Sonnenspuren

15.07.2010

Drei Monate lang standen die unspektakulären Lochbildkameras in der britischen Landschaft. 450 Stück sollten vom 20 März bis 20. Juni im Süden Bristols den Lauf der Sonne aufzeichnen. Als der Fotokünstler Justin Quinnell jetzt die Pinhole-Kästen seines neuen Großprojektes einsammelte, erlebte er so manche böse Überraschung.

Die meisten Kästen waren einfach weg. Verschwunden. Geklaut. Von den 450 in Bristol verteilten  Kameras fanden Justin Quinell und seine Helfer jetzt 115 wieder. Am Ende hatte der Brite immerhin knapp 100 brauchbare Bilder für sein Sunrise-Projekt.

Jede Menge dieser Kameras hatte man offensichtlich einfach mit nach Hause genommen (Schulkinder ejj!), andere Aufsteller haben schlichtweg vergessen, wo sie ihre Kameras vor einem Vierteljahr deponiert hatten, erzählt der Fotokünstler, der die Welt bereits mit der Organisation des World Pinhole Day bereichert hat.

In einem Fall hatten die Eltern des kunstinteressierten Jugendlichen versagt und die seltsame Kamera (im Garten?) kurzerhand weggeworfen. Sie dachten, hier treibe jemand einen seltsamen Scherz mit ihnen.

Jene Langzeitaufnahmen, die Quinnell nun verwerten kann, mögen für das ungeübte Auge zunächst etwas exotisch erschienen. Auf der oberen Bildhälfte finden wir hier unzählige Lichtspuren wie nächtens in einer befahrenen Kurve der Autobahn. Die Fotos wirken flau und verwaschen wie eine alte Jeans. Wir sehen hier den  täglichen  Verlauf der Sonne am Horiziont. Mit diesen Aufnahmen gestaltet der Brite ein Fotobuch, das im September erscheinen wird.
Gleichzeitig bereitet Quinnell bereits sein nächstes Großprojekt vor. Demnächst setzt er die nächste Kamerageneration aus. Seine Pinhole-Kästen werden diesmal vier Jahre lang belichten. Die Briten sollten sich langsam mit dem Anblick der Quinnell-Kameras vertraut machen, damit nicht erneut ein Großteil versehentlich entsorgt wird. maz

Infos: www.pinholephotography.org

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.