Stars in Hotelbetten

Zollners Zeilen
24.08.2018

Manfred Zollner über das Kuratieren in der Fotoszene und darüber, wie wichtig eine kluge Vorselektion ist.

Heute empfindet sich jeder bereits als Kurator, wenn er mal ein paar Instagram-Fotos mit Likes versehen hat. Kuratieren gilt gemeinhin als cool und verleiht selbst banalen Alltagsangelegenheiten den Anschein von „irgendwie etwas mit Kunst“ und „irgendwie wichtig“. Mittlerweile wird selbst der Urlaub nicht mehr gebucht, sondern quasi von der netten Dame im Reisebüro kuratiert. Kuratieren heisst zwar nichts weiter als organisieren und betreuen. Das klänge allerdings zu banal für die Kunstwelt. Das Fotofestival in Arles legt besonderen Wert auf seine Kuratoren und holt sich dafür Top-Experten aus aller Welt. Das funktioniert meist bestens und hat den Rencontres d´Arles seit 2015 zu mehr inhaltlicher Tiefe verholfen.

Kuratieren gilt gemeinhin als cool und verleiht selbst banalen Alltagsangelegenheiten den Anschein von „irgendwie etwas mit Kunst“ und „irgendwie wichtig“.

Die im letzten Jahr von der LUMA Foundation organisierte Ausstellung zum bildjournalistischen Frühwerk von Annie Leibovitz zeigte hingegen, was passieren kann, wenn Ausstellungsmacher mangelndes Fingerspitzengefühl bei der Bildauswahl mitbringen. Die Pinnwände der Ausstellungshalle wurden zugepflastert mit tausenden Schwarzweißbildern prominenter Musiker, Schriftsteller und sonstiger Stars, die Annie zu Beginn ihrer Karriere für den Rolling Stone abgelichtet hatte. Eine unübersichtliche Abfolge von Fotos von Stars in Hotelbetten, auf Bühnen und Flughäfen. Schnappschüsse von den Transitzonen des Jetsets. Bilder, die wie Namedropping bei Partys funktionierten und den Besucher in die Kuratorenrolle zwangen. Motto: Wähle deine Lieblingsfotos selbst aus! Ein Lehrstück, das zeigte, wie wichtig eine kluge Vorselektion ist.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.