Magnum vor Ort: wir erinnern uns an die Anschläge in Paris

Zollners Zeilen
01.02.2016

Als wir Anfang dieser Woche die Nachricht erhielten, in Brüssel habe es Terroranschläge gegeben, fühlten wir uns direkt an Charlie Hebdo und die Horrornacht in Paris Ende 2015 zurück erinnert. Wie es der Zufall so wollte, fand zum Zeitpunkt der Geschehnisse in Paris die beliebte Fotokunstmesse Paris Photo statt. Magnum Fotografen aus aller Herren Länder waren an Ort und Stelle, um die Geschehnisse zu dokumentieren

Zur Fotokunstmesse Paris Photo begrüßt die Fotografenvereinigung Magnum traditionsgemäß viele ihrer Fotografen in der Stadt. Sie kommen aus allen Ecken der Welt, um auf der Messe ihre Bildbände zu signieren, Kontakte zu Galerien zu pflegen, in neuen Fotobüchern zu stöbern und am Abend mit Kollegen bei einem Glas Wein zu plaudern.

Peter van Agtmael, Alex Majoli und Paolo Pellegrin waren am Abend des 13. Novembers 2015 in der Nähe des Bataclan-Konzertsaals im 11. Pariser Arrondissement unterwegs, als Terroristen dort wahllos Menschen ermordeten. Später schilderte Peter van Agtmael auf Facebook, wie er für sich und seine Kollegen schnell in der Pariser Unterkunft das Kamera-Equipment holte, bevor die Drei loszogen und im Umfeld der Attentatsorte fotografierten. Ihr Kollege Patrick Zachmann war am Place de la Republique, als Polizei und Krankenwagen an ihm vorbei zum nahen Bataclan rasten. Er folgte den Einsatzkommandos. „Ich dachte sofort an einen Terroranschlag“, vertraute Zachmann später dem Time Magazine an. Mit seinem iPhone filmte und fotografierte er den Schusswechsel mit der Polizei. Und lieferte seine Bilder der US-Illustrierten.

Sie dokumentieren die Stadt im Schockzustand
und machen Aufnahmen, die heute Bildikonen sind.

Der Amerikaner Steve McCurry befand sich wie tausende anderer Fußballfans im Stade de France, um das Länderspiel Frankreich-Deutschland zu verfolgen. Drei Attentäter hatten sich hier vor der Arena in die Luft gesprengt und der erfahrene Krisenfotograf schilderte später dem Nachrichtensender CBS News, wie ihn die panische Menschenmenge zu Boden drückte: „ Alle rannten wild schreiend herum und ich dachte, jetzt muss ich sterben.“

Seltsam surreale Fußnote der Geschichte: Während der Terroranschläge auf die New Yorker Twin Towers am 11. September 2001 hatte die Magnum-Bildagentur gerade ihre Mitglieder zum Jahrestreffen in New York versammelt. Auch in diesem Fall waren einige sofort zur Stelle und machten Aufnahmen, die heute Bildikonen sind. Bildjournalisten wie Thomas Hoepker, Alex Webb, Susan Meiselas und erneut Steve McCurry fotografierten die Stadt im Schockzustand. Nun haben sich die tragischen Ereignisse erneut in unmittelbarer Nähe zu den Fotografen der berühmtesten Bildagentur der Welt abgespielt.

 

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 01/2016 erschienen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.