Gebrauchtmarkt: Monopolist eBay

Warnkes Secondhand-Kolumne
30.06.2015

Die Auktionsplattform eBay scheint der ideale Verkaufsort für Secondhand-Ware zu sein. Aber es gibt Kritik

Wer kennt die Situation nicht: Da hat sich im Laufe der Zeit einiges an fotografischer Hardware angesammelt, die man wieder in den Warenkreislauf einbringen möchte. eBay.de scheint dafür der ideale Umschlagsplatz zu sein, immerhin bieten dort private Verkäufer im Monat über 20 Millionen Artikel an. Doch das Portal zieht immer stärker den Zorn der User auf sich.

eBays Strategie ist unverkennbar: Das Unternehmen setzt mehr und mehr auf gewerbliche Verkäufer und entwickelt Methoden, private Verkäufer zu vergraulen. Dabei nutzt eBay seine Macht als Monopolist gnadenlos aus und dreht in bestimmten Abständen an der Gebührenschraube. Mit der fadenscheinigen Begründung, das Gebührensystem für den privaten Anbieter übersichtlicher zu gestalten, wurden 2011 die Verkaufsgebühren drastisch erhöht – gerade für Angebote im niedrigeren Preisbereich kamen Steigerungen von über 100 Prozent schnell zusammen. In diesem Jahr schlug eBay erneut zu. Wer heute hochwertige und teurere Fotoware dort verkaufen will, ist von der Anhebung der Maximalgrenze für die Verkaufsprovision von 45 auf 75 Euro vehement betroffen. Und die kommt schnell zusammen!

Neun Prozent Provision erhebt das Auktionshaus beim Verkauf privater Fotosachen, die 2008 noch bei durchschnittlich vier Prozent lag. Zusammen mit dem Bezahlsystem PayPal, einer eBay-Tochter, kommt der Verkäufer schnell auf Kosten von fast zwölf Prozent. Das moderne Raubrittertum bedient sich nicht mehr des offenen Überfalls, sondern nutzt Monopol-Stellungen gnadenlos aus.

Doch gerade für gebrauchte Fotoware gibt es gute Verkaufsalternativen. Neben den bewährten Optionen – ankaufender Fachhandel und Foto-Börsen – gewinnt ein weiterer Handelsweg an Bedeutung. Die verschiedenen Foto-Foren im Internet haben oft einen interessanten Secondhand-Markt mit hohen Umschlagszahlen. Häufig sind die Preise niedriger, da der Verkäufer meist einen Teil der eingesparten Provisionen an den Käufer weitergibt. So haben alle etwas vom Deal. Es ist einen Versuch wert – nur das Gehen alternativer Wege lässt die Methoden der Wegelagerei von Monopolisten durchbrechen.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 01/2014 erschienen.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.