Zukunftsbilder

Zollners Zeilen
09.07.2018

Über die neue Smartphone-Suche "Google Lens" und wie Google mit neuen Algorithmen die Zukunftsbilder unserer Smart-Kameras verändern will.

 

Die Meldung erreichte uns Mitte Mai von der Google-Entwicklerkonferenz I/O. Der mächtige Weltkonzern hat eine neue visuelle Smartphone-Suche namens „Google Lens“ entwickelt, die jetzt sowohl in Google Assistent, als auch in Googles Foto-App integriert wird. Künftig sollen damit unscharfe Bildmotive der Handy-Kameras noch besser „schöngerechnet“ werden. Das überrascht im Zeitalter der Algorithmen wenig.

Die zweite Neuerung lässt schon eher aufhorchen: Fotohindernisse sollen mit der neuen Software-Lösung für das Handy automatisch wegretuschiert werden. Keine störenden Äste, die zufällig ins Bild ragen, kein lästiger Straßenmüll im Bild? Auch die kamerainterne Bildretusche gibt es bereits in Ansätzen. Der „Rote-Augen-Effekt“ bei Blitzfotos lässt sich beispielsweise bei einer Aufnahme mühelos wegretuschieren. Tatsache ist: Nicht nur das Telefon wird immer smarter, sondern auch die rechnergestütze Kamera. Ist die Smart-Kamera der nahen Zukunft also eine Art Siri ohne Sucher? Ich nuschle nur kurz: „ViSiri (fiktiver Name) mach ein Bild von meinem Mountain Bike vor der Garage, ViSiri sucht im Web und in meinem Fotoarchiv die besten Bilder vom Fahrrad und der Garage und kombiniert beide in einer perfekten Digitalmontage. Wir denken ein Bild und Algorithmen errechnen es entsprechend unserer Vorlieben in mehreren Geschmacksvarianten.

Tatsache ist: Nicht nur das Telefon wird immer smarter, sondern auch die rechnergestütze Kamera.

Wer sich heute mit Beauty-Software schön pixelt, wer mit den Hundenasen-Portraitdeformationen von Snapchat aufwächst, wird auch vor derlei Kunstgriffen nicht zurückschrecken. Aus Fotografen werden immer öfter Kuratoren, die aus ihrer digital generierten Bildwelt nur noch die passenden Motive auswählen müssen. Mini-Kameras sind dann allgegenwärtig: im Kühlschrank, im Haushalt und im Auto.  Fotografiert wird mehr denn je. Und gerne auch Standbilder aus aufgezeichnetem Filmmaterial entnommen. Schöne neue Fotowelt? Sie scheint nicht so fern. Seltsam: Irgendwie bin ich trotzdem froh, dass wir heute noch gelernt haben, selbst kreative Entscheidungen vor der Aufnahme zu treffen – trotz all der klugen Technik-Gimmicks.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
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fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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