Wie werde ich berühmt, Klaus Kehrer?

22.01.2014

So werden talentierte Fotografen entdeckt: Manfred Zollner befragte Klaus Kehrer, Verleger, Kehrer Verlag Heidelberg.

klauskehrerportrait.jpg

© Klaus Kehrer

fotoMAGAZIN: Welche Kriterien haben Sie bei der Wahl eines Fotografen für ein Buchprojekt?
Klaus Kehrer: Zunächst entscheidend ist natürlich die grundsätzliche Qualität der Fotografie. Gleichwohl achten wir auf ein möglichst ausgewogenes Portfolio, also auf die Zusammensetzung des Programms hinsichtlich der eher klassischen Fotografie, der eher avancierten Fotografengeneration und hinsichtlich des Aufbaus der Karrieren jüngerer Fotografinnen und Fotografen. Wichtig ist uns auch, dass wir nicht nur die pure Fotografie, sondern auch sehr konzeptuelle bis experimentelle Fotografie im Programm haben.
 
fM: Über welche Wege finden Sie Fotografen?
Kehrer: Die Kontakte kommen auf unterschiedlichste Weise zustande. Reviews zur Entdeckung von Nachwuchsfotografen, Festivals zur in der Bandbreite recht offenen Kontaktchance, Prüfung unaufgefordert eingereichter Projektvorschläge im Verlag, nicht selten aber auch Empfehlungen anderer Fotografen oder Kuratoren, die schließlich zum engen Kontakt und zur Publikation führen.

fM: Kann und sollte man sich bei Ihnen direkt bewerben und wenn ja: wie?
Kehrer: Sicherlich kann man sich gern direkt bewerben. Die Formfrage lässt sich allerdings nicht ganz allgemein beantworten. Da bei uns Stapel von Dummies eingehen, bevorzugen wir im Allgemeinen digitale Einsendungen in Form von PDF per E-Mail oder zum Download. Manche Projekte muss man allerdings unbedingt als Maquette vor sich haben, um wesentliche Gestaltungselemente zu erfassen und beurteilen zu können. Da fragt man dann nach, ob eine gedruckte und gebundene Vorabversion verfügbar ist. Wichtig ist, dass biographische und Ausstellungsinformationen (soweit bereits vorhanden) mitgeliefert werden, gerne auch ein Link zur Website, da Websites meist Aufschluss über parallele Projekte und die bisherige Arbeit geben. Die Faustregel ist daher: möglichst digital und nicht zu umfangreich. Ausnahmen bestätigen jedoch wie immer und oben ausgeführt die Regel. Am Rande sei erwähnt, dass wir sehr viele Einsendungen zu bewältigen haben und daher etwas Geduld gefragt ist. Verzögerungen bei der Bearbeitung sind belastungsbedingt und keinesfalls ein Zeichen von Arroganz.

 

alisaresnik4.jpg

deren Bildband One Another im Herbst bei Kehrer erscheint

fM: Wie oft kommt es vor, dass Sie Leute auswählen, die sich bei Ihnen beworben haben? Ist der üblichere Weg eher, dass Sie die Leute selbst irgendwo entdecken?
Kehrer: Ich würde sagen, tendenziell kommen die Projekte eher auf uns zu. Mehrheitlich wählen wir aus freien Einsendungen oder aus Einsendungen nach Kontakt auf Festivals etc. aus. Aber nicht selten fällt mir oder jemandem aus dem Verlags-team eine Arbeit auf, so dass wir von uns aus den Kontakt suchen. Beides ist also der Fall bei uns im Verlag.

fM: Welchen Tipp haben Sie für junge Fotografen, die heute den Weg in die Öffentlichkeit suchen?
Kehrer: Aufgrund der unglaublichen Anzahl an Projektvorschlägen kann es nur hilfreich sein, wenn ein junger Fotograf nicht einfach nur wartet, bis jemand aus der Szene auf ihn zukommt. Wenngleich ich kein Freund allzu marketingorientierter Künstler bin, sollte ich doch dazu raten, möglichst großes Engagement mitzubringen und sich so rege wie möglich zu zeigen. Das heißt: Aktiv auf potenzielle Partner zuzugehen, auf den einschlägigen Festivals Kontakte zu knüpfen und durchaus auch gezielt auf Wunschpartner zuzugehen. Das betrifft nicht nur den Verlag, sondern selbstverständlich auch die ausstellenden Institutionen und Galerien sowie die einschlägigen Journalisten; denn eine Karriere fußt aus meiner Sicht fast immer auf einer guten Zusammenarbeit zwischen Verlag, den Medien und den ausstellenden Institutionen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.