"Dinner" aus der Serie "Homeworks" von Joakim Eskildsen

"Dinner" aus der Serie "Homeworks" von Joakim Eskildsen
© Joakim Eskildsen/Robert Morat Galerie

Was macht ein gutes Foto aus, Robert Morat?

Wir fragten den Galeristen aus Hamburg
25.12.2014

Die Sonne lacht, Blende 8. Und sonst? Was zeichnet eigentlich richtig gute Bilder aus? Wir befragten fünf Profis. Teil I

Galerist Robert Morat, Hamburg

Galerist Robert Morat, Hamburg

Galerist Robert Morat, Hamburg

© Thekla Ehling

Ein gutes Foto gibt es nicht. Zumindest nicht im Singular. Nach Meinung des Fotogaleristen Robert Morat erkennt man die Qualität eines Bildes nur im Kontext einer Serie oder zumindest für den Bereich, den er mit seiner Galerie in der Hamburger Kleine Reichenstraße abdeckt: der sogenannten Fine Art Photography.

„Ein gutes Foto ist in der künstlerischen Fotografie ein Schlüsselfoto. Es bringt zusammen, wofür eine ganze Serie steht. Es transportiert eine Art Grundidee.“
Bei Joakim Eskildsens Serie „Homeworks“, die im Herbst diesen Jahres im Steidl-Verlag als Buch erscheinen wird, war für Morat daher schnell klar, welches dieses Schlüsselbild sein müsse: „Dinner“ – das Foto eines kleinen Kindes, das sich hinter einer Schale Milch versteckt hält.

„Dinner“ wird daher auch das Cover des neuen Buches schmücken. Eskildsen dokumentiert darin das Leben seiner eigenen Kinder. Er zeigt sie beim Spielen im Haus, beim Tollen im Garten, beim Sehnen, Lachen und Träumen. Für Morat bringt das Bild „Dinner“ all diese Aspekte von Kindheit bestens zusammen. Und doch geht das Foto über die Darstellung einer einzelnen Kindheit weit hinaus. „Homeworks“, so Morat, „steht letztlich für Kindheit an sich.“

"House at Night" (2010) aus der Serie "Redheaded Peckerwood", Christian Patterson

"House at Night" (2010) aus der Serie "Redheaded Peckerwood", Christian Patterson

"House at Night" (2010) aus der Serie "Redheaded Peckerwood"

© Christian Patterson

Auch das ist so ein Aspekt, der für Morat wichtig bei der Beurteilung eines Fotos ist. „Ein Bild muss auf verschiedenen Ebenen lesbar sein. Es muss ästhetisch und visuell funktionieren; es muss aber auch eine Atmosphäre transportieren.“
Eine Atmosphäre transportiert auch Christian Pattersons Aufnahme „House at Night“ aus der 2010 entstandenen Serie „Redheaded Peckerwood“. Denn „House at Night“ ist voller Suspense.
„Es weckt Assoziationen an Filme von David Lynch oder an Bilder von Edward Hopper. Und dennoch verfällt es nicht ins Klischee.“

Denn Klischeelosigkeit ist für Robert Morat extrem wichtig. „Ein schlechtes Foto“, so der Galerist, „ist immer ein Foto, das sich auf sein Sujet verlässt. Auf einem schlechten Foto ist der Karneval in Venedig immer bunt und die Häuser in Paris sind immer romantisch.“

Ganz anders ist das bei Eskildsen und Patterson. Deren Bilder eröffnen eine Kommunikation. Sie erzählen nicht nur etwas über ihre Motive. Sie erzählen letztlich von der Handschrift des Autors. „Autorenschaft ist für die Beurteilung eines Fotos das A und O.“

Natürlich könne man auch schlicht kunstwissenschaftliche Kriterien anwenden. Man könne auf die Bildkomposition achten oder auf den Goldenen Schnitt. Doch all das sei nur reines Handwerk. Am Ende müsse ein Bild etwas über eine ganz individuelle Bildsprache verraten. 

Was macht ein gutes Foto aus?


Teil II - Felix Hoffmann, Kurator
Teil III - 
Michael Biedowicz, Bildredakteur
Teil IV - Peter Bitzer, Agentur-Chef
Teil V - 
Julian Röder, Bildjournalist

Teil VI - Was macht ein gutes Foto aus? Sagen Sie es uns!

Die ganze Serie ist im fotoMAGAZIN, Ausgabe  10/2014 erschienen

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.