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Mode- und Portaitfotograf Peter Lindbergh
Mode- und Portaitfotograf Peter Lindbergh | FOTO: © STEFAN RAPPO
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Kunstpalast-Generaldirektor Felix Krämer sprach mit uns über "Untold Stories" und seine Arbeit mit Peter Lindbergh

Peter Lindbergh: selbst kuratierte Ausstellung „Untold Stories“

Lebenswerk des Starfotografen
23.06.2020

Kurz vor seinem Tod hat Fotograf Peter Lindbergh seine Werkschau "Untold Stories" fertiggestellt. Aktuell läuft die Ausstellung in Düsseldorf und Hamburg. Einen Einblick in "Untold Stories", ein Interview mit Kunstpalast-Generaldirektor Felix Krämer und unsere Lindbergh-Buchempfehlungen finden Sie hier.

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Einblick in die selbst kuratierte Ausstellung "Untold Stories" von Peter Lindbergh

Die Ausstellung zeigt 140 von Peter Lindbergh selbst kuratierte Arbeiten.

© Henning Rogge

Am 3. September 2019 verstarb mit Peter Lindbergh einer der größten deutschen Mode- und Portraitfotografen. Seine Aufnahmen prägten in den letzten dreißig Jahren das Bild der zeitgenössischen, selbstbewussten Frau und setzten das Interesse am Menschen in den Vordergrund. Auch hat Lindbergh der Modefotografie im Photoshop-Zeitalter ihre Natürlichkeit bewahrt. Seine Bilder beweisen uns, dass nichts schöner ist, als die ungekünstelte, echte Darstellung von Charakter und der Emotion eines Augenblicks. Er war es auch, der das Phänomen der Supermodels in den 1980er und 90er Jahren nicht nur mitbegründete, sondern auch auf Fotos festhielt.

Von Lindbergh kuratierte Ausstellung

"Untold Stories" ist nun die erste von Lindbergh selbst kuratierte Werkschau. Der in Duisburg aufgewachsene Fotograf hatte zwei Jahre an der Präsentation gearbeitet und diese unmittelbar vor seinem Tod fertiggestellt. Sie umfasst 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis in die Gegenwart. Viele der Aufnahmen wurden noch nie gezeigt, andere waren Auftragsarbeiten von namhaften Magazinen wie Vogue, Harper's Bazar, Rolling Stone oder dem Wall Street Journal. "Als ich meine Fotos das erste Mal an der Wand im Ausstellungsmodell gesehen habe, habe ich mich erschreckt, aber auch positiv. Es war überwältigend, auf diese Art vor Augen geführt zu bekommen, wer ich bin", berichtete Fotograf Peter Lindbergh im Juni 2019 in einem Interview, das für den Ausstellungskatalog geführt wurde.

Ausstellungen in vier Städten

Die über einen Zeitraum von zwei Jahren vorbereitete Bilderschau ist vom 5. Februar bis zum 27. September 2020 im Kunstpalast, Düsseldorf, ausgestellt. Seit dem 20. Juni bis zum 1. November 2020 ist die Ausstellung zudem im Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) in Hamburg zu sehen. Während der Konzeptphase besuchte Lindbergh dabei sowohl den Kunstpalast als auch das MK&G, um die Umsetzung von Untold Stories zu besprechen. So legte er Hängung und Präsentation der Bilder selbst fest.
Nach der Präsentation im MK&G wird die Schau im Hessischen Landesmuseum, Darmstadt (Winter 2020/2021), sowie im Madre in Neapel (Frühjahr 2021) präsentiert.

Viele bisher unveröffentlichte Bilder

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Filminstallation "Testament" von Peter Lindbergh

Die Filminstallation zeigt eine stumme Auseinandersetzung zwischen Lindberghs Kamera und einem zum Tode verurteilten Mörder.

© Henning Rogge

Die Ausstellung besteht aus drei Teilen, wobei zwei großformatige Installationen den Rundgang rahmen und Einblicke in Lindberghs Arbeiten geben. Den Anfang macht die eigens für die Ausstellung entwickelte Installation Manifest, die eine Einführung in Lindberghs Idee von Modefotografie darstellt. Für den Hauptteil hat er dann die aus seiner Perspektive essenziellsten Werke seines langjährigen Oeuvres arrangiert. Peter Lindberghs Fotos werden paarweise oder in Gruppen gezeigt. Den Abschluss stellt schließlich die Filminstallation "Testament" (2014) dar, die eine fast unbekannte Seite des Schaffens des deutschen Fotografen offenlegt. Der durch einen Einwegspiegel aufgenommene Film zeigt eine stumme Auseinandersetzung zwischen Lindberghs Kamera und Elmer Carroll, ein in Florida zum Tode verurteilten Mörder. Dieser betrachtet 30 Minuten lang und ohne große mimische Bewegung sein Spiegelbild. Die Installation wird zum ersten Mal gezeigt, ergänzt die Ausstellung um eine unerwartete Bedeutungsschicht und stößt eine Debatte um Themen an, die zentral für den Fotografen waren: Introspektion, Ausdruck, Empathie und Freiheit. Es ist dabei der einzige Teil der Ausstellung, zu der Peter Lindbergh selbst einen kurzen Text verfasst hat.

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Peter Lindbergh Portrait

Peter Lindbergh im fM-Interview im März 2015 in Berlin. Er war der prominenteste deutsche Modefotograf unserer Zeit.

© Manfred Zollner

"Durch die Ausstellung ergab sich die Möglichkeit, ausführlicher über meine Fotos in einem anderen als dem Modekontext nachzudenken. Ziel der Präsentation ist es, die Fotos zu öffnen für andere Lesarten und Perspektiven", betonte Lindbergh. Allerdings gehe es ihm nicht darum zu sagen, dass seine Bilder keine Modefotografien seien, denn das wäre auch falsch. "Ich bestehe auf der Definition 'Modefotografie', weil für mich dieser Begriff nicht bedeutet, dass man Mode abbilden muss – die Fotografie ist viel größer als die Mode selbst, sie ist Bestandteil der Gegenwartskultur."

Interviews:

Buchempfehlungen

(von Chefredakteuer Manfred Zollner)

Images of Women II

Images of Women II
© Schirmer/Mosel

Images of Women II
Vom entwaffnenden Charme des „Wahrhaftigen“ (wie Wim Wenders das in einem begleitenden Essay formuliert) in der Schwarzweißfotografie: Posen, Gesten, Blicke. Lindberghs Fotos erzählen mit einer sehr deutschen Ernsthaftigkeit  vom Charakter der Abgebildeten. Der Aufnahmeort wird dabei zur abstrakt finstren Bühne des Ichs. Nacktheit ist hier Seelenstriptease. Portraits mit existenzialistischer Tiefe und ehrlicher Emotion. Ein Meisterwerk!
Schirmer/Mosel, 78 Euro // ✸ ✸ ✸ ✸ 
Jetzt auch als Sonderausgabe in kleinerem Format erhältlich: 296 Seiten, 19,5 x 29 cm // 49,80 Euro

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Peter Lindbergh, Fotograf, Taschen, Cover, Bildband, A Different Vision on Fashion Photography

Der Bildband "A Different Vision on Fashion Photography" ist im Taschen-Verlag erschienen und zeigt über 300 Aufnahmen des legendären Starfotografen.

© Taschen

A Different Vision on Fashion Photography
Peter Lindberghs „anderer Blick auf die Modefotografie“ ist in Wahrheit ein anderer Blick auf die Frau, als der vieler Kollegen. Das große Talent dieses Homme des Femmes liegt darin, im Beiläufigen das Essenzielle zu finden. Und dabei jede Spur von Affektiertem und Gekünstelten wegzulassen. Ob er ganze Geschichten erzählt oder einfach nur die Essenz einer Persönlichkeit herausschält: Lindbergh zeigt seine Vision von natürlicher Schönheit und seinen Sinn für Charisma in Bildern, in denen eine kleine Geste und ein Blick eine Welt öffnen.
524 Seiten, 23,9 x 34 cm, Taschen // 60 Euro ✸ ✸ ✸ ✸ ✸

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Weitere Bücher von Peter Lindbergh

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Buch zur Ausstellung "Untold Stories" von Peter Lindbergh im Kunstpalast, Düsseldorf

Das Buch zur Ausstellung vom Taschen Verlag.

© Marcus Schwier

Untold Stories
Dieser Band dokumentiert die von Peter Lindbergh selbst kuratierte Werkschau. Gezeigt werden über 150 Aufnahmen, die auch neue Einblicke in das Werk des legendären Fotografen bieten. Ergänzt wird die Auswahl durch ein ausführliches Gespräch über die Entstehung der Ausstellung sowie eine Hommage von Wim Wenders an seinen Freund Peter Lindbergh.
320 Seiten, 27 x 36 cm, Taschen // 60 Euro

Images of Women I
Fotografiert in den 80er- und 80er-Jahren verkörperten Lindberghs Modelle ein neues Schönheitsideal und gaben dem Frauenbild einer ganzen Epoche Namen und Gesichter: Naomi und Nadja, Amber, Kate, Milla Jovovich, Nastassja Kinski … Aus Anlass der großen Lindbergh-Retrospektive im Kunstpalast Düsseldorf, legt der Schirmer/Mosel Verlag Lindberghs 1997 im Verlag erschienenen "Images of Women I" in verkleinertem Format neu auf.
Schirmer/Mosel, 312 Seiten, 19,5 x 29 cm // 49,80 Euro

Haute Couture trifft Times Square – Kultkleider von DIOR, fotografiert von Peter Lindbergh
Kreationen aus 70 Jahren DIOR-Geschichte, präsentiert zur Rushhour am Times Square – für Peter Lindberghs in Umfang und Dimension außergewöhnliches Konzept ließ DIOR eine beispiellose Anzahl seiner berühmtesten Kleidungsstücke über den Atlantik reisen. Dieses zweibändige Kompendium, das letzte Buchprojekt des Fotografen, zeigt das Shooting in bisher unveröffentlichten Bildern.
520 Seiten, 28 x 37 cm, Taschen // 150 Euro

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.