Gebrauchtmarkt: Sorgenkinder

Warnkes Secondhand-Kolumne
03.11.2015

Warum DSLR-Ausrüstungen heute Ladenhüter auf dem Gebrauchtmarkt sind

Da braut sich ́was zusammen. Es ist nicht zu übersehen, dass der Secondhand-Fotomarkt von DSLR-Ausrüstungen aus dem unteren und teilweise mittleren Qualitäts- und Preissegment überschwemmt wird. Nachdem schon die einfacheren digitalen Kompaktknipsen – selbst von Markenfirmen – den Gebrauchtmarkt überschwemmen, betrifft dieses Überangebot nun auch den Reflexmarkt.

Olympus und Sony waren die Vorreiter in dieser Abwärtsspirale. Prinzipielle Veränderungen in der Modellpolitik führten zu massenhaften Fluchtbewegungen aus den veralteten Techniken: bei Olympus die Abkehr von der Four-Thirds-Idee, bei Sony die Schwerpunktverlagerung auf spiegellose Systemkameras. Die dreistelligen DSLR-Modelle von Olympus sind die Ladenhüter im Gebrauchthandel. Die Sony Alpha-Kameras mit drei- und sogar auch zweistelliger Typenbezeichnung gehören ebenfalls in diesen Katastrophen-Topf. Und es sind inzwischen nicht nur die kleineren Firmen, die hier zu Problemkindern des Gebrauchtmarktes werden, auch die Platzhirsche Canon und Nikon haben Absatzprobleme.

Canon EOS 1000-er- und Nikon 3000-er-Produktionsreihen werden in großer Stückzahl abgestoßen. Hier korrespondieren Neu- und Gebrauchtmarkt miteinander. Die Zeiten, in denen sich in den Elektronikmärkten palettenweise Neuware dieser Typen verkaufen ließ, sind vorbei. Und mit den gebrauchten Gehäusen drängen auch in großer Stückzahl die billigen Zoom-Objektive auf den Markt. Niemand möchte diese voluminösen Plastikhaufen mehr nutzen. Der normale Familien- und Urlaubsfotograf will heute keine DSLR-Ausrüstung mehr. Der Ausrüstung schleppende Amateur-Fotograf ist heute nur noch Satire – möglichst viel Gerätemasse erzeugt längst nicht mehr automatisch Anerkennung. Man hat die Ausrüstung, aber sie kommt nicht mit: also weg damit.

Waren es früher noch Aufsteiger, die ihre einfachere DSLR-Ausrüstung verkauften, um sich im Reflex-Bereich qualitativ höher zu engagieren, so wird heute oft ganz anders geplant. Der anspruchsvollere Weg geht immer mehr in Richtung kompaktere Systemka- meras. Auch die Bridgekameras werden immer besser und schaufeln am DSLR-Grab mit. Klein, edel und qualitativ ansprechend – das sind auch die Erfolgskriterien für den aktuellen Gebrauchtmarkt.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 10/2014 erschienen. 

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.