem Bereich der Zeitgeschichte sind, oder wenn die Person nur Beiwerk ist, das Foto große Kunst darstellt oder, und jetzt wird es spannend, wenn das Foto Versammlungen, Aufzüge und ähnliche Vorgänge zeigt, an denen die dargestellten Person teilgenommen hat.

Wofür gilt die Ausnahme?

Der Gesetzgeber hat mit der Schaffung des Einwilligungserfordernisses erkannt, dass die Aufnahme großer Menschenmengen praktisch unmöglich wird und deshalb diese Ausnahme geschaffen. Wer an öffentlichen Großveranstaltungen teilnimmt, muss also auch damit rechnen, fotografiert zu werden.
Im Gesetz spricht man von „Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen“ und das ist weit zu verstehen. Darunter fallen im Grunde alle Ansammlungen von Menschen, die den Willen haben, gemeinsam etwas zu tun. Das kann vieles sein: Demonstrationen, Karnevalsumzüge, Tagungen, Sportveranstaltungen, nicht aber zufällige Zusammenkünfte am Badestrand oder an der U-Bahnstation. Wichtig ist außerdem, dass die Veranstaltung in der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit zugänglich stattfinden, d. h. private Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Beerdigungen fallen nicht unter den Versammlungsbegriff, auch wenn sie an öffentlichen Orten stattfinden.

Gilt sie für jedes Foto?

Und die Ausnahme gilt nicht grenzenlos, immerhin schränkt sie ja das Recht am eigenen Bild ein: Es muss bei dem Foto darum gehen, die Veranstaltung als solches zu zeigen und nicht einzelne Personen hervorzuheben. Die Massenaufnahme der Läufer eines Stadtmarathons ist damit zulässig, die Betonung eines Läufers oder gar ein Portrait des Sportlers ist von der Ausnahme nicht mehr umfasst. Betrachten Sie also am besten Ihr Foto und fragen Sie sich: Habe ich den Charakter, die Stimmung, den Umfang der Versammlung fotografiert oder ist das alles auf dem Foto gar nicht zu sehen und ich habe eine einzelne Person herausgestellt? Diese Abgrenzung kann zum Teil schwierig und fließend sein.

Aber selbst, wenn die Ausnahme nicht mehr greifen sollte, müssen Sie Ihre Fotos vielleicht nicht in den Giftschrank sperren. Unter Umständen können Sie sich auf die Ausnahme des Bildnisses der Zeitgeschichte berufen. Und in ein paar Fällen braucht es sogar keine Ausnahme, weil Sie schon eine Einwilligung haben: Diese kann bekanntermaßen auf zweierlei Weise erteilt werden: Ausdrücklich, in dem der Abgebildete sagt: Ja okay, fotografiere mich und benutze das Foto für deinen Blog. Aber das dürfte bei Umzügen und Demonstrationen der absolute Ausnahmefall sein. Häufiger dürfte es vorkommen, dass einzelne Personen sogar gekonnt posieren und es darauf anlegen, fotografiert zu werden. Dann kann die Einwilligung auch stillschweigend erteilt werden. In diesem Fall sollte man aber beachten, dass es an den Umfang der Einwilligung strenge Anforderungen gibt. Was genau dazu zu beachten ist, hatten wir bereits in Teil 3 unserer Reihe berichtet.

Und ob die Ausnahmen zum Einwilligungserfordernis grenzenlos gelten oder vielleicht auch an ihre Grenzen stoßen können, besprechen wir in einer der nächsten Folgen von FokusFotorecht.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Härting Rechtsanwälte - Fokus Recht
Über den Autor
Härting Rechtsanwälte

Fotografen haben Rechte und manchmal auch Pflichten. Die Anwälte Marie Slowioczek und Robert Golz aus der Kanzlei Härting Rechtsanwälte erklären in ihrer Kolumne Fokus Fotorecht neue Gesetzesentwürfe, stellen populäre Irrtümer richtig und bringen Licht ins Dunkel bei Fragen rund um die Fotografie.