aufmacher_wildlife_2019.jpg

Wildlife Photographer of the Year 2019, Grauwal
© Thomas P Peschak / Wildlife Photographer of the Year

Vorgeschmack: Wildlife Photographer of the Year 2019

Natur im Fokus
12.09.2019

Am 15. Oktober werden die Gewinner des „Wildlife Photographer of the Year“ 2019 bekanntgegeben. Diese Woche hat das Londoner Natural History Museum bereits die „Highly Commended“ Bildern vorgestellt, aus denen wir hier einige zeigen.

c_thomas_p_peschak_-_wildlife_photographer_of_the_year.jpg

Wildlife Photographer of the Year 2019, Grauwal

Hier ist es der Grauwal, der mit dem Menschen auf Tuchfühlung geht.

© Thomas P Peschak / Wildlife Photographer of the Year

Ein neugieriger junger Grauwal nähert sich einem Paar Händen, die von einem Touristenboot aus ins Wasser greifen. In der Lagune von San Ignacio an der Küste der mexikanischen Baja California suchen Grauwal-Babys und ihre Mütter aktiv den Kontakt zu Menschen. Die Lagune ist eine von drei, die eine Grauwal-Kinderstube und ein Schutzgebiet umfasst – ein wichtiger Rückzugsort für die Ostpazifischen-Grauwale. Bis zum 17. Jahrhundert gab es Grauwale noch in drei großen Verbreitungsgebieten: im Nordatlantik, im westlichen und im östlichen Nordpazifik. Heute existieren vor allem aufgrund des Walfangs nur noch die Vorkommen im Pazifik. Der Bestand des Nordatlantischen-Grauwals wurde bereits ausgelöscht.

Interaktion mit dem Menschen

In SanIgnacio hatten die Fischer lange Zeit Angst vor den Walen, denn diese galten als aggressiv gegenüber Booten. Was angesichts der Verfolgung durch den Menschen kaum zu überraschen vermag. Doch dann kam in den 1970er Jahren ein junger Wal einem Fischer nahe, als dieser es wagte, die Hand nach dem Tier auszustrecken. Nichts Schlimmes passierte. Seitdem ist das Vertrauen zwischen Walen und Menschen wieder gewachsen. Heute regen viele der Weibchen ihre Kälber aktiv zu einer Interaktion mit den Menschen an. So leben die Fischer im Winter auch von der Walbeobachtung. Dies ist vor allem mit Blick auf die abnehmende Fischpopulation und damit auch auf die zurückgehenden Fangmengen ein wesentlicher Punkt. In der Lagune von San Ignacio, die zum Weltkulturerbe gehört, wird die Walbeobachtung sorgfältig von der Gemeinde verwaltet – eine begrenzte Anzahl an Booten, kein Winterangeln und Interaktion nur, wenn die Wale dies wünschen. Erst vor ein paar Jahren hat die Gemeinde mit internationaler Unterstützung einen langen Kampf gewonnen: Ein Weltunternehmen wurde daran gehindert, eine Salzfabrik in der Lagune zu errichten. Für Thomas Peschak, einen erfahrenen Meeresfotografen und Biologen, war dieser Wal eine Premiere, der seine Streicheleinheiten selbst einforderte und ihm dabei so nahe kam. In diesem Schutzgebiet haben die wilden Tiere das Sagen.

c_adrian_hirschi_-_wildlife_photographer_of_the_year.jpg

Wildlife Photographer of the Year 2019, Flusspferd-Drama in Zimbabwe

Kindesmord ist bei Flusspferden zwar selten, kann aber auf den Stress zurückzuführen sein, der durch Überfüllung entsteht, wenn die Ruhepools austrocknen. Adrian Hirschis schnelle Reaktion fing das schockierende Drama ein.

© Adrian Hirschi / Wildlife Photographer of the Year

Emotionale Bilder

Das Bild nahm Peschak mit der Nikon D3S in einem speziellen Unterwassergehäuse von Subal auf und reichte es im Rahmen eines Wettbewerbs ein. Der „Wildlife Photographer of the Year“ wird jährlich vom Londoner Natural History Museum entwickelt und produziert. Dieser Wettbewerb zeigt Naturfotografie und Fotojournalismus auf höchstem Niveau. Neben dem Foto von Peschak finden sich bei den „Highly Commended“ Bildern noch weitere faszinierende und emotionale Aufnahmen: Etwa eine schlafende Robbe, ein „Zombie-Käfer“, eine tragische Schildkröte, eine Art Unterwasser-Wald in einem Schweizer See, das Zusammentreffen zwischen einem Gepard und einem Rudel Wildhunde, eine Raupe im Kokon sowie ein Waschbär in einem verlassenen Auto.

c_minghui_yuan-_wildlife_photographer_of_the_year.jpg

Wildlife Photographer of the Year 2019, Verpuppung einer Raupe im Kokonkäfig

Minghui Yuan stand mit dem Gesicht und der Kamera an der Wand der Toilette und konzentrierte sich auf den bemerkenswerten Kokon einer Cynamoth-Puppe. Ein typischerer Ort wäre ein Baumstamm oder ein Stein gewesen, aber diese Raupe hatte eine Mauer gewählt.

© Minghui Yuan / Wildlife Photographer of the Year

Zum Nachdenken anregen

Welches der eingereichten Bilder schließlich als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgeht, entscheidet eine Jury anhand der Kriterien Kreativität, Originalität und technische Qualität. Die Gesamtsieger werden dann am 15. Oktober im Rahmen einer Preisverleihung bekanntgegeben. Die zugehörige Ausstellung mit 100 Bildern öffnet am 18. Oktober im Natural History Museum in London ihre Türen. Bis zum 31. Mai 2020 können dort die Werke der Fotografen bestaunt werden. Anschließend geht die Ausstellung auf britische und internationale Tournee. Dr. Tim Littlewood, Wissenschaftsdirektor am Natural History Museum und Mitglied der Jury, erklärt: „Die Fotografie ist in der Lage, Gespräche, Diskussionen und sogar Aktionen zu inszenieren. Wir hoffen, dass die diesjährige Ausstellung die Menschen dazu bringt, anders über unseren Planeten und über unseren Beitrag zu dessen Zukunftsperspektive nachzudenken.“

Ab dem 21.Oktober können Interessenten ihre Beiträge für den Wettbewerb 2020 einreichen (bis zum 12. Dezember). Teilnehmen können Fotografen aller Altersgruppen.

Auswahl aus den "Highly Commended" Bildern

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.