Renaissance der Mittelformatkameras

Warnkes Secondhand Kolumne
01.03.2021

Wer zu einer hochwertigen analogen Mittelformatkamera greift, führt keine Megapixeldiskussion.

Lebendgewicht fast 2,5 Kilogramm: Die analoge Pentax 67 mit Takumar 2,5/105 mm und TTL-Prisma ist wahrlich ein Masse-Monster, hektisches Fotografieren verbietet sich damit. Lange Zeit gehörten analoge Mittelformatkameras zu den preislichen Verlierern des Gebrauchtmarktes. Das hat sich offensichtlich verändert. Konnte man eine gepflegte, nicht profimäßig abgewrackte Pentax 67II mit Normalobjektiv 105 mm noch vor einiger Zeit für 1600 Euro erwerben, so müssen Sie heute dafür schon um die 2500 Euro hinlegen. Überhaupt, analoge 6x7-Mittelformatkameras sind gefragt: Die Mamiya 7II (mit 80 mm) und Makina 670 haben die 3000-Euro-Grenze bereits überschritten.

Technischer Minimalismus als Ausdruck kreativer Konzentration, Beschränkung als Vorteil.

Schon länger hat sich beim Kleinbildformat eine Wiederbelebung der analogen Fotografie abgezeichnet. Diese Renaissance wird stark getragen von jungen Leuten, die mit günstigen Apparaten fotografieren, die meist älter sind als sie selbst. Technischer Minimalismus als Ausdruck kreativer Konzentration, Beschränkung als Vorteil. Analoge Mittelformatfotografie verstärkt Entschleunigungsprozesse radikal. Masse und hohe Materialkosten als Bremser, große Filmformate als Basis für Qualitätsreserven. Wem pro Film nur zehn Aufnahmen im 6x7-Format zur Verfügung stehen, der wird sich für die Bildkomposition Zeit nehmen und mit Bedacht auslösen. Höhere Herausforderungen, mehr Gedanken können dem Bild guttun.
Der Anblick eines Mittelformatdias fasziniert. Hier spürt man die physische Kraft des Films, des Gegenständlichen, den besonderen Wert des Unikats. Die Bedeutung des Augenblicks entsteht im Moment des Fotografierens und nicht in der Nachbearbeitung. Wer zu einer hochwertigen, analogen Kamera greift, führt keine Megapixel-Diskussionen.
Klar, auch nostalgische Gründe, in der eigenen Fotobiografie begründet, können Auslöser für den Griff zur Analogen sein und Vergangenheit verklären. Analoge Fotografie muss nicht glorifiziert werden. Als Gegenpol zur heute übertriebenen Betonung der schnelllebigen Kameratechnik hat diese jedoch ihren Stellenwert.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.