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Portfolio Renée Jacobs
© Renée Jacobs

Renée Jacobs – Intimer Rahmen

Polaroids
29.04.2021

Die Amerikanerin Renée Jacobs zeigt uns die Sexualität der Frau als sinnliche Inszenierungen individueller Sehnsüchte. In ihrem neuen Bildband kombiniert sie Ästhetik der Polaroid-Sofortbilder mit dem emotionalen Lust-Spiel ihrer Aktfotografie.

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Portfolio Renée Jacobs
© Renée Jacobs

Fünfzehn Jahre lang hat sich Renée Jacobs als Anwältin vor Gericht für Bürgerrechte eingesetzt. Dann verwirklichte sich die Amerikanerin 2006 einen lang gehegten Traum und wurde Fotografin. Sehr schnell entdeckte sie jetzt, dass es draußen in der Welt mit der Kamera wesentlich mehr Schönheit zu entdecken gab, als ihr die Juristerei zu bieten hatte. Um korrekt zu sein: weibliche Schönheit. Denn nachdem Renée zunächst mit fotojournalistischen Arbeiten für die New York Times und den Philadelphia Inquirer erste Anerkennung bekommen hatte, wendete sie sich ihrem heutigen Lieblingssujet zu. Nun lebt Renée mit ihrer Lebensgefährtin in Südfrankreich, hat erfolgreich mehrere Bildbände veröffentlicht und ist als Aktfotografin international bekannt.
„Die generelle Lebenseinstellung, die Ansichten über Zensur und Erotik entsprechen mir hier sehr viel mehr“, sagt die Fotografin. „Das bringt mich dazu, mich in meiner Arbeit viel stärker zu verwirklichen und nicht mehr auf Menschen zu hören, die mir jahrelang einreden wollten, ich solle mich zurückhalten oder meine Bilder zensieren.“

Direkter Zugang zur Sinnlichkeit von starken Frauen

Renée Jacobs ist überzeugt, dass ihre bildjournalistische Erfahrung heute durchaus noch hilfreich ist: „Ich bezeichne meine Arbeit oft als erotischen Journalismus. Bei den Frauen, die ich fotografiere, suche ich nach einer Form von Wahrheit.“ Anonyme Körperlandschaften, skulpturale Akte oder nackte Models, die nur dekorativ in der Landschaft stehen, interessieren die Amerikanerin nicht.

Ich glaube komplett an die eigene erotische Ausdruckskraft der Frauen und merke, wie stark und zeitlos diese ist.

Die Frauen vor ihrer Kamera erzählen ihr während der Fotosessions von ihrem Lebensweg, von ihren Leidenschaften, Phantasien, Ängsten und von ihrem Verlangen. Daraus resultieren Bilder, die all diese Geschichten und Geheimnisse in sich aufgesogen haben unde bleiben bei aller medialen Öffentlichkeit stets auch zutiefst privat und intim. Renée Jacobs Fotos erzählen uns von ihrem direkten Zugang zu den Emotionen und der Sinnlichkeit dieser starken Frauen. Sie sagt, sie zeige diese Frauen wie sie sich präsentieren wollen und dränge ihnen nicht ihre Perspektive auf.

Ende Oktober erscheint Renée Jacobs neuer Bildband, in den sie ausschließlich Polaroid-Akte aufgenommen hat. Bereits kurz nachdem die Bildermacherin begonnen hatte Frauenakte zu fotografieren, schenkte ihr ein Freund eine alte Polaroid 110b Balgenkamera mit 4x5“-Rückteil. Er war ohne Zweifel, dass sie unbedingt damit arbeiten sollte. Das unerwartete Geschenk überzeugte sie sofort. „Ich glaube komplett an die eigene erotische Ausdruckskraft der Frauen und merke, wie stark und zeitlos diese ist. Die Arbeit mit Polaroids ermöglichte mir völlig entspannte Shooting-Sessions, bei denen das erotische Thema viel reflektiver mit allen emotionalen Untertönen aufgegriffen worden ist. Der Polaroid Type 55-Trennfilm brachte gerade genug Unperfektes mit sich, um hier weitere Widersprüche zwischen Sujet und Technik einzubringen.“ So changieren Renée Jacobs Arbeiten hier zwischen informeller Leichtigkeit und einer gewissen Formalität, zwischen Eleganz und roh belassener Direktheit.
Der Bildrand dieser Polaroids verstärkt in Renées Ästhetik noch das Fragile, das Brüchige. Er lässt diese intimen Momente wie bei einem Blick durchs Fenster in die Zonen femininer Sinnlichkeit erscheinen.

DER BILDBAND
„Renée Jacobs: Polaroids“ Edition Galerie Vevais, 12 x 16 cm, 96 Seiten, Vorverkaufspreis im Mai 39 Euro, danach 55 Euro. Alle Bücher sind signiert, nummeriert und mit einem C-Print auf dem Cover. Der Vorverkauf startet am 1. Mai 2021 unter https://galerievevais.de

> www.reneejacobs.com

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.