Die neue Fotoschule: Belichtung und Kontraste

29.09.2010

Die Belichtung ist die Kunst, das vorhandene Licht optimal auf Sensor oder Film zu verteilen. Mit dem nötigen Basiswissen und ein paar kleinen Tricks gelingen auch die schwierigsten Aufnahmen.

Die richtige Belichtung ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Foto. Aber was ist die richtige Belichtung? Während bei der Fotografie auf Film die Belichtung erst eine ganze Zeit nach der Aufnahme beurteilt werden kann, können Digitalfotografen sie schon während oder bei Spiegelreflexkameras unmittelbar nach der Aufnahme kontrollieren. Bei jeder Kamera lässt sich ein Histogramm  einblenden bei allen Kameras mit Live-View auch schon vor der Aufnahme.Das Histogramm zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte von rein Schwarz bis rein Weiß an. Oft hört man die Behauptung, dass die gleichmäßige Verteilung der Werte ohne Abschneiden der einen oder anderen Seite eine korrekte Belichtung anzeige. Technisch mag dies so sein in der Praxis jedoch hat man als Fotograf oft Effekte im Sinn, die der Regel widersprechen. Es lohnt sich also, sich die Grundlagen der Belichtung zu verdeutlichen und einen Blick auf das alte Zonensystem zu werfen.

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Bei hohem Motivkontrast ist das Histogramm auf beiden Seiten angeschnitten

Dynamik und Kontrast

Bei der Belichtung stehen sich zwei Seiten gegenüber: Der Motivkontrast und der realisierbare Belichtungsumfang des Sensors oder des Films. Letzteres wird auch als Dynamikumfang bezeichnet und umfasst bei guten Digitalkameras rund 9 Blendenstufen. Ist der Motivkontrast ebenso so hoch (was sich mit der Spotmessung der Kamera ermitteln lässt), so kann das Motiv perfekt belichtet werden. Ist der Kontrast jedoch höher (bei allen Gegenlicht-Aufnahmen, bei Sonnenlicht und vielen weiteren Licht-Schatten-Situationen), so muss der Fotograf sich entscheiden, welche Bereiche zusammengefasst werden. In der Praxis bedeutet dies in der Regel, dass der Fotograf auswählt, welche Bereiche des Motivs in Zone 0 und welche in Zone 10 landen und keine Zeichnung mehr aufweisen. Im Histogramm werden die entsprechenden Helligkeitswerte abgeschnitten.

Kontrastbewältigung

Der Königsweg zur Kontrastbewältigung ist die Veränderung des Motivkontrastes. Mit Blitzen oder Reflektoren werden die wichtigen Bildbereiche so aufgehellt, dass bei knapperer Belichtung keine wichtigen Bereiche in Zone 0 oder 1 landen. Das allerdings funktioniert naturgemäß nicht bei allen Motiven, sodass man unter anderem in der Natur- und Architekturfotografie andere Wege finden muss.  Eine Möglichkeit ist das Fotografieren im RAW-Modus  und damit die Erweiterung des Dynamikumfangs bei der Aufnahme mit anschließender Nachbearbeitung am Computer.Perfekt abgebildet werden Hochkontrastmotive aber nur über eine HDR-Aufnahme: Aus einer Belichtungsreihe werden die jeweils korrekt belichteten Anteile zu einem Endbild verschmolzen (siehe unten). Dies setzt jedoch voraus, dass das Motiv sich nicht bewegt oder aber man fertigt ein aufwändiges Composing an.    ml

Belichtungsmessung in der Kamera

Integralmessung
Eine Methode der Belichtungsmessung, die auf einem Mittelwert der Helligkeit im gesamten Bildfeld beruht. Meist handelt es sich um eine mittenbetonte Integralmessung, die Messwerte nahe der Bildmitte stärker berücksichtigt als solche nahe dem Rand. Die mittenbetonte Integralmessung eignet sich für alle Motive, bei denen die bildwichtigen Anteile in der Mitte sind.

Spotmessung
Bei der Spotmessung wird ein meist zentrales Messfeld zwischen 1 und 4 Prozent des Bildfelds eingesetzt. Vorsicht: Die Spotmessung setzt voraus, dass das angemessene Motiv eine mittlere Helligkeit hat; die Belichtungssteuerung wählt dann solche Werte von Verschlusszeit und Blende, so dass das angemessene Motiv wiederum mit einer mittleren Helligkeit abgebildet wird. Die Spotmessung ist ideal, um die Kontraste des Motivs auszumessen. Dunkle Bereiche werden mit hellen verglichen und so können die Unterschiede in Blendenwerten erfasst werden.

Selektivmessung
Eine Messcharakteristik der Belichtungsmessung, die der Spotmessung ähnelt, aber ein größeres, in seinem Durchmesser manchmal einstellbares Messfeld erfasst. Kann als Ersatz für die Spotmessung gewählt werden, wenn es schnell gehen soll und man nicht exakt messen will.

Mehrfeldmessung
Ein Messverfahren, das bis zu mehrere hundert über das Bild verteilte Messfelder getrennt auswertet. Das genaue Verfahren, aus dieser Vielzahl von Messwerten einen Belichtungsmesswert zu berechnen, unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Eine Mehrfeldmessung kann unter anderem den Kontrast der Szene ermitteln und die Belichtung darauf abstimmen, die Lichter- und Schattenzeichnung in gleichem Maße zu erhalten. Moderne Varianten der Mehrfeldmessung nutzen Wissen über typische Aufnahmesituationen, um den Typ der abzubildenden Szene zu erkennen. So gelingen auch schwierige Motive wie Gegenlichtaufnahmen und Schnee- oder Strandfotos allerdings kann der Fotograf das Ergebnis kaum vorhersagen.   mjh/ml

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.