Kolumne Zollners Zeilen: Aufmacher

Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
© fotoMAGAZIN

Seltsame Vorstellung

Zollners Zeilen
30.01.2020

Über lieblose Portfolio-Bewerbungen von Fotografen via E-Mail.

Es gab tatsächlich mal Tage, an denen sich Fotografen scheinbar noch Gedanken zum „Visual Marketing“ ihrer Bilder gemacht haben. In jener analogen Vorzeit ersannen die Professionals Poker-Kartensets mit eigenen Fotomotiven, schickten Poster, brachten aufwändig gestaltete Alben zur Ansicht und machten sich generell Gedanken, wo und warum sie ihre Bilder vorstellten. Mit anderen Worten: Sie kannten tatsächlich jene Zeitschriften, denen sie ihre Bildwerke zum Abdruck anboten und versuchten einfallsreich, ihre Arbeiten dort vorzustellen. Heute landen in den Redaktionen täglich dutzende Mails mit der Anmutung von Serienbriefen dubioser Geldeintreiber der Elfenbeinküste. Die Rechtschreibung dieser lieblosen Schnellbewerbungen mag in manchen Fällen etwas besser sein, inhaltlich bleiben sie vergeichbar wirr: unpersönliche Text-Bausätze mit lockerem Verweis auf die eigene Website und der Aufforderung, man möge dort Bilder besichtigen. Schlecht formulierte Briefe, die die Mailboxen der Kreativbranche verstopfen wie Werbewurfsendungen den guten alten Briefkasten.

Würden die gleichen Bildermacher, die hier seriell Mails durchs Land streuen, ähnlich vorgehen, wenn sie ein Anliegen bei ihrem Anwalt hätten? „Sehr geehrter Herr xx, besuchen Sie bitte meine Website, um mehr über mich und meinen Verkehrsunfall vom 13. September zu erfahren. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich anschließend vor Gericht vertreten.“ Unvorstellbar!

Heute landen in den Redaktionen täglich dutzende Mails
der Anmutung von Serienbriefen dubioser Geldeintreiber
der Elfenbeinküste.

Sogenannte Kreative – ob Profi oder Amateur – sollten bei schriftlichen Vorstellungen wenigstens die Mindestanforderungen berücksichtigen:

  • 1. Informieren Sie sich, wer Ihr Ansprechpartner ist und richten Sie Ihr Anschreiben an ihn/sie persönlich.
  • 2. Machen Sie sich vorab Gedanken, welche Bilder zu dem ausgewählten Medium passen könnten und formulieren Sie einen Teasertext, der neugierig auf die Fotos macht.
  • 3. Fügen Sie ein PDF mit zehn bis zwölf repräsentativen Aufnahmen bei. Und seien Sie kritisch bei der Bildauswahl. Wenn Sie mit Ihren Arbeiten auffallen wollen, sollten Sie keine Bilder abliefern, die bereits von Stock-Agenturen verramscht werden.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2018 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.