Unlust am Kamera-Gebrauchtmarkt

Die Secondhand Kolumne
21.04.2021

Eigene Verkäufe können den Geldbeutel füllen. Vorausgesetzt, Sie beachten, dass der Secondhand-Handel kein Entsorgungswerk ist.

Die gesamtwirtschaftliche Lage ist schwierig. Weniger Geld in der Tasche, unsichere Zukunft – da könnte eine junge, günstige Gebrauchte statt neuer Ware ein cleverer Kompromiss sein. Aber auch eigene Verkäufe könnten den Geldbeutel füllen: Betrachten Sie den persönlichen Warenschatz kritisch und räumen Sie auf. Das muss jetzt weg und wird im Secondhand-Markt angeboten. Im Idealfall würde ein lebhafter Handel Käufer und Verkäufer zufriedenstellen. Die Realität sieht anders aus, von Ausgewogenheit keine Spur.

In Zeiten des Überangebots muss sich der Verkäufer
schon Mühe geben.

Die Online-Verkaufsangebote z. B. in den Gebrauchtrubriken der Fotoforen wachsen stark von Tag zu Tag, wenig wird verkauft, die Unlust am Konsum ist nicht zu übersehen. Viel Kleinkram-Schrott wird auf gängigen Auktionsplattformen angeboten, selbst gesuchtere Sachen sind zahlreich vertreten. Aber: Die geforderten Preise passen nicht zum Marktumfeld. Schon leichte Rabatte führen zu Zugreifpreisen: Eine Olympus E-M1 für 250 Euro, Sony Alpha 6000 für 260 Euro, Nikon D800 oder Fuji X-T2 für gut 500 Euro, da schrillt der Schnäppchenalarm.
Bei diesem Überangebot haben Käufer die große Auswahl. Wenn der Verkäufer bei seinem Angebot schlampt, wird er bestraft. Verschmutzte Ware, schlechte Produktfotos, unzureichende, fehlerhafte Beschreibung: Das geht gar nicht – die Verlierer im Verkaufswettbewerb stehen dann schon fest. Wer seine Gegenstände mit Originalverpackung, interessantem Zubehör (zweiter Akku/Filter/Tasche/Speicherkarte …) und vielleicht wirksamer Gewährleistung anbieten kann, kombiniert mit etwas Flexibilität beim Preis, gehört zu den Gewinnern. Und bitte keinen Schrott anbieten, das führt nur zu Frust. Was man persönlich beim Ausmisten gefunden hat, interessiert auch in der heutigen Zeit niemand sonst, der Secondhand-Handel ist kein Entsorgungsweg.
In Zeiten des Überangebots muss sich der Verkäufer schon Mühe geben, die Konkurrenz schläft nicht. Tipptopp-Anzeigen und etwas günstiger als üblich, so produziere ich Schnäppchen – dann klappt der Verkauf auch.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.