Kreative Quarantäne

Favoriten des Instagram-Fotowettbewerbs
29.04.2020

In der Quarantäne mit der Kamera kreativ werden? Das haben die Teilnehmer des Instagram-Fotowettbewerb "Creative Quarantine" getan. Die Highlights der fotoMAGAZIN-Redaktion stellen wir hier vor.

Anfang April hatten wir auf Instagram gemeinsam mit Beazy, einer Plattform für den Verleih und Entleih von Ausrüstung für Fotografen und Filmemacher, den Contest "Creative Quarantine" veranstaltet. Es ging darum, die eigenen Gefühle zu diesem Thema zu reflektieren. Wie lebt es sich in der Isolation, wie drückt man sich in solchen Zeiten aus und wie kann man die Situation vielleicht sogar neu definieren? Unter dem Hashtag #fmbeazycontest konnten die Teilnehmer ihre Bilder hochladen. Die Top-3 der Jury bestehend aus Teilen der fotoMAGAZIN-Redaktion und Beazy wurden bereits auf Instagram veröffentlicht.
Im Folgenden präsentieren wir nun einige weitere Favoriten der fotoMAGAZIN-Redaktion.

Iris König

Iris König ist studierte Geologin und selbständige Fotografin aus Berlin. Ihr Fokus liegt dabei auf Industrie- und Wissenschafts-Fotografie. Unter dem Pseudonym freuleinkoenig  experimentiert sie als Ausgleich gerne mit Analogfilm und alten Objektiven. Das hier gezeigte Foto mit dem Handschuh und der Blume ist mit einem "vintage" Canon FD 1,8/50 mm Objektiv auf der Sony Alpha 7 III entstanden. "Für mich bedeutet das Foto 'Hoffnung' in Zeiten der Corona-Pandemie. Ich wollte die verzwickte Situation und meine melancholische Stimmung fest halten. Und irgendwie ist es für mich auch ein Reminder, dass die Natur immer mächtiger ist als der Mensch und dass wir die zarten Schätze der Erde lieber mit Samthandschuhen anfassen sollten."

Irina Pasin

Für Irina Pasin war der Wettbewerb "Creative Quarantine" eine Möglichkeit, mit der aktuellen Situation umzugehen, einen Gemütszustand und Gefühle auszudrücken. "Es war auch eine neue Art des Schaffens – zu Hause und mit dem, was man hat. Es mag einschränkend erscheinen, aber es war auch befreiend, weil man einfach etwas kreieren konnte und sich keine Sorgen machen musste, ob es zum eigenen Feed, Stil und den Themen passt. Einfach machen. Denn normalerweise mache ich mir Sorgen um all das und mehr." Die Idee ihres Bildes drehte sich um den Aspekt, dass wir uns gerade in geschlossenen Räumen befinden (sowohl physisch als auch mental). "Wir sitzen alle nur da und warten, bevor wir aufstehen und mit unserem Leben weitermachen können, wie wir es zuvor getan haben – daher der Kranich aus Papier in der Hand. Auch soll nun der Moment sein, in dem wir uns Zeit nehmen, um zu reflektieren (Spiegel) und tief in uns selbst zu blicken. Aber was ist, wenn wir es vermeiden, wirklich zu schauen und zu sehen, was in uns ist?"

Carolin Thiergart

"Bei diesem Bild ging es darum, mit den einfachsten Mitteln ein Fotostudio für Zuhause nachzustellen", erklärt Fotografin Carolin Thiergart. Alles was sie für dieses Bild gebraucht hat war ein schwarzer Hintergrund, also zum Beispiel ein Stück Stoff oder Pappe, sowie Tageslicht, eine Lampe oder Scheinwerfer. Um das Bild Interessant zu machen, hat sie sich für das Accessoire Dampf beziehungsweise Rauch entschieden. Alternativ könnte man aber auch Hüte, Make-Up, Kostüme oder Tücher für einen interessanten Look verwenden. "Um die Aufmerksamkeit mehr aufs Gesicht zu lenken, haben wir uns für ein dunkles beziehungsweise schwarzes Oberteil entschieden. Und fertig ist das Set-up. Danach haben wir einfach mit dem Rauch gespielt und verschiedene Perspektiven ausprobiert. Dabei kam dieses Bild zustande. "Für gewöhnlich fotografiert Thiergart professionelle Tänzer und Artisten – Portraits eher weniger. Wenn überhaupt nur im Rahmen von Tanzshootings. Doch sie betont: "In der Quarantäne kann man eben nicht alles haben, da ist man froh, wenn man überhaupt jemanden zum Fotografieren findet."

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Danylo Torbovskyi

Wie vielen anderen wurde es auch Danylo Torbovskyi langweilig, seit er aufgrund der Corona-Pandemie die meiste Zeit in seiner Wohnung verbringt. So hat er irgendwann beschlossen, sich jeden Tag selbst mit einer neuen Foto-Challenge herauszufordern. Alle seine Aufnahmen macht er dabei mit dem iPhone SE. Am 2. April lautete das Thema seiner #whenimathomechallenge "Spiegel". "Ich machte mir Frühstück und bemerkte plötzlich diesen halb verrotteten Apfel", betont Torbovskyi, der mit einer Leidenschaft für Architektur, Minimalismus und Reisen fotografiert. Er fotografierte den Apfel zusammen mit einem Spiegel und das Foto "Never looked so good" (Nie so gut ausgesehen) entstand. "Wahrscheinlich sehen verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutung in diesem Bild, doch für mich persönlich repräsentiert es meine übliche Einstellung: Man sollte immer versuchen die positiven Seiten zu sehen. Das mag naiv und optimistisch klingen, aber für mich funktioniert es."

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Das Bild "Never looked so good" ist auch unter den Favoriten
© Danylo Torbovskyi

Sebastian Mack

Die Idee zu diesem Bild kam Sebastian Mack, als er ein ähnliches Bild online entdeckte. Allerdings dachte er sich, dass die "verschiedenen" Personen auf dem Foto etwas mehr miteinander agieren könnten. Gesagt, getan. Doch da Mack im Moment relativ wenige soziale Kontakte hat und die meiste Zeit alleine zu Hause sitzt, sollte das Bild darstellen, wie er sich mit sich selbst beschäftigt. So hat er ein Fisheye auf seine Olympus-Kamera gepackt, das Stativ aufgestellt und dann zu jedem Outfit eine andere Pose fotografiert. Zum Schluss hat er die einzelnen Bilder dann in Photoshop zusammengefügt. "Ich selbst würde mich als Hobbykünstler bezeichnen, ich zeichne und fotografiere viel und lerne dadurch auch immer mehr bei der digitalen Bildbearbeitung dazu."

Beata Sisak

Bereits seit zehn Jahren wohnt Beata Sisak in Deutschland, seit zwei Jahren in Berlin. Ursprünglich kommt die Portraitfotografin aus Ungarn. "In meiner Fotografie ist es für mich sehr wichtig die Natürlichkeit der Menschen einzufangen. Ich bin immer auf der Suche nach den Dingen, die die Leute antreiben und prägen, deswegen ist in meinen Werken Empathie ein Schlüsselelement."
Seit die Ausgangsbeschränkungen angefangen haben, versucht Sisak, sich als Fotografin neu auszudrücken und sich selbst neu zu entdecken. So hat sie auch mit der Food-Fotografie angefangen. Doch gibt es derzeit einen großen Unterschied zu den üblichen Aufträgen: das Outfit. "Es gibt keinen Dresscode, keine Regeln wie wir uns selber vertreten sollen." Vor ihrem inneren Auge tragen die Menschen im Homeoffice – egal aus welchem Arbeitsbereich sie kommen – Bademäntel und Jogginghosen. "Das gibt mir ein Gemeinschaftsgefühl. Und darum geht es ja, wir sind im selben Boot und man versucht das Beste daraus zu machen: mit Kreativität, Humor und vielleicht auch etwas Gemütlichkeit aus den vier Wänden auszubrechen."

Jose J. Hera

Als Jose J. Hera eines Tages auf dem Dach joggen war, kam ihm die Idee für dieses Foto. Sport treibt Hera an diesem ungewöhnlichen Ort aufgrund der Quarantäne, denn er lebt in Cordoba (Spanien). "Das Bild habe ich dann von unten aufgenommen. So ragten keine Gebäude in das Foto und den Wäscheklammern sowie dem wundervollen Himmel, der sie umgibt, konnte ich mehr Bedeutung verleihen", betont der Fotograf. Seitdem er in den 90er-Jahren eine Nikon F65 geschenkt bekommen hatte, ist Hera begeistert bei der Sache. Und bereits seit seiner Kindheit hatte er – jedes Mal, wenn er eine Kamera zu fassen bekam – Freude daran, Szenen durch den Sucher zu komponieren. "Ich denke, digitale Komposition ist in der Fotografie unverzichtbar."

Anastasia Chernykh

Anastasia Chernykh wurde in der Ukraine geborgen. Aktuell hat die Fotografin aber in Berlin ein Zuhause gefunden. Sie hat sich auf Portrait- und Dokumentarfotografie spezialisiert, arbeitet aber auch an Werbeprojekten. Bei ihren kreativen Arbeiten beschäftigt sich Chernykh vor allem mit den Themen Sozialisierung, Inklusion und psychische Gesundheit. Schon als Kind hat sie mit einer günstigen Analogkamera alles um sich herum fotografiert "und auch heute noch ist die Fotografie meine größte Liebe". Nach Deutschland kam sie 2019, um ihre Karriere als Fotografin zu verfolgen und sich weiterzubilden.
Auf diesem Foto ist ihr Partner Toni zu sehen, der sich für seinen ersten online Crossfit-Kurs – nachdem die Regierung die Schließung der Fitnessstudios verkündet hatte – vorbereitet. "Für ihn und alle anderen Trainer bedeutete diese Maßnahme nicht nur einen Einkommensverlust, sondern auch die Notwendigkeit, sich auf die neue online-basierte Realität der Kundeninteraktion einzustellen oder sich sogar mit der Frage zu beschäftigen, ob der Geschäftsbetrieb dies übersteht."

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.