Das perfekte Studio - Teil 1: Das mobile Tabletop-Studio

Perfekte Produktbilder für Ebay & Co.
12.01.2012

Verkaufsportale bei Ebay brauchen Bilder. Ob Uhren oder Spielzeug – die ideale Lösung bieten faltbare Tabletop-Studios ab 40 Euro! Blitzschnell aufgebaut und ebenso flott wieder im Speicher versteckt

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Tabletop im Wohnzimmer

Komplettes Studio im Wohnzimmer

© Heinz-Jürgen Kruppa

Was das Shopping so reizvoll macht, die Produkte anfassen und anschauen zu können, das funktioniert beim Online-Kauf leider nicht. Deshalb kommt in Verkaufsportalen wie Ebay den Bildern erhöhte Bedeutung zu. Je attraktiver dort das Produkt fotografiert ist, desto besser die Chancen auf höhere Gebote. Das klingt logisch, riecht aber nach intensiver Arbeit. Im heimischen Wohnzimmer ein gut ausgeleuchtetes Tabletop-Foto hinzubekommen, kann an den Nerven zerren. Blümchen-Tapete, Ikea-Regal oder Nussbaum-Wohnwand sind nun mal kein neutraler Bildhintergrund. Meist fehlt es am passenden Licht, ein Aufsteckblitz liefert Reflexe und harte Schatten.

Solche Probleme lösen sogenannte Lichtzelte oder Lichtwürfel (siehe Bild 1-5 in der Galerie unten). Hochtransparenter Nylonstoff sorgt in deren Inneren für sehr diffuse Lichtverhältnisse mit extrem weichen Schattenwurf. An der Rückseite dieser Mini-Faltstudios sind Klettbänder angenäht. Daran lassen sich die mitgelieferten Stoffbahnen fixieren. Sie bilden ansatzweise eine Studio-Hohlkehle im Kleinen nach. So entsteht ein umfeldunabhängiger Hintergrund. Lichtzelte sind per Regenschirm-Mechanik einfach aufspannbar. Die klein zusammengepackten Light Cubes entfalten sich von selbst durch ihren unter Spannung stehenden Rahmen, ähnlich wie Faltreflektoren. Etwas Übung erfordert das Zusammenfalten der Cubes. Im Unterschied zu den Zelten lassen sich die Cubes mit einer geschlitzten Frontabdeckung komplett schließen. Fotografiert wird durch den Schlitz. Ein echter Vorteil, wenn man eine umlaufende Lichtkante anstrebt, zum Beispiel auf Porzellan.

Das Studio am heimischen Couchtisch

Die Arbeitsersparnis, die diese Ministudios Ihnen bringen werden, ist enorm. Weder muss besagter Wohnraum für Fotozwecke umgeräumt werden, noch stört beim Ausseneinsatz auf dem Balkon oder der Terrasse unpassender Hintergrund in Form von Gebäuden oder Bäumen. Während die Lichtzelte mit 50, 60 und 75 cm Stellfläche erhältlich sind, reicht die Größenauswahl bei den Cubes von 30 bis über 200 cm. Die Maxi-Varianten eignen sich sogar für kleine Möbelstücke. Am gebräuchlichsten ist das 75 cm-Maß. Diese Größe fasst selbst Espresso-Maschinen, Laptops oder Hifi-Verstärker, andererseits genügt als Stellfläche ein Couch- oder Esstisch. Auch wer mit überwiegend kleinen Objekten wie Uhren oder Mobiltelefonen handelt, sollte die Zeltgröße nicht zu knapp kalkulieren. Je mehr Tiefe zur Verfügung steht, desto variantenreicher kann man ausleuchten.

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Produktfoto mit Tabletop

Tabletop-Aufnahme

So wird sogar die Sonne weich

Lichtzelte und -würfel sorgen nicht nur beim Lichteintritt für weiches Licht. Auch durch Mehrfachreflexionen an den weißen Innenwänden erfahren Schlagschatten eine moderate Rundumaufhellung. Selbst die harte Mittagssonne verwandeln die Faltstudios in diffuses Licht. Von ausgetüftelter Lichtführung sollte man dabei noch nicht sprechen. Derlei Fotos, die am Balkon oder im Wintergarten entstehen, zeigen ordentlich ausgeleuchtete Produkte, die gut erkennbar sind. Vielen Anwendern mag das bereits genügen. Wer unabhängig vom Tageslicht und mit mehr Gestaltungsmöglichkeiten arbeiten will, greift zu den passenden Tageslicht-Reflektorleuchten (siehe Bild 9-12 in der Galerie unten). Das sind quasi  höhenverstellbare Schreibtischleuchten am Stativ. Sie werden separat angeboten oder preisgünstig im Set mit den Lichtwürfeln, wie beim Komplettset von Proxistar. Zwei Leuchten bilden die Grundausstattung, mit der sich eine Zangenbeleuchtung (von links und rechts) realisieren lässt. Mit ihrem Frontdurchmesser von 27 cm strahlen die Alu-Reflektoren eher breit als konzentriert. Dadurch erzielt man große Leuchtflächen aus kurzen Abständen und spart Stellfläche. Leuchtmittel sind die gewendelten Tageslicht-Energiesparlampen. Die Werksbestückung mit 30 Watt entspricht etwa einer 180 Watt-Glühlampe. Zwei Leuchten bringen es auf 360 konventionelle Watt. Die Zahl sagt wenig. In der Praxis erreicht man mit ISO 400 und offener Blende 2,8 typische Belichtungszeiten um 1/30 s. Zu langsam für unverwackelte Freihandfotos. Zumal Produktbilder von vorne bis hinten scharf sein sollten. Für unser hübsches Modellauto, ein Morris Mini Cooper, der in der Länge rund 25 cm misst, reichte selbst Blende 14 nicht ganz für eine scharfe Abbildung vom Frontgrill bis zum Heck. Die entsprechende Belichtungszeit lag dann bei etwa einer Sekunde. Auch Energiesparlampen mit höheren Wattzahlen machen den Stativeinsatz nicht überflüssig. Doch der ist bei Tabletop-Fotos sowieso unabdingbar. Nur bei stativfixierter Kamera lässt sich das Objekt im Bildraum zentimetergenau arrangieren. Entscheidend bei spiegelnden Flächen. Der fotografisch schwierigste Fall sind spiegelnde Flächen mit multiaxialer Wölbung, wie in der Autofotografie.

Lichtgestaltung im Cube

Genau das haben wir probiert (siehe Bild 6-8 in der Galerie unten), um nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch Grenzen der Faltstudios zu ermitteln. Obwohl ein Modellauto klein ist, kämpft man mit den gleichen Problemen wie die Profis im Großraumstudio: Zu den erwünschten Reflexen gesellen sich stets unerwünschte an anderen Stellen. Um das zu optimieren, kann man den Standort der Leuchten verändern und die (Winkel-)Position des Autos. Ziel der Ausleuchtung ist es, eine lebendige, dreidimensionale Wirkung zu erzielen. Spiegelt sich beispielsweise in den Scheinwerfern kein Reflex, wirken sie matt und tot. Einfachste Strategie: Beginnen Sie mit klassischer Zangenbeleuchtung. Also Ausleuchtung von links und rechts im 90°-Winkel. Das liefert seitlich schöne Lichtkanten und eine dreidimensionale Wirkung zur dunkleren Mitte des Körpers. Dann können Sie experimentieren, eine Leuchte nach vorne und eine nach hinten oben oder das Objekt etwas drehen, nach hinten schieben oder nach vorne ziehen. Die Auswirkungen sind überdeutlich. Insgesamt ist hier Ihr Spieltrieb gefragt. Schwarze Cubes erzeugen weniger Reflexe und haben Vorteile bei der Fotografie von Gläsern, universeller sind die weißen. Bei unserem Automodell zeigt sich, dass man zwar sehr weit kommen kann, die Präzision und Definiertheit von Studioblitzanlagen freilich nicht erreicht wird. Das wäre auch angesichts des Preises zu viel verlangt. Schön gestaltete Produktaufnahmen, die Begehrlichkeiten wecken, gelingen allemal. Und darum geht es ja bei der Verkaufe. 

Bestelladressen
Eine große Auswahl an Equipment gibt es bei studiobedarf24.eu (Proxistar) und Foto Walser (Walimex). Interessante Varianten findet man bei www.meinfoto.de, www.venditus.de, www.kaiser-fototechnik.de, www.cf-photo-video.de, www.studio-pro.de, www.lighttent.de und www.fotobrenner.de unter der Rubrik Studiolicht.

Das sollten Sie bei Tabletop-Fotos beachten

Brennweite: Kurze Telebrenweiten von 70 bis 100 mm (bez. auf KB) sind optimal.

Zeitautomatik: Mit Blendenvorwahl lassen sich bequem Blendenreihen erstellen.

Belichtungszeit: Abgeblendet fallen lange Zeiten an. Ohne Stativ geht es nicht. Benutzen Sie dennoch den Selbstauslöser. Viele Kameras bieten die Option für kurze Verzögerung von etwa 2 s.

Schärfentiefe: Produkte sollten von vorn bis hinten scharf abgebildet sein. Im Nahbereich klappt das selbst mit Blende 16 nicht immer. Fokussieren Sie dann nicht auf die Frontlinie sondern etwas dahinter (1/3 zu 2/3) mit Single-AF. Vorne muss das Produkt knackscharf sein.

Iso-Zahl: Für Abbildungen im Web sind ISO-Werte um 800 (1600 bei guten Kameras) okay.

PC-Kontrolle: Wenn Sie zuhause fotografieren, ist der PC nicht weit. Kontrollieren Sie Ihre Fotos während des Shootings am PC-Monitor ohne den Tabletop-Aufbau zu verändern. Das erleichtert Nachkorrekturen.

Dieser Artikel erschien im fotoMAGAZIN 4/2011.

Lesen Sie die weiteren Artikel aus unserer 6-teiligen Serie "Das perfekte Studio":

Teil 2: Kleine Blitz-Studios für Minibudgets
Teil 3: Das ausbaufähige Studio für Ganzkörper und Akt
Teil 4: Das Semi-Profi-Studio mit Power-Licht
Teil 5: Präzises Luxuslicht für Fashion- und Spezialeffekte
Teil 6: Outdoor-Blitzen mit Akkupower

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Heinz-Jürgen Kruppa