Fokus Fotorecht: 3, 2, 1 Deins – Bilder von fremden Sachen

Gibt es so etwas wie das Recht am Bild der eigenen Sache? Dem wollen wir heute auf den Grund gehen.
01.03.2016

Das Recht am eigenen Bild kennt jeder. Die Fotografie einer Person darf nicht ohne weiteres verbreitet werden. Aber wie sieht es aus mit Fotos von Hunden? Oder Autos? Oder Häusern?

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

Fokus Fotorecht - Marie Slowioczek

© Härting Rechtsanwälte

Die Frage ist eigentlich schnell beantwortet: Ein Recht am Bild der eigenen Sache gibt es nicht. Sehe ich einen niedlichen Hund auf der Straße, kann ich ihn fotografieren und das Foto auch verbreiten. Grundsätzlich. Wenn nicht … Oh je, eine typische Juristenantwort. Denn ein paar Sachen muss man schon beachten, wenn man fremde Sachen fotografiert. Ganz besonders, wenn man das Foto zu gewerblichen Zwecken verwenden will.

Schutzrechte Dritter

Manchmal sind die abgebildeten Sachen durch gewerbliche Schutzrechte, wie Designs oder Urheberrechte geschützt. Auch Marken können eine Rolle spielen. Was bei Urheberrechten Dritter zu beachten ist, hatten wir bereits in einer der letzten Ausgaben ausführlich besprochen.

Das Abfotografieren eines urheberrechtlich geschützten Werkes ist eine Vervielfältigung, die die Zustimmung des Urhebers erfordert.

Es sei denn, es greifen Ausnahmen, etwa die der Privatkopie, des Beiwerks oder der Panoramafreiheit.

Panoramafreiheit und Eigentumsrechte

Habe ich aber kein geschütztes Werk vor mir, kann ich – wenn ich mich auf öffentlichen Wegen bewege – in der Regel ungestört fotografieren. Die Einschränkungen, die für die Ausnahme der Panoramafreiheit gelten, nämlich, dass ich die Straßenperspektive nicht verlassen darf, etwa durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie Leitern und Teleobjektiven, gelten dann nicht, wenn ich kein Werk im urheberrechtlichen Sinne abbilde oder der Werkschutz vielleicht schon erloschen ist. Ich kann also das Brandenburger Tor in Berlin aus der Vogelperspektive fotografieren und die Fotos auch verkaufen, weil der Erschaffer bereits seit über 70 Jahren tot ist und das Tor somit gemeinfrei geworden ist, also keinen urheberrechtlichen Schutz mehr genießt. Gleiches gilt auch für Tante Käthes Mops und Onkel Gerhards Porsche. Teleobjektiv, Leiter, Drohne – ganz egal, solange ich mich auf öffentlichen Straßenland befinde, selbst wenn die Sache ihrerseits auf Privatgrund steht und ich etwa durch einen Zaun hindurchfotografiere.

Sehr viel anders sieht es aber aus, wenn es erforderlich ist, für die Anfertigung der Fotografie ein privates Grundstück zu betreten. Dann hat der Eigentümer oder der Betreiber ein Hausrecht, aufgrund dessen ein Fotografierverbot ausgesprochen werden kann. Ein solches findet man sehr häufig in Hausordnungen von Sportstadien und Museen aber auch in Parkordnungen. An dieses Fotografierverbot sollte man sich halten, ansonsten kann es teuer werden, ganz besonders, wenn man die Fotos kommerziell verwenden will, etwa für Postkarten oder Bildbände. In diesem Fall sollte man sich die  Einwilligung des Eigentümers auch dann unbedingt einholen, auch wenn Fotos grundsätzlich erlaubt sind. Der Bundesgerichtshof hat diesbezüglich sehr deutlich entschieden, dass der Eigentümer eines Grundstücks oder eines Gebäudes zwar kein Recht am Bild der eigenen Sache hat, die kommerzielle Ausnutzung seines Eigentums als Film- oder Fotomotiv, etwa für Postkarten oder als Filmkulisse, soll ihm aber ganz allein zustehen.

Persönlichkeitsrechte

Ehe Sie nun aber fröhlich mit der Leiter auf Fotosafari gehen, denken Sie bitte daran, dass Aufnahmen von Sachen, insbesondere von Grundstücken oder Häusern, selbst wenn deren Bewohner darauf überhaupt nicht abgebildet sind, deren Persönlichkeitsrechte beeinträchtigen können. Beispielsweise dann, wenn die Veröffentlichung der Fotos einhergeht mit der Offenlegung der Identität, der Adresse
(z. B. bei Promi-Häusern) oder der persönlichen Befindlichkeiten der Bewohner.

Auch das Innere einer Wohnung oder sonst nicht einsehbare Gärten gehören zur geschützten Privatsphäre.

Fotos vom Schlafzimmer bleiben also auch von öffentlichem Straßenland tabu, selbst wenn der Bewohner nicht da ist. Bei Autos kommt es im Übrigen darauf an, ob man ohne weiteres auf den Halter schließen kann. Das Kennzeichen reicht hierfür in der Regel für sich genommen nicht aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, fotografiert das Auto aber ohne erkennbares Kennzeichen.

Gesetzliche Fotografieverbote

Zu guter Letzt gibt es auch in Deutschland eine Handvoll gesetzlicher Fotografierverbote. So darf bei Gerichtsverhandlungen nicht fotografiert werden. Und auch das Abbilden von militärischen Anlagen sollte man lassen, wenn dadurch die innere Sicherheit oder die „Schlagkraft der Truppe“ gefährdet wird. Schlimmstenfalls landet man dafür nämlich für fünf Jahre hinter Gittern. Damit dürfte aber kaum das Spotting von Kampfflugzeugen gemeint sein, sondern Militärspionage. Und das ist etwas, was man immer einfach sein lassen sollte.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Härting Rechtsanwälte - Fokus Recht
Über den Autor
Härting Rechtsanwälte

Fotografen haben Rechte und manchmal auch Pflichten. Die Anwälte Marie Slowioczek und Robert Golz aus der Kanzlei Härting Rechtsanwälte erklären in ihrer Kolumne Fokus Fotorecht neue Gesetzesentwürfe, stellen populäre Irrtümer richtig und bringen Licht ins Dunkel bei Fragen rund um die Fotografie.