aufmacher_armin_rohde.jpg

Armin Rohde Selbstportrait

Selbstportrait Das Verhältnis der Menschen zum Raum und zur Lichtdramaturgie eines Ortes sind Armin Rohde wichtig. Beim Selbstportrait kann er wie hier sein intuitives Raumgefühl, das er sich als Schauspieler über viele Jahre angeeignet hat, perfekt in ausdrucksstarken Bildern umsetzen: „Ich weiß, wie ich mich vor der Kamera zu bewegen habe.“

© Armin Rohde

Armin Rohde – Nahaufnahme

Sein zweiter Weg zur Fotografie
23.02.2021

Der deutsche TV- und Leinwandstar („Nachtschicht“) ist seit über drei Jahren ein begeisterter Fotograf. Nun zeigt er sein fotografisches Talent erstmals der Öffentlichkeit.

karen_bohne_portfolio_rohde.jpg

Karen Böhne

Die Schauspielerin Karen Böhne, Mauritius 2019.
"Innerhalb von einer Minute schafft es Karin, mir 17 verschiedene Gesichter von sich zu zeigen. Jeder Ausdruck gewährt dabei Einblick in ihre Seele."

© Armin Rohde

Zunächst deuteten bei Armin Rohde einige Vorzeichen auf eine klassische Fotografenkarriere hin: Bereits im Alter von 19 Jahren hatte er sich einen Stempel zugelegt, mit dem er die Rückseite seiner am eigenen Schwarzweiß-Vergrößerer angefertigten Prints markierte: „Impuls-Foto Armin Rohde“. Der Schriftzug einer fiktiven Fotofirma vermittelte seine Ambitionen und eine frühe Sehnsucht nach Anerkennung, wenngleich der Erfolg noch auf sich warten ließ. Lange vor der Schauspielerei galt Armin Rohdes Leidenschaft und seine Berufung eindeutig der Fotografie. „Schon in den 1970er-Jahren war ich ein eifriger fotoMAGAZIN-Leser, der bei diversen Umzügen immer ganze Jahrgänge der Zeitschrift im Gepäck mitschleppte“, erzählt er heute.

Anfänge mit einer Asahi Pentax-Kamera

Seine Euphorie für die Fotografie verschwand im September 1977 auf einem fernen Highway. Damals trampte Rohde oberhalb des Lake Superior durch Nordamerika und begegnete eines Tages einem freundlichen Hippie-Paar, das ihn ein Stück des Weges mitnahm. Erst nachdem er sich anderntags gut gelaunt von den beiden verabschiedet hatte, merkte der Reisende, dass sich diese einen wichtigen Teil seines Reisegepäcks angeeignet hatten: Seine Asahi Pentax-Kamera und acht Rollen belichteter Negativfilm waren verschwunden. Stattdessen fand er eine hastig bekritzelte Postkarte mit dem Vermerk: „Sorry. Kleptomanen. Verstanden?“ „Wahrscheinlich habe ich damals in Amerika die spannendsten Fotos meines Lebens gemacht“, bedauert der gebürtige Gladbecker noch heute. Sein Traum, künftig als Fotojournalist die Welt zu bereisen, endete jedenfalls an diesem Tag am Straßenrand. Armin Rohde fotografierte danach fast vier Jahrzehnte nicht mehr – und wurde stattdessen einer der besten und charismatischsten Schauspieler des deutschen Films.

Erst im Zeitalter der Digitalfotografie bekam der TV- und Leinwandstar wieder Lust auf das Medium. Zunächst knipste er noch mit dem Smartphone, bis vor etwa drei Jahren die alte Leidenschaft vollends neu entflammte. Heute ist er mit einer Sony Alpha 7 III, einer Sony Alpha 6600 und einer Leica Q2 unterwegs. Er erklärt, die Faszination der modernen Kameratechnik habe ihn zurück zur Fotografie gebracht hat. Mittlerweile hat sich ein wichtiger Impuls dazu gesellt: „Ich interessiere mich beim Fotografieren für das menschliche Drama. Der kurze Moment einer Begegnung mit einem Menschen steht für mich symbolhaft für unser wimpernschlagartiges Existieren zwischen zwei Ewigkeiten. Wir kommen aus dem Dunkeln und kehren dorthin zurück. Mit diesem Wissen leben wir geradezu heldenhaft. Im Licht gibt es uns für ein paar lange Atemzüge und ob wir danach Schatten oder Licht sind, das weiß niemand.“ Der 65-Jährige vergleicht das Festhalten dieses flüchtigen Augenblicks mit der Arbeit des von ihm geschätzten Bildhauers Alfred Hrdlicka, der seine Motive expressiv aus gewaltigen Marmorblöcken meißelte. In Rohdes Bildern schälen sich die Menschen aus der  umgebenden Dunkelheit. Seinen Abbildungsstil empfindet er selbst als „barocken Realismus“.

Mein Schauspiel und meine Fotos sind von einer
gewissen Wuchtigkeit geprägt.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Armin Rohdes Bilder spiegeln seine Faszination für Strukturen und Oberflächen, eine spürbare Lust auf authentische, glaubhafte Emotion und ausdrucksstarke Gesichter. „Mein Schauspiel und meine Fotos sind von einer gewissen Wuchtigkeit geprägt“, sagt er. Dabei geht er ziemlich direkt auf die Menschen zu. Kürzlich begeisterte er sich derart für die Ausstrahlung einer älteren Dame, dass er ihr spontan anvertraute, ihr Gesicht sei für ihn wie eine Landschaft, in der er gerne mit dem Fahrrad unterwegs wäre. Das Kompliment kam nicht gut an. Manche Abgebildeten möchten lieber nicht so viel über die Motivation der Bildermacher erfahren.
Als ambitionierter Fotograf, der erst seit drei Jahren mit Profikameras arbeitet, fühlt sich Armin Rohde noch am Anfang eines Weges, bei dem die Fotografie ein zweites kreatives Standbein werden könnte. „Ich bin als Schauspieler ein hochtrainiertes Modell, als Fotograf ist für mich hingegen vieles neu“, gesteht er. „Momentan spielt bei mir die Entdeckung der Langsamkeit eine große Rolle. Ich möchte das Gehetzte beim Fotografieren ablegen und muss jetzt nicht mehr 800 Bilder am Tag aufnehmen.“ Und dennoch fotografiert Armin Rohde weiter wie besessen.

christoph-maria-herbs-freie-volksbuhne.jpg

Christoph Maria Herbst

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst bei einem Berlinale-Event, Volksbühne Berlin 2019.
"Christoph ist ein schneller Geist. Ich mag hier den wachen Ausdruck in seinem Gesicht, der seine Intelligenz spiegelt."

© Armin Rohde

Armin Rohde ist geradezu süchtig nach dem klackenden Geräusch beim Drücken des Auslösers. Und er liebt die ganze Haptik und die Präzision seiner Kameras. Selbst nach langen Drehtagen verzichtet der „Nachtschicht“-Kommissar oft auf Schlaf, sichtet und bearbeitet stattdessen bis spät in die Nacht die Bildausbeute eines Tages. Die Kameraausrüstung hat er natürlich immer am Set dabei. Gerne portraitiert er dann in den Drehpausen seine Kollegen. Und dabei soll es nicht bleiben. In seinen Zukunftsplänen spielt die Fotografie eine große Rolle. Rohde erwägt, bald mit einer Fotoagentin zu arbeiten und neben der Schauspielerei Aufträge als Profi-Fotograf anzunehmen. „Ich kann mir vorstellen, Modeproduktionen zu übernehmen“, berichtet er. „Eines Tages möchte ich das Titel-Bild der deutschen Vogue fotografieren!“ Armin Rohdes zweiter Weg in die Fotografie führt heute eindeutig auf die Erfolgsspur.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.