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Thomas Kretschmann
Hollywood-Star Thomas Kretschmann arbeitet für seine Unterwasser-Sessions mit einer Leica SL2.
© Thomas Kretschmann

Thomas Kretschmann – Die Muse im Pool

Unterwasser-Sessions
09.03.2021

Der Hollywood-Star Thomas Kretschmann zeigt exklusiv seine Fotokunst.

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Thomas Kretschmann Portfolio

Thomas Kretschmann und seine Freundin Brittany sind beide ehemalige Leistungssportler, die sich im Wasser zu Hause fühlen.

© Thomas Kretschmann

Am Anfang war da dieses weiße Kleid mit den Spaghetti-Trägern und der Pool vor seiner Villa in Los Angeles. Thomas Kretschmanns attraktive Freundin Brittany lässt sich Unterwasser in diesem dünnen Kleidchen treiben und der Schauspieler folgt ihren Bewegungen und Posen mit seiner Leica SL2. Er beobachtet, wie der Stoff jetzt am Körper klebt und sich während dieser performance-artigen Foto-Session wieder löst. Wie einst ein Maler der Renaissance die Textur und die Lichtreflexe am Lendenschurz Jesu auf seine Leinwand pinselte, so fokussiert der Fotograf nun seine Kamera auf den Moment, an dem die tauchende Muse, der wallende Stoff und eine Geste in einem intensiven stimmigen Moment Bild werden. Kretschmanns Fotoserie „Muse“ ist voll mit diesen intensiven, treibenden Momenten, in denen die Zeit gefriert. „Ist es nicht immer viel interessanter, was sich in einem Bild andeutet, aber nie klar sichtbar wird?“, fragt er jetzt. Sicher, Eleganz, Schönheit und Weiblichkeit finden sich reichlich in all diesen Momenten, die jedoch zugleich von einer finstren Lichtstimmung gebrochen werden.

Mit meiner Fotografie bin ich viel obsessiver
als bei der Schauspielerei.

Längst geht es hier um mehr als ein Stück Stoff im Wasser. In Kretschmanns Bildern wartet keine gephotoshopte, perfekt ausgeleuchtete Glamourzone auf uns. Hier droht die ganz reale Dämmerung mit der nahen Dunkelheit. Am späten Nachmittag ist zum Zeitpunkt der Aufnahme meist Kaliforniens Sonne aus der Wasserwelt am Pool verschwunden. Das farbenprächtige Lichterfunkeln am Bodenbecken zieht sich zurück und es erscheint eine mysteriös finstre Welt. Der Raum präsentiert sich in Kretschmanns „Muse“-Serie als keine gestylte Beckenzone, sondern als grenzenlos abstrahierter „Weltraum“, in dem der Körper im Schwebezustand festgehalten wird.

Dem Betrachter erscheinen diese stark angeschnittenen Momente des Loslassens im Wasser wie dramatisch zugespitzte Zustände des menschlichen Seins. „Für mich ist das im Moment der Aufnahme wie ein spontanes Ballett, bei dem sich die Figur krümmt, Körper, Kleid und Haare zusammenwirken“, sagt der 58-jährige Deutsche. 

Als Schauspieler ist Thomas Kretschmann („Der Pianist“, „King Kong“) seit vielen Jahren international erfolgreich. Gefühlt habe er schon immer fotografiert, nur lange mit schlechtem Handwerkszeug, erzählt der Filmstar, der heute vorzugsweise mit einer Leica M, einer Q2 und der SL2 arbeitet. Bereits vor 20 Jahren machte er während der Drehpausen an den Sets seiner Filme Aufnahmen. Und entdeckte dabei, dass ihm das Medium eine unabhängige künstlerische Ausdrucksform bietet. „Wenn ich fotografiere, kann ich machen, was ich will. Mit meiner Fotografie bin ich viel obsessiver als bei der Schauspielerei. Sie interessiert mich heute mehr als alles andere.“

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Thomas Kretschmann Portfolio
© Thomas Kretschmann

Im Corona-Jahr ist in Hollywood das Filmen ohnehin zum Stillstand gekommen und Kretschmann arbeitet derzeit parallel an drei Fotoserien. Zu den „Muse“-Bildern hat der ehemalige Schwimmer einen ganz besonderen Bezug. „Der Pool ist für mich der Mittelpunkt meines Hauses“, erklärt er. „Ich kann in einem Foto mehr erzählen als sonst in einem ganzen Film. Es ist mir dabei wichtig, dass der Betrachter seine eigene Geschichte, seine Gefühle und seine Leidenschaft einbringt.“

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.