orlov_breath_in_4x5_daguerreotypie_6_2020.jpg

Daguerreotype Anton Orlov Photo Palace
Eine Daguerreotypie ist durchaus in der Lage, ein Farbspiel zu erzeugen.
Foto: © 2019 Anton Orlov/ www.thephotopalace.blogspot.com

Alte Fototechniken für neue Bilder

Fotohistorie
21.06.2021

Wie mit Hilfe des uralten Daguerreotypie-Fotoprozesses heute kunstvolle Farbbilder entstehen.

orlov_daguerreotypie_technik_2.jpg

Daguerreotype Anton Orlov Photo Palace

Space Explorer

Foto: © 2019 Anton Orlov/ www.thephotopalace.blogspot.com

Man könnte ja behaupten, gewisse Fototechniken aus den Anfängen der Fotografie seien mit der technologischen Weiterentwicklung sinnlos geworden und fast schon verschwunden. Doch so manche alte Schwarzweißtechnik bietet heute tatsächlich noch Potenzial für Weiterentwicklungen. Sogar beim ältesten Fotoprozess der Welt von 1839: Der Daguerreotypie. Traditionell wird hier eine spiegelglatt polierte, versilberte Kupferplatte mit Brom und Iod bedampft und in Quecksilberdämpfen entwickelt. Wenigen ist bis heute bewusst, dass eine Daguerreotypie durchaus in der Lage ist, ein Farbspiel zu erzeugen. Diese Interferenzen gleichen einer Lichtreflektion auf der Oberfläche von geschliffenen Diamanten. Erst 2017 schrieb der Amerikaner Mike Robinson seine Doktorarbeit über die Techniken und Materialästhetik der Daguerreotypie. Hier wies er nach, dass das unterschiedliche Erscheinungsbild von Daguerreotypien eine Folge verschiedener chemischer Entwicklungsprozesse ist. Je nach Menge und Verhältnis der Brom-/Iod-Dämpfe kommt es in einem Nebeneffekt zu unterschiedlichen Farbtönungen. Die Daguerreotypie war niemals eine „schwarzweiße“ Fotografie. Was in vielen Fotogeschichtsbüchern allenfalls beiläufig beschrieben wird, ist tatsächlich viel nuancenreicher und komplexer. Louis Daguerres Originalformel war bereits kurze Zeit nach ihrer Publikation im Herbst 1839 überholt. Die Kameratechnik und -optik machten Fortschritte. Der französische Physiker Edmond Becquerel entwickelte beispielsweise bereits 1840 eine Entwicklungsmethode ohne Quecksilberdämpfe. Erfolg hatte diese jedoch erst in der Kunstfotografie der neueren Zeit, in der man sich der Gesundheitsschädlichkeit des Quecksilbers bewusst ist.

Dass eine Daguerreotypie Licht brechen und so Farben darstellen kann, nutzt heute der umtriebige Fotokünstler Anton Orlov aus San Diego. Dieser überraschte Ende 2019 mit farbigen Daguerreotypien – abstrakte kleine Kunstwerke, die die Möglichkeiten der verschiedenen Daguerre-Prozesse zeigen. Durch die natürlichen Interferenzen, die etwa bei einer Solarisation entstehen, kann das Verfahren verschiedene farbige Lichtreflektionen festhalten. Orlov will das Geheimnis der Herstellung seiner Unikate nicht preisgeben. Soviel ist jedoch klar: Er beschichtet die versilberten Kupferplatten mehrfach mit neuen Rezepturen und belichtet sie erneut. Er kombiniert sie solange, bis er mit dem Resultat zufrieden ist.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
peter.michels

Bei Peter Michels liegt das Schreiben und Unterrichten rund um die Fotografie in der DNA. Er unterrichtet Kamerabau, historische Fotoprozesse und Analogfotografie. Ihm ist es zu verdanken, dass in der Schweiz Analogfotografie als schützenswertes Handwerk definiert wurde. Als Kurator konzipierte er die Werkschau PHOTO an den Standorten Zürich und München.