Sabotage am Selfiestick: Buddy Bolton und seine Zerstörungswut

Zollners Zeilen
27.02.2017

Ein YouTube-Aktionist kämpft bewaffnet mit dem Bolzenschneider gegen den Selfiestick. Wie Buddy Bolton nun weitermachen will, erzählen wir Ihnen

Okay, Selfiesticks nerven bisweilen. Oft sogar. In einigen Museen sind die ausziehbaren Fotostangen mittlerweile aus verständlichen Gründen verboten. Vor Mona Lisa fänden wir im Louvre sonst stündlich mehr Sticks als in einer Packung Salzletten.

 

Folgende radikale Reaktion geht allerdings sehr weit: Der YouTube-Aktionist Buddy Bolton zwickt mit massivem Schneidewerkzeug aus der Gartenabteilung eines Baumarktes in New York Selfiesticks der Touristen ab. Sozusagen in flagrantibeim Selbstportrait vor der Kulisse Manhattans. Bolton lässt sich bei seinen Pflasterstrand-Attacken filmen und macht uns zu Zeugen seiner Zerstörungswut.

Die Sorge um das kaputte Handy-Accessoire für Egozentriker wäre für die Opfer vielleicht noch zu vernachlässigen. Doch wer bezahlt all die Smartphones, die im Sturzflug auf den Großstadtbeton prallen? Da könnte jetzt wirklich jedem das Foto-Grinsen vergehen.

Stehen koordinierte Angriffe auf europäische Dreibeinstative bevor? Kommen nach den Smartphones demnächst die SLRs der Profis dran?

All jenen, die nun zu sofortigem Mitleid mit den geschädigten Touristen neigen, entgegnet Hartherz Bolton via Facebook: „Ich bereue überhaupt nichts!“ Die meisten seiner „Pranking“-Opfer seien von ihm mit einem neuen Stick entschädigt worden. In einem etwas komplizierteren Fall werde noch wegen eines kaputten Handys verhandelt. Eifrig droht er bereits mit Folgehandlungen: Demnächst will der „Komiker“ seine Aktion in Los Angeles wiederholen. Der Medienaufmerksamkeit kann sich der Stangenzwicker sicher sein: Boltons YouTube-Clip wurde binnen zweier Wochen 1,2 Millionen Mal betrachtet.

Wie soll es nun weitergehen? Stehen koordinierte Angriffe auf europäische Dreibeinstative bevor? Kommen nach den Smartphones demnächst die SLRs der Profis dran? Sollten wir etwa Zwickschutz-Versicherungen abschließen? Schweißgebadet denken wir an fiese Sonnenuntergangs-Szenarien an der Caldera Santorins, bei denen Stativschubser Vollformatkameras in Abgründe stürzen könnten. Für ein paar Minuten Ruhm im Psychopathen-TV? Und eine Aufreger-Headline in der BILD? Hightech-Terror am Rande des Vulkans. Haltet Eure Spiegelreflexen. Fest!

 

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 11/2016 erschienen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.