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Siegerbilder Wildlife Photographer of the Year 2016: Aufmacher
© Audun Rikardsen / Wildlife Photographer of the Year

Siegerbilder: Wildlife Photographer of the Year 2016

Wilde Welt
20.02.2017

Die Siegerbilder des „Wildlife Photographer of the Year 2016“ zeigen diesmal eine starke Tendenz zu dramatischen Inszenierungen der Begegnungen mit der Tierwelt

 

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Wildlife Photographer of the Year 2016: Audun Rikardsen

FINALIST DES „WILDLIFE PHOTOJOURNALIST AWARD (EINZELBILD)“: AUDUN RIKARDSEN (NORWEGEN)
Killerwal unter einem Fischkutter, der ein Netz voller Heringe in einen Fjord bei Tromsø (Nordnorwegen) schleppte

© Audun Rikardsen/ Wildlife Photographer of the Year

Natur und Kultur gehören zusammen. Kaum jemand weiß das besser als der norwegische Fotograf und Meeresbiologe Audun Rikardsen. Seit langem interessiert sich dieser für das komplexe Zusammenspiel von Tieren und Menschen. Gerade in den kargen Fjorden seines Heimatlandes treibt diese Kooperation ungewöhnliche Blüten. So etwa bei der heimlichen Teamarbeit zwischen norwegischen Fischern und den letzten Killerwalen im Eismeer: Auf der Suche nach den besten Heringsbeständen orientieren sich die Seeleute einerseits an den Jagdrevieren der hungrigen Meeressäuger. Und die wiederum dienen sich den großen Kuttern als stille Helfer an. Die Hoffnung auf Abfall und Beifang macht sie zu hilfsbereiten Gefährten. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Doch wie, so fragte sich der Fotograf Rikardsen, ließe sich diese Symbiose in ein spannendes und zudem aussagekräftiges Bild übersetzen?

Er platzierte seine Canon 5D Mark III in einem Unterwassergehäuse und belichtete in einer 1/200 Sekunde eine Szenerie, die halb im Wasser und halb in der frischen Meeresbriese darüber angesiedelt war

Für eine Reportage über die letzten Fischer Nordnorwegens kam er auf eine ungewöhnliche Idee: Er platzierte seine Canon 5D Mark III in einem Unterwassergehäuse und belichtete in einer 1/200 Sekunde eine Szenerie, die halb im Wasser und halb in der frischen Meeresbriese darüber angesiedelt war. Während in der oberen Bildhälfte das hektische Treiben von Fischern und Möwen zu begutachten ist, zieht in der unteren Hälfte ein riesiger Walfisch verspielt seine Kreise. Diese atemberaubende Aufnahme beeindruckte die Jury des diesjährigen Wettbewerbs zum „Wildlife Photographer of the Year 2016“ so sehr, dass sie Audun Rikardsen unter die Finalisten in der Kategorie „Fotojournalistische Einzelbilder“ wählten. Ende Oktober wurden schließlich die Wildlife-Fotos des Jahres gekürt.

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Wildlife Photographer of the Year 2016: Agorastos Papatsanis

FINALIST DER KATEGORIE „SCHWARZWEISS“: AGORASTOS PAPATSANIS (GRIECHENLAND)
Der Wildlifer hat sich auf die Pilzfotografie spezialisiert und lichtete hier mit selektivem Fokus einen griechischen „Zauberwald“ ab

© Agorastos Papatsanis/ Wildlife Photographer of the Year

Eine sicherlich nicht einfache Entscheidung. Schließlich waren es in diesem Jahr 50.000 Profis und Amateure aus 95 Ländern, die ihre Beiträge an die Jury aus Fotografen, Journalisten und Zoologen geschickt hatten. Der jährlich von dem Londoner Natural History Museum ausgeschriebene Award ist seit 52 Jahren trotz aller medialer Umbrüche ein Garant für höchste Qualität in der Wildlife-Fotografie. In dreizehn Kategorien – von „Vögel“ über „Unterwasser“ bis zu „Landschaft“ – zeugen die Gewinnerbilder, die alljährlich in einer vielbeachteten Wanderausstellung gezeigt werden, nicht nur von der ästhetischen Bandbreite in der gegenwärtigen Naturfotografie. Sie weisen auch auf die zahlreichen Gefährdungen hin, denen Flora und Fauna seit Jahren ausgesetzt sind. Da kommt eine Aufnahme wie die von Rikardsen gerade richtig. Denn wie kaum ein zweiter Wettbewerbsbeitrag zeigt das symbolische Foto des Norwegers, dass Mensch und Tier in Zukunft nur im Miteinander überleben werden.

 

 

Weitere Siegerfotos des „Wildlife Photographer of the Year“- Wettbewerbs finden Sie auf der Website des Natural History Museums.

Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 01/2017 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.