Beate Gütschow: "S #24" (2007)

Beate Gütschow: "S #24" (2007)
Detail aus S #24 © Beate Gütschow/VG Bildkunst

Was macht ein gutes Foto aus, Felix Hoffmann?

Wir fragten den Kurator aus Berlin
26.12.2014

Die Sonne lacht, Blende 8. Und sonst? Was zeichnet eigentlich richtig gute Bilder aus? Wir befragten fünf Profis. Teil II

Kurator Felix Hoffmann, C/O Berlin

Kurator Felix Hoffmann, C/O Berlin

Kurator Felix Hoffmann, C/O Berlin

© privat

Von einem guten Foto wird man nie gelangweilt – egal, ob es an der Wand hängt oder ob man es in einem Magazin sieht. Ein gutes Foto weiß den Betrachter zu unterhalten.

Felix Hoffmann, Kurator bei C/O Berlin, empfindet solche Unterhaltung besonders vor den Arbeiten der 1970 in Mainz geborenen Künstlerin Beate Gütschow. Vor allem die sogenannte S-Serie – eine Werkgruppe, für die Gütschow fantastische Architekturen aus vorgefundenen Bauelementen am Computer collagiert hat – hat es Hoffmann angetan. „Nicht zuletzt durch das Schwarzweiß hat die Serie eine interessante Sprödigkeit“, sagt der Kurator, der die Beurteilung von Fotos dennoch nicht auf subjektive Empfindungen reduzieren möchte.

„Auf einem guten Foto kommen verschiedene Komponenten zusammen. Auf der einen Seite beinhaltet es kunsthistorische Themen und Verweise. Andererseits aber entwirft es auch neue Fragestellungen. Es zeigt Dinge auf, die man so noch nicht gesehen hat.“

All dies geschieht nach Hoffmanns Meinung auf den Foto-Collagen der Künstlerin. So hat sich Gütschow vor dieser S-Serie auch intensiv mit Landschaftskonstrukten auseinandergesetzt – künstlich generierte Idyllen, die starke Assoziationen an Pastoralen und an die Hirtenmalerei aus dem 18. Jahrhundert wecken. Auch in den futuristischen Bauten und Stadtlandschaften der S-Serie sieht Hoffmann ein Stück Kunstgeschichte verbaut.
„Die S-Serie verweist darauf, dass Fotografie immer eine Konstruktion von Wirklichkeit ist; ein Umstand, mit dem sich auch schon die Becher-Schule auseinandergesetzt hat. Zudem spielen Gütschows Bilder mit unseren Erinnerungen.“
Immer wieder gäbe es Teile in den grauen und fantastischen Architekturen zu entdecken, die beim Betrachter Assoziationen an reale Gebäudefragmente wachrufen können. „Bei dem Erker auf dem Bild S #24 etwa habe ich immer das Gefühl, ich kenne das vom Berliner Flughafen her.“

S #24 von Beate Gütschow (2007)

S #24 von Beate Gütschow (2007)

S #24 (2007)

© Beate Gütschow/VG Bildkunst

Doch das Erkennen wird bei Gütschow immer wieder neu verwirrt. Es wird auf den Kopf gestellt.

„Ein gutes Foto lässt einen nicht los. Beim Betrachten entwickeln sich immer wieder neue Assoziati- onsketten. Da passiert etwas mit einem.“ Natürlich ist dieses Passieren keine Format-Frage. Doch Felix Hoffmann gibt durchaus zu, dass die zwei Meter breiten Arbeiten von Beate Gütschow auch räumlich Eindruck machen: „Vor einer solchen Macht wird einem nicht langweilig.“

 

Was macht ein gutes Foto aus?
Teil I - Robert Morat, Galerist
Teil III - Michael Biedowicz, Bildredakteur
Teil IV - Peter Bitzer, Agentur-Chef
Teil V - 
Julian Röder, Bildjournalist

Teil VI - Was macht ein gutes Foto aus? Sagen Sie es uns!

Die ganze Serie ist im fotoMAGAZIN, Ausgabe  10/2014 erschienen

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.