Haufenweise Schrott

Warnkes Secondhand Kolumne
02.03.2020

Über gebrauchte Foto-Ramschware, die nicht auf dem Müll landet, sondern als "Vintage"-Ware angeboten wird.

Es ist grauenhaft: Die Auktionsseiten der Versteigerungsplattform eBay sind voll von gebrauchter Foto-Ramschware. Interessante Angebote ersaufen in der Unmenge von Auktionsware, die niemals einen Käufer finden wird. Nur 20 bis 30 Prozent der bei eBay eingestellten gebrauchten Fotoartikel werden überhaupt verkauft. Uralte Ware ist in einem derart unappetitlichen Zustand, dass Seuchengefahr besteht. Alte Stative, die schon vom Anschauen umfallen, und Fototaschen, die der Opa besessen haben muss, füllen seitenweise die Plattform.

Massenware der 60er- und 70er-Jahre überschwemmt
und erstickt den Secondhand-Markt.

Allein über 10.000 alte Gegenlichtblenden und Filter ersticken alles, 4000 museale Blitzgeräte, deren hohe Zündspannung jeder aktuellen Kamera den Elektronik-Tod bescheren würde, werden niemals Käufer finden. Die Spitzenreiter in der Schrott-Liga erkennen Sie am Zusatz „Retro“ oder „Vintage“. Es wird gnadenlos alles eingestellt, was Aufräum- und Entrümpelungsaktionen ans Tageslicht gefördert haben; eBay statt Mülltonne.
Auch Fotobörsen leiden unter der Verramschung. Ganze Anbietertische biegen sich unter Pappkartons voller Schrott. Dieses Totholz taucht seit Jahren nahezu unberührt immer wieder auf. Aber anders als auf den unübersichtlichen Auktions­seiten, sind auf den Fotobörsen diese Schrottecken schnell zu umschiffen und wie in einem Trödelladen werden Schätzchen dann in einer anderen Ecke entdeckt.

Massenware der 60er- und 70er-Jahre überschwemmt und erstickt den Secondhand-Markt. Ob nun die Millionen-Seller von Agfa oder Voigtländer, spätere Pocket-Kamera-Massenware oder einfache, analoge Spiegelreflexkameras aus dem vorigen Jahrhundert, die privaten Verkäufer wollen völlig realitätsfern für ihre Ware noch richtig Geld sehen. Wie kommt es, dass der 20 bis 30 Jahre alten 08/15-Kamera noch ein Wert beigemessen wird, der einem anderen Gebrauchsgegenstand aus dieser Ära niemals zugeschrieben würde? Die Kamera als biografisches Erinnerungsstück muss – als emotional stark beladenes Teil der Lebensgeschichte – einen besonderen Wert haben.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.