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World Press Photo des Jahres 2020 von Yasuyoshi Chiba
© Yasuyoshi Chiba, Japan, Agence France-Presse

Yasuyoshi Chiba gewinnt World Press Photo des Jahres 2020

Romain Laurendeau gewinnt World Press Photo Story
16.04.2020

Jährlich ehrt der World Press Photo Contest Bilder, die Ereignisse von großer journalistischer Bedeutung festhalten. Heute wurden die Gewinner für ihre herausragenden Fotos ausgezeichnet.

Ende Februar wurden die Finalisten bekannt gegeben, nun stehen die 44 Sieger fest. Heute, am 16. April, wurden die Gewinner des 63. World Press Photo Wettbewerbs bekannt gegeben. Eigentlich hätte die Preisübergabe im Rahmen des World Press Photo Festivals stattgefunden, doch dieses ist aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. Stattdessen wurden nun der Gewinner des World Press Photo des Jahres, der der World Press Photo Story des Jahres sowie die Erstplatzierten aller acht Kategorien des Wettbewerbs online ausgezeichnet. Die Wettbewerbsjury hatte diesmal unter knapp 74.000 Bilder von über 4.000 Fotografen eine Auswahl zu treffen.

Gewinner World Press Photo

Die Auszeichnung World Press Photo 2020 und damit auch ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro erhielt Yasuyoshi Chiba mit seinem Bild "Aufrechte Stimme". Dieses zeigt einen jungen Mann – angestrahlt von Handy-Lichtern. Er rezitiert ein Gedicht während eines Stromausfalls am 19. Juni in Khartoum (Sudan). Gleichzeitig fordern die Demonstranten mit ihren Parolen die Herrschaft des Volkes. "In diesem Moment fand der einzige friedliche Protest statt, dem ich während meines Aufenthalts begegnet bin. Ihre starke Solidarität fühlte sich an wie eine Glut vor dem Entflammen", erinnert sich Chiba, Cheffotograf der Agence France-Presse (AFP) im Bereich Ostafrika und Indischer Ozean. Nach Fotostudium an der Musashino Art University in Tokio, begann er als Fotograf für das japanische Medienunternehmen Asahi Shimbun zu arbeiten. 2007 zog es Chiba dann als freiberuflichen Fotografen nach Kenia und 2011 wechselte er in Brasilien zur AFP. Heute lebt er wieder in Kenia, in Nairobi.

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Sieger World Press Photo of the Year 2020

Die Proteste im Sudan begannen im Dezember 2018 und im April 2019 forderten die Demonstranten das Ende der 30-jährigen Herrschaft von Diktator Omar al-Bashir. Kurze Zeit später erfolgte zwar ein Militärputsch, doch die Proteste hielten an – Rufe nach einer Zivilherrschaft wurden laut. Regierungstruppen eröffneten das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten und schalteten später sogar Strom und Internet ab. Doch der Widerstand ging weiter. Am 17. August 2019 dann der Erfolg der Demonstranten: Die Unterzeichnung eines gemeinsames Abkommens zur Machtaufteilung.

© Yasuyoshi Chiba, Japan, Agence France-Presse

Die Jury über das Gewinner-Bild

Lekgetho Makola Leiter des Market Photo Workshop in Johannesburg und Vorsitzender der Jury betont mit Blick auf das Gewinnerfoto: „Gerade in der heutigen Zeit, in der oft Gewalt und Konflikte an der Tagesordnung sind, ist es wichtig, dass wir ein Bild auszeichnen, das die Menschen inspiriert.” Auf der Aufnahme ist eine junge Person zu sehen, die nicht schießt, keinen Stein wirft, sondern ein Gedicht rezitiert. So wird laut Makola ein Gefühl der Hoffnung zum Ausdruck gebracht. Chris McGrath, Fotograf für Getty Images und Jurymitglied ergänzt: „Es war einfach ein wirklich schönes, ruhiges Foto, das stellvertretend für alle Aufstände in der Welt steht, die von Menschen initiiert werden, die aktiv den Wandel suchen."

Gewinner World Press Photo-Reportage

2019 hat die World Press Photo Foundation ihren Wettbewerb um die Auszeichnung "World Press Photo Story of the Year" erweitert. Mit diesem Preis sollen Fotografen ausgezeichnet werden, deren visuelle Kreativität zu einer herausragenden Reportage führte. In diesem Jahr gewinnt "Kho, Usprung einer Revolte" von Romain Laurendeau die Auszeichnung und damit ebenfalls 10.000 Euro Preisgeld. Kho bedeutet im umgangssprachlichen nordafrikanischen Arabisch „Bruder“. Die Serie handelt von der Entstehung einer Revolte. Es ist die Geschichte des tiefen Unbehagens der Jugend. Diese hat es gewagt, die Autorität herauszufordern und so den Rest der Bevölkerung inspiriert, sich der Aktion anzuschließen. Es entstand die seit Jahrzehnten größte Protestbewegung Algeriens. Laurendeau erzählt: „Für einen Teil von mir war es unmöglich, mich in diesen jungen Leuten nicht wiederzuerkennen. Sie sind jung, aber sie haben diese Situation satt und wollen einfach wie alle anderen leben.“

Photo Story "Kho, Ursprung einer Revolte"

Laurendeau (Frankreich) hat als professioneller Fotograf in Frankreich, Senegal, Algerien, palästinensischen Gebieten und Israel an Langzeitprojekten gearbeitet. Doch wurde bei ihm Keratokonus diagnostiziert, eine fortschreitende Augenkrankheit, die zu einer Ausdünnung und Verformung der Hornhaut führt. Nach einer Hornhauttransplantation im Jahr 2009 entschloss er sich, ausgiebig zu reisen, um das menschliche Befinden in all seinen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ausprägungen zu dokumentieren.
Lucy Conticello, vom „M Magazine, Le Monde“ und Jurymitglied, betont mit Blick auf Laurendeaus Bilder: „Ich denke, das Maß an Engagement, das dieser Fotograf gezeigt hat, und die Verbindung und Intimität mit den Menschen sind deutlich erkennbar geworden.“

Sieger der einzelnen Kategorien

In acht Kategorien wurden jeweils ein Einzelbild und eine Bildreportage ausgezeichnet.

Kategoriesieger World Press Photo Contest

Ausstellungen verschoben

Eigentlich sollten die ausgezeichneten WPP-Fotografien nach dem Start in der De Nieuwe Kerk in Amsterdam für 12 Monate auf eine weltweite Ausstellungstournee geschickt werden. Aus Sicherheitsgründen im Zusammenhang mit COVID-19 wurden die Eröffnung und weitere Ausstellungen allerdings bereits verschoben. Neue Termine wird die World Press Photo Foundation aber in Kürze hier bekanntgeben. Auch in diesem Jahr werden die Gewinnerfotos in einem Jahrbuch veröffentlicht – eine gute Alternative zu den aktuell nicht stattfindenden Ausstellungen.

Da die internationale Foto-Community derzeit mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hat, hat die World Press Photo Foundation auf ihrer Website Informationen zusammengetragen, die visuelle arbeitenden Journalisten bei ihrer Krisenberichterstattung helfen sollen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.